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#7 Homeoffice, Corona, Atemschutzmasken und Mutismus

Ich bin noch immer im Homeoffice und werde das auch noch eine Weile sein. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, die Kollegen und Geschäftspartner im Wohnzimmer zu haben. Das ist mein neues Büro. Und auch die Sache mit den fehlenden Kollegen geht inzwischen etwas besser. Natürlich fehlen sie mir. Aber ich gewöhne mich wieder an das Alleinsein. Eigentlich ist das für introvertierte Menschen auch kein großes Problem. Dumm ist nur, dass es eine Art Rückschritt war. Weg von all dem Erkämpften. Ich hoffe nur, ich entwöhne mich nicht zu sehr, sodass es schwierig ist, wenn alles wieder normal ist.

Online Reden

Positiv ist, dass ich nun bewusst mit Menschen Gespräche führe, mit denen ich normalerweise im Alltag gar nichts zu tun hätte. Ja, das ist positiv. Auch für mich als Mensch mit Mutismushintergrund. Denn Menschen erzählen tolle Dinge und auch ich habe manchmal tolle Dinge zu erzählen. Heute zum Beispiel.

Und dazu kommt, dass online reden sogar viel leichter ist, als vor Ort reden. Ich weiß nicht, ob das damals zu Mutismushochzeiten auch schon so gewesen wäre. Denn Überwindung hat das erste online Reden gekostet. Und theoretisch müsste mit dem Telefon telefonieren dann auch leicht sein und das ist es absolut nicht. Auch heute nicht. Schon gar nicht mit fremden Menschen. Aber Hauptsache online ist es jetzt leicht. Denn wenn nicht, wäre mein täglicher Stresspegel hoch. Sehr hoch.

Vor einiger Zeit musste ich ein Ergebnis unserer Gruppe den anderen Gruppen und damit wasweißichwievielen Kollegen vorstellen. Und es war tatsächlich nicht schlimm. Natürlich kann ich das schon eine Weile ohne erkennbare Probleme. Aber dieses Mal war es tatsächlich auch innendrin gar nicht schlimm. Es sieht mich keiner. Und noch besser, ich sehe den Haufen Menschen nicht, der mir zuhört. Vielleicht wären auch noch mehr Menschen völlig egal gewesen. Das ist interessant. Vielleicht wird ja doch noch mehr aus mir.

Atemschutzmasken und Mutismus

Ein neues Problem ist jetzt allerdings, dass auch bald in meinem Bundesland eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum herrscht. Da ich ohnehin mit dem Auto fahre, ist das für die öffentlichen Verkehrsmittel egal. Aber einkaufen muss ich ab und an. Und wer weiß wie lange das geht, vielleicht muss ich auch mal irgendwo anders hin. Zum Arzt zum Beispiel.

Wie das gehen soll, weiß ich noch nicht. Ich sehe mich noch nicht mit einem bedeckten Mund, wenn ich doch eigentlich sprechen muss. Zum einen hab ich den Mund doch erst freigegraben. Zum anderen weiß ich nicht, wie die Stimme in meinem Alltag lauter gehen soll. Muss sie bestimmt, damit man mich versteht. Und auch nicht nur deshalb. Eine Atemschutzmaske gehört nicht zu meinen Alltagskleidungsstücken und deshalb nicht zu meinen Wohlfühldingen. Und wenn ich mich nicht wohlfühle, ist alles schwieriger. Gehemmter und eingefrorener. Ich sehe das noch nicht. Das ist momentan das größte Problem.

3 thoughts on “#7 Homeoffice, Corona, Atemschutzmasken und Mutismus

  1. Wie viel hast du denn bisher immer gesprochen, wenn du im Supermarkt warst?
    Wenn du so ähnlich bist wie ich, dann beschränkte sich das auf „Hallo“, „Danke“, „Schönes Wochenende“. Das klappt auch durch eine Maske. Ganz bestimmt.

    Mit den Accessoires ist es doch so, dass sie sich immer komisch anfühlen, wenn sie neu sind. Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich in einem Job das Halstuch mit den Firmenfarben tragen sollte – und es fühlte sich sehr doof an…
    In der ersten halben Stunde.
    Danach habe ich komplett vergessen, dass ich es trage.
    Es wurde zugegebenermaßen nie mein Wohlfühldings.
    Es war einfach Teil meines Alltags. Und mehr war auch nicht nötig.

    1. Ja, das stimmt. Im Supermarkt redet man wahrscheinlich am wenigstens. Und wenn man ein „Hallo“, „Danke“, „Tschüss“ nicht gut versteht, ist es eigentlich auch nicht schlimm. Ich hoffe nur, dabei bleibt es und man muss nicht sonstwas damit reden.
      Ich bin gespannt. Vielleicht muss ich mal Probetragen.

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