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	<title>Mutismus Blog &#187; stumm</title>
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	<description>Die Welt aus der Sicht einer Schweigsamen...</description>
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		<title>Du bist verrückt!</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Apr 2010 12:44:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutschunterricht. Frau K. unterrichtete heute.
Eigentlich war Frau K. für Timo, einen Mitschüler von Kevin da, der im Rollstuhl saß. Timo hatte eine leichte Lernschwäche und deshalb betreute ihn Frau K. einige Stunden in der Woche.
Frau K. arbeitete noch an einer anderen Schule, denn sie war eigentlich Lehrerin an einer Sonderschule. Aber heute übernahm sie als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Deutschunterricht. Frau K. unterrichtete heute.<br />
Eigentlich war Frau K. für Timo, einen Mitschüler von Kevin da, der im Rollstuhl saß. Timo hatte eine leichte Lernschwäche und deshalb betreute ihn Frau K. einige Stunden in der Woche.<br />
Frau K. arbeitete noch an einer anderen Schule, denn sie war eigentlich Lehrerin an einer Sonderschule. Aber heute übernahm sie als Krankheitsvertretung den Deutschunterricht.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Thema war Eduard Mörike. Eigentlich nahmen sie im Deutschunterricht gerade etwas anderes durch, aber Frau K. war der Meinung, dass es nicht schaden könnte etwas über bekannte deutsche Lyriker zu wissen.<br />
Sie teilte verschiedene Arbeitsblätter aus. Einen Steckbrief und verschiedene Blätter mit seinen Werken, die vorgelesen werden sollten.<br />
Wahrscheinlich war Eduard Mörike und vorlesen das einzige, was sie für heute vorbereitet hatte, dachte Kevin während eine Mitschülerin den Steckbrief laut vorlas.<br />
Nach dem Steckbrief wurden &#8220;Er ist&#8217;s&#8221; und &#8220;Septembermorgen&#8221; vorgelesen und dann ein Auszug aus &#8220;Idylle vom Bodensee&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich sagte Frau K.: &#8220;Kevin, liest du bitte weiter!&#8221;<br />
Nicht auch das noch, dachte Kevin.<br />
Normalerweise hatte er Glück. Er wurde selten dran genommen. Vorallem von Frau F., die sonst Deutsch unterrichtete. Vielleicht, weil sie wusste, dass Kevin nicht sprach und ihn nicht quälen wollte. Aber Frau K. wusste es auch. Sie nahm ihn trotzdem dran. Vielleicht weil sie der Meinung war, dass man in der Schule sprechen muss. Muss man ja eigentlich auch, aber in diesen Momenten war es Kevin gleichgültig, was am Ende des Schuljahres mit den Noten passierte, wenn er mündlich nicht mitarbeitete.<br />
&#8220;Kevin, du bist dran mit lesen&#8221;, sagte sie diesmal etwas energischer.<br />
Kevin saß starr auf seinem Platz und schaute mit gesenktem Kopf auf das Blatt mit den vielen Buchstaben. Sein Mund war geschlossen. Nur sein Brustkorb hebte und senkte sich leicht, wenn er ein und ausatmete.<br />
Irgendwann, dann gaben die Lehrer auf. Weil sie konnten ja nicht ewig warten, bis Kevin endlich sprach. Und eigentlich war es auch Zeitverschwendung gewesen, denn wenn Kevin am Anfang nicht sprach, dann sprach er auch nicht, wenn gewartet wurde. Denn dann war es nur viel schwieriger aus dem Schweigen auszubrechen.<br />
&#8220;Kevin, wir warten!&#8221;, sagte sie wieder und schien sichtlich verärgert und verständislos, warum er denn nicht vorlesen konnte.<br />
Kevin wusste nicht, warum es diesmal nicht funktionierte. Eigentlich konnte er vorlesen. Jedenfalls war vorlesen viel leichter als frei sprechen, weil jedes Wort schon vorgeschrieben dort auf dem Blatt Papier stand. Aber irgendwie funktionierte es diesmal nicht. Vielleicht weil die Worte bei diesem Text so komisch waren? So altmodisch und Worte, bei denen man sich schnell verlesen konnte. Er wusste es nicht&#8230;<br />
Und mittlerweile war so viel Zeit verstrichen, in der er schon schwieg, sodass das Sprechen nun ganz automatisch nicht mehr funktionierte.<br />
&#8220;Kevin?!&#8221;<br />
Stille und noch nicht mal ein Zucken.<br />
&#8220;Du bist verrückt! Ich verstehe nicht, wie man sich nur so weigern kann vorzulesen. So ruinierst du dir doch nur deine mündlichen Noten!&#8221;, sagte Frau K. plötzlich verärgert.<br />
&#8220;Versteht ihr das?&#8221;, fragte sie an die Klasse gerichtet ohne eine Antwort zu erwarten.<br />
&#8220;Ich habe Sonderpädagogik studiert, aber sowas habe ich noch nie erlebt. Das gibt&#8217;s nicht&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Annika, liest du bitte weiter&#8221;, sagte sie nach einer Weile und Annika begann zu lesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Noch immer schaute Kevin auf den Text und rührte sich nicht. Er presste die Lippen fest aufeinander. Seine Gedanken waren voller Wut.<br />
Wie konnte diese blöde Kuh so etwas sagen?<br />
Verrückt.<br />
Sonderpädagogik studiert. Wo denn?<br />
Den Abschluss im Lotto gewonnen?<br />
Wenn sie doch Sonderpädagodik studiert hatte, hätte sie doch von <strong>selektiven Mutismus </strong>wissen können! Oder sie hätte sich zumindest für verhaltensauffällige Schüler interessieren und recherchieren können, woran das liegt.<br />
Psychologie nennt man das. Man sagt Schülern nicht, dass sie verrückt sind!<br />
Sonderpädagogik&#8230; du mich auch!<br />
Hätte ich keinen Mutismus, dann&#8230; ja dann&#8230;, dachte Kevin und versuchte sich zu beruhigen.</p>
<p style="text-align: justify;">Verrückt. Ja verrückt, weil man nicht sprechen kann. Weil jeder doch sprechen kann.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Stille</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/stille-foto/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 13:25:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Schweigen]]></category>
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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1388" class="wp-caption aligncenter" style="width: 490px"><a href="http://www.mutismusblog.de/wp-content/uploads/2010/03/Silence.jpg"><img class="size-full wp-image-1388 " title="Silence © mutismusblog.de" src="http://www.mutismusblog.de/wp-content/uploads/2010/03/Silence.jpg" alt="Silence © mutismusblog.de in Taizé, Frankreich" width="480" height="370" /></a><p class="wp-caption-text">Silence © mutismusblog.de in Taizé, Frankreich</p></div>
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		<title>Leserfragen zum Leben mit Mutismus</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/leserfragen-zum-leben-mit-mutismus-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 20:50:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragen]]></category>
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		<description><![CDATA[1. Kommt es bei dir heute in manchen Situationen noch vor, dass du nicht sprichst? Also im Gespräch einfach keine Antwort gibst, wenn du gefragt wirst?
So, wie damals, dass ich wirklich keine Antwort geben kann, nicht. Es gibt allerdings noch so einige Situationen, in denen ich nichts sagen kann oder keine Antwort habe, weil mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">1. <span style="color: #888888;">Kommt es bei dir heute in manchen Situationen noch vor, dass du nicht sprichst? Also im Gespräch einfach keine Antwort gibst, wenn du gefragt wirst?</span></p>
<p style="text-align: justify;">So, wie damals, dass ich wirklich keine Antwort geben kann, nicht. Es gibt allerdings noch so einige Situationen, in denen ich nichts sagen kann oder keine Antwort habe, weil mir spontan nichts einfällt. Aber dann komme ich da meistens auch von selbst wieder raus, indem ich antworten kann, dass ich es nicht weiß oder dazu gerade nichts sagen kann und muss nicht schweigen. Meistens merken es die Menschen nicht und manchmal schauen sie mich schräg an, wenn ich z.B. auf eine simple Frage gerade keine Antwort &#8220;weiß&#8221; oder mir irgendwas zusammen stottere. Aber so richtig schweigen und absolut kein Wort sagen können, nein, das ist heute nicht mehr so.</p>
<p style="text-align: justify;">2. <span style="color: #888888;">Würdest du dich als optimistischen Menschen bezeichnen? Kannst du dich über Kleinigkeiten freuen oder neigst du eher zu Unzufriedenheit?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Nein, ich bin eine Pessimistin. Aber bisher habe ich damit auch nur gute Erfahrungen gemacht. Weil ich immer vom Schlimmsten ausgehe und danach positiv überrascht bin, wenn es doch gar nicht so schlimm war. Funktioniert prima so.<br />
Ja, kann ich. Über ziemlich viele Kleinigkeiten sogar, weil ich früher ganz viele Sachen nicht machen konnte. Und heute kann ich mich darüber quasi doppelt freuen. Erstens, weil ich etwas geschafft habe, was früher nicht ging und zweitens über die Sache selbst. Z.B. ein Buch gekauft zu haben und es dann gemütlich zu lesen. Oder ein Eis bestellt zu haben und es dann zu essen.<br />
Früher war ich sehr unzufrieden, ja. Da gab&#8217;s nichts zum Freuen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Ein Lied über eine schweigende Frau</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/lied-schweigende-frau/</link>
		<comments>http://www.mutismusblog.de/lied-schweigende-frau/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 17:35:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Danke für den Liedtipp. Ich habe zwar keine eindeutigen Informationen darüber gefunden, ob die &#8220;sie&#8221; in dem Lied Mutismus hat, sondern nur einige Diskussionen (1,2,3,4), wer in dem Lied gemeint ist (eine Frau, eine Kamera usw.), aber dennoch geht es in dem Lied irgendwie um das Schweigen.

Farin Urlaub &#8220;Unscharf&#8221;
Sie hat ständig irgendwas in der Hand,
sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Danke für den <a href="/lied-selektiven-mutismus/#comment-105">Liedtipp</a>. Ich habe zwar keine eindeutigen Informationen darüber gefunden, ob die &#8220;sie&#8221; in dem Lied Mutismus hat, sondern nur einige Diskussionen (<a href="http://www.bademeisterblog.com/2008_board/thread.php?threadid=21598&amp;threadview=0&amp;hilight=&amp;hilightuser=0&amp;sid=70b705d8383ccf4b4271cd9882865d3c&amp;page=1" target="_blank">1</a>,<a href="http://www.lastfm.de/music/Farin+Urlaub/_/Unscharf" target="_blank">2</a>,<a href="http://www.gutefrage.net/frage/worum-geht-es-in-diesem-song" target="_blank">3</a>,<a href="http://www.gutefrage.net/frage/unscharf-von-farin-urlaub-worum-gehts" target="_blank">4</a>), wer in dem Lied gemeint ist (eine Frau, eine Kamera usw.), aber dennoch geht es in dem Lied irgendwie um das Schweigen.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="320" height="25" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/c0WMN8varH4&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="25" src="http://www.youtube.com/v/c0WMN8varH4&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p style="text-align: right;">Farin Urlaub &#8220;Unscharf&#8221;</p>
<p style="text-align: right;">Sie hat ständig irgendwas in der Hand,<br />
sie schaut zu Boden, oder an die Wand.<br />
Sie redet nicht.<br />
Sie wird nie vom Schlaf übermannt,<br />
sie hinterlässt auch keine Fußspuren im Sand.<br />
Und sie redet nicht.</p>
<p style="text-align: right;">Sie ist unscharf an den Rändern,<br />
man erkennt sie nur verschwommen.<br />
Das ist leider nicht zu ändern.</p>
<p style="text-align: right;">Das was ich am allermeisten will,<br />
werde ich von ihr nicht bekommen.<br />
Ich wüsste wirklich allzu gern,<br />
was sie grade denkt,<br />
und ob sie mir wohl irgendwann<br />
ein paar Worte schenkt.</p>
<p style="text-align: right;">Manchmal öffnet sie ihren Mund.<br />
Sie will nur Luft holen,<br />
sonst gibt es keinen Grund,<br />
denn sie redet nicht.</p>
<p style="text-align: right;">Sie ist unscharf an den Rändern,<br />
und sie wirkt wie schlecht kopiert<br />
Sie bewegt sich wie an Bändern,<br />
und ich frage mich seit Jahren schon,<br />
woraus sie ist und wie sie funktioniert.</p>
<p style="text-align: right;">Ich wüsste wirklich allzu gern,<br />
was sie grade denkt,<br />
und ob sie wohl nach all der Zeit<br />
ein Bisschen an mir hängt.</p>
<p style="text-align: right;">Ist sie von einem anderen Stern,<br />
ich weiß es nicht genau.<br />
Ich glaub ich frag sie selbst,<br />
wenn ich mich irgendwann mal trau.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Der Sportunterricht</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/mutismus-sportunterricht/</link>
		<comments>http://www.mutismusblog.de/mutismus-sportunterricht/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 12:06:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsszenen]]></category>
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		<description><![CDATA[Und schon wieder Sport. Warum muss die Woche immer so schnell vergehen, wenn sie es eigentlich gar nicht tun sollte, dachte Kevin und hatte schon den ganzen Morgen dieses komische flaue Gefühl im Magen gehabt, als wäre dieser Freitag der letzte Tag in seinem Leben.
Kevin hasste den Sportunterricht. Eigentlich war es sogar mehr als Hass, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Und schon wieder Sport. Warum muss die Woche immer so schnell vergehen, wenn sie es eigentlich gar nicht tun sollte, dachte Kevin und hatte schon den ganzen Morgen dieses komische flaue Gefühl im Magen gehabt, als wäre dieser Freitag der letzte Tag in seinem Leben.<br />
Kevin hasste den Sportunterricht. Eigentlich war es sogar mehr als Hass, er verabscheute ihn. Und das lag nicht daran, dass er Sport nicht mochte oder unsportlich war, nein, Kevin konnte sich nicht bewegen. Genauso, wie er nicht sprechen konnte funktionierte auch das nicht.<br />
Sein Körper war wie gelähmt. Alles bewegte sich nicht so, wie es sollte, oder wie es das zu Hause tat, wenn niemand da war und zuschaute. Die Arme funktionierten nicht und die Beine auch nicht. Alle Bewegungen waren irgendwie merkwürdig, unnatürlich. Natürlich konnte er den Arm heben, oder das Bein, aber es war steif. Und es sah komisch aus. Allein konnte er besser fangen, weiter werfen und springen und schneller laufen.<br />
Kevin nannte es das Ding. Er hatte ein Ding in sich, was ihn versteinern und nicht sprechen lies. Und deswegen war der Sportunterricht für ihn eine Katastrophe.<br />
Natürlich war er immer derjenige, der übrig blieb und als letztes gewählt wurde, wenn Teams gebildet werden sollten. Und wenn Kevin dann gezwungenermaßen einem Team zugeteilt wurde, verdrehten die anderen Jungs immer die Augen und gingen zu ihrem Spielfeld. Kevin trottete hinterher.<br />
Wenn er denn wenigstens wirklich unsportlich wäre oder übergewichtig, wie Patrick – selbst er wurde noch vor ihm gewählt – dann wäre es ein vernünftiger und nachvollziehbarer Grund, weshalb er nicht gut in Sport war, dachte Kevin. Aber so war es nicht.<br />
Manchmal konnte er sich drücken. Dann war er krank oder hatte sich verletzt. Und während er auf dem Spielfeld stand – Basektball wurde gespielt – dachte er daran, wie praktisch es wäre ein Mädchen zu sein. Dann hätte er einmal im Monat Unterleibschmerzen haben können und könnte gackernd auf der Bank sitzen und die Jungs beim Sport beobachten. Nein, könnte er nicht, weil er ja nicht viel sprechen konnte. Also würde er schweigend da sitzen. Aber immerhin sitzen.<br />
„VORSICHT, KEVIN!“, schrie Steffen.<br />
Mist, ein Korb. Die anderen seufzten. So was geht immer viel zu schnell. Manchmal zweifelte er sogar daran, ob mit seinen Augen alles in Ordnung sei, weil er manchmal keine Bälle sah, so schnell ging das. Aber mit den Augen war alles in Ordnung. Oder mit dem Gehirn. Weil Ball sehen, nachdenken, was zu tun ist, reagieren und bewegen in diesem Moment viel zu kompliziert war. Aber auch mit dem Gehirn war alles in Ordnung, denn zu Hause konnte er mit seinem besten Freund, den er schon seit dem Kindergarten kannte, Basketballspielen. Und sogar gut.<br />
Dieses scheiß Ding, dachte er.<br />
Sport war die Hölle. Drei Jahre Sportunterricht müsste er noch durchstehen. Nur noch drei Stück. Zehn hatte er schon. Da waren drei doch ein Zuckerschlecken. Drei Jahre. Wie viel Schulwochen waren das? 40? Egal, mehr als 120 Sportstunden waren das nicht mehr…</p>
<p style="text-align: justify;">Wieder war eine Woche geschafft und wieder warf Kevin am Nachmittag die Tasche in sein Zimmer, zog sich um, ging raus und rannte. Er rannte die Feldwege um das Wohnviertel entlang und rannte und rannte. Musik im Ohr. Um den Kopf von der Woche freizubekommen. Und damit die Wut verschwand, die Wut über sich selbst, weil er so komisch war.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Ein Lied über selektiven Mutismus</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/lied-selektiven-mutismus/</link>
		<comments>http://www.mutismusblog.de/lied-selektiven-mutismus/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 08:06:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Paul McCartney]]></category>
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		<description><![CDATA[
Paul McCartney &#8220;She&#8217;s Given Up Talking&#8221;
She&#8217;s given up talking
Don&#8217;t say a word
Even in the classroom
Not a dickie bird
Unlike other children
She&#8217;s seen and never heard
She&#8217;s given up talking
Don&#8217;t say a word
You see her in the playground
Standing on her own
Everybody wonders
Why she&#8217;s all alone
Someone made her angry
Someone&#8217;s got her scared
She&#8217;s given up talking
Don&#8217;t say a word
Ah but [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="320" height="25" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/0xhimtqWIRs&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="25" src="http://www.youtube.com/v/0xhimtqWIRs&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p style="text-align: right;">Paul McCartney &#8220;She&#8217;s Given Up Talking&#8221;</p>
<p style="text-align: right;">She&#8217;s given up talking<br />
Don&#8217;t say a word<br />
Even in the classroom<br />
Not a dickie bird<br />
Unlike other children<br />
She&#8217;s seen and never heard<br />
She&#8217;s given up talking<br />
Don&#8217;t say a word</p>
<p style="text-align: right;">You see her in the playground<br />
Standing on her own<br />
Everybody wonders<br />
Why she&#8217;s all alone<br />
Someone made her angry<br />
Someone&#8217;s got her scared<br />
She&#8217;s given up talking<br />
Don&#8217;t say a word</p>
<p style="text-align: right;">Ah but when she comes home<br />
It&#8217;s yap-a-yap-yap<br />
Words are running freely<br />
Like the water from a tap<br />
Her brothers and her sisters<br />
Can&#8217;t get a word in edgeways<br />
But when she&#8217;s back at school again<br />
She goes into a daze</p>
<p style="text-align: right;">Ah but when she comes home<br />
It&#8217;s yap-a-yap-yap<br />
Words are running freely<br />
Like the water from a tap<br />
Her brothers and her sisters<br />
Can&#8217;t get a word in edgeways<br />
But when she&#8217;s back at school again<br />
She goes into a daze</p>
<p style="text-align: right;">She&#8217;s given up talking<br />
Don&#8217;t say a word<br />
Even in the classroom<br />
Not a dickie bird<br />
Unlike other children<br />
She&#8217;s seen and never heard<br />
She&#8217;s given up talking<br />
Don&#8217;t say a word</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Hör&#8217; den Stummen an</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/stummen-gedicht/</link>
		<comments>http://www.mutismusblog.de/stummen-gedicht/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 07:16:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gedicht]]></category>
		<category><![CDATA[Schweigen]]></category>
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		<description><![CDATA[Stumm ist er
und kann nicht sprechen,
schweigend steht er da
der stumme Mann.
Aber hör&#8217; genau
tief in sein Herz hinein
und du wirst erkennen,
was er alles sagen kann.
Die meisten Menschen
können es nicht hören,
denn sie hören ohne Herz,
drum hör&#8217; du den Stummen an
und teile seinen Schmerz.
(30. Dezember 2004)
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;">Stumm ist er<br />
und kann nicht sprechen,<br />
schweigend steht er da<br />
der stumme Mann.</p>
<p style="text-align: center;">Aber hör&#8217; genau<br />
tief in sein Herz hinein<br />
und du wirst erkennen,<br />
was er alles sagen kann.</p>
<p style="text-align: center;">Die meisten Menschen<br />
können es nicht hören,<br />
denn sie hören ohne Herz,<br />
drum hör&#8217; du den Stummen an<br />
und teile seinen Schmerz.</p>
<p style="text-align: center;">(30. Dezember 2004)</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Fahrplanauskunft ll</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 09:58:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fahrplanauskunft I
Alena lag auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Das bedruckte Papier vom Bahnhof lag auf dem Schreibtisch. Wie ärgerlich das doch ist, dachte sie. Die falsche Zugverbindung. Gut, an sich, war es nicht völlig falsch. Die Fahrtzeiten in die Stadt standen auf dem Zettel. Aber ab dem Bahnhof musste man noch einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://mutismusblog.de/fahrplanauskunft-l/">Fahrplanauskunft I</a></span></p>
<p style="text-align: justify;">Alena lag auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Das bedruckte Papier vom Bahnhof lag auf dem Schreibtisch. Wie ärgerlich das doch ist, dachte sie. Die falsche Zugverbindung. Gut, an sich, war es nicht völlig falsch. Die Fahrtzeiten in die Stadt standen auf dem Zettel. Aber ab dem Bahnhof musste man noch einmal mit dem Bus fahren und die Busverbindung war falsch. Der Mitarbeiter von der Bahn musste die genaue Straße wohl falsch verstanden haben. Und das lies ihr einfach keine Ruhe. Sie wollte einen richtigen Zettel  mit ihren Zugverbindungen haben.<br />
Es war 18.30 Uhr, Zeit für das Abendessen. Langsam schlurfte Alena in den Gruppenraum, in dem nicht nur die Gruppentherapie stattfand, sondern auch die Mahlzeiten eingenommen wurden. Alena setzte sich neben Maike, die sich mit Dennis unterhielt. Nach und nach folgte der Rest, bis alle da waren.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Abendessen, zurück in Alenas Zimmer, klopfte es plötzlich an der Tür. Maike und einige andere Mädchen warfen ihre Köpfe zur Tür herein. „Möchtest du mit in den Abendausgang kommen? Wir wollen zum Bahnhof.“ Ja, warum nicht. Die Sonne geht gerade so hübsch unter, dachte sie. „Ja.“<br />
Es war der letzte Abendausgang in diesem Sommer. Nach dem Abendessen durfte man nur im Sommer noch einmal bis um 20.15 Uhr die Station verlassen. Im Herbst und Winter dann nicht mehr, da es dunkel wurde. Als würde die Dunkelheit die kleinen Patienten auffressen, dachte Alena. Sie möchte es im Dunkel spazieren zu gehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Alena und vier andere Mädchen gingen zum Bahnhof. Zwei wollten irgendwie Zigaretten bekommen – sie waren erst 14 – und die anderen beiden Zeitschriften und Süßigkeiten für den Abend kaufen.<br />
Ja, der Bahnhof. Und eigentlich könnte Alena noch einmal beim Servicebereich vorbeischauen. Nur schauen. Mehr nicht. Die Lage checken, wie sie manchmal scherzhaft zu Herr V. sagte, wenn sie erstmal nur beobachten wollte.<br />
Der Weg zum Bahnhof war nicht lang. Sie sagte den anderen, dass sie nicht mitkomme. Sie müsse etwas erledigen und dann stand sie aufeinmal allein in der Bahnhofshalle. Der Bahnhof war viel leerer. Nicht mehr so viele Menschen, wie am Mittag waren unterwegs. Und hinter den Tresen saßen nur eine Frau und ein Mann, ein anderer als am Mittag. Ein Fahrgast mit einem großen schwarzen Koffer und glatt gekämmtem Haar stand an seinem Tresen. Wenn Alena da nun reingehen würde, könnte sie nicht mehr so einfach wieder rausgehen. Dann gab’s kein Zurück mehr, denn alles war so menschenleer, dass jeder Alena bemerken würde.<br />
Okay. Durchatmen und gehen. Genau, wie heute Mittag.<br />
Gehen.<br />
Und sie ging.<br />
Das Herz schlug ihr wieder bis zum Hals. Aber diesmal versuchte sie es zu ignorieren. Adrenalin schoss durch ihren Körper und er fühlte sich irgendwie merkwürdig kühl an.<br />
Alena ging durch die Glastür und den mit Bändern markierten Weg für eine lange Schlange entlang. Links, rechts, links, rechts – warum musste man die Markierungen so stehen lassen, wenn doch gar keine Menschen mehr hier waren? Daran, dass so ein langer Weg für jemanden, der gerade Todesängste durchstehen musste, sehr ungeeignet war, dachte niemand.<br />
Endlich war sie bei der Frau. Es war eine blonde, freundlich aussehende etwas fülligere Frau.<br />
„Hallo!“<br />
„Hallo. Ich bräuchte eine Fahrplanauskunft.“<br />
„Von wo nach wo denn?“, fragte die Frau.<br />
„Von hier zur Berufsschule und wieder zurück.“<br />
Sie tippte.<br />
„Okay. Morgens hin und am Nachmittag zurück?“<br />
„Genau.“<br />
Der Drucker ratterte.<br />
„Ich habe Ihnen ein paar Verbindungen ausgedruckt“, sie zeigte Alena den Zettel.<br />
Alena schaute ihn an. Da stand als Endhaltestelle „Berufsschule“! Es stimmte!<br />
„Danke“, sagte sie freundlich und lächelte.<br />
„Tschüss.“<br />
Ihr Herz schlug noch immer laut. Es war als wollte es nicht leiser werden. Aber diesmal wohl vor Stolz. Und vor Erleichterung. Aufeinmal fühlte es sich so an, als wäre sie schwerelos, wie eine Feder. Als hätte sie tausende von Kilogramm verloren. Und eigentlich hätte sie auch den ganzen Bahnhof umarmen können, würde er in ihre Arme passen.<br />
Ich glaube, ich zerspringe, dachte sie. Das ist ja besser als alles, was ich jemals gefühlt habe.</p>
<p style="text-align: justify;">Zurück auf der Station erzählte sie es sofort. Das musste man einfach erzählen. Darüber konnte man nun wirklich nicht schweigen. Außerdem strahlte Alena bis über beide Ohren, das konnte  auch niemand übersehen ohne zu fragen, was passiert war.<br />
Frau Förster schaute sie skeptisch, aber erfreut an. Wahrscheinlich dachte sie, so etwas Verrücktes konnte Alena gar nicht gemacht haben. Sicherlich hatte sie bei der Teambesprechung schon von Alenas Ausflug am Mittag  mit Herr V. gehört und wie schwer es ihr gefallen war.<br />
Aber konnte man machen. Sogar Alena.<br />
Weil es einfach nicht ging, wenn man die falsche Auskunft hatte. Das war so, als hätte man etwas angefangen und konnte es nicht zu Ende bringen. Und das funktioniert doch einfach nicht! Der ganze Kampf am Mittag hätte nicht umsonst sein können!</p>
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		<title>Mut-is(t)-mus(s)</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/mut-ist-muss/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 16:16:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1399" class="wp-caption aligncenter" style="width: 279px"><a href="http://www.mutismusblog.de/wp-content/uploads/2010/03/mut-is-mus.jpg"><img class="size-full wp-image-1399" title="mut-is-mus © mutismusblog.de" src="http://www.mutismusblog.de/wp-content/uploads/2010/03/mut-is-mus.jpg" alt="mut-is-mus © mutismusblog.de" width="269" height="431" /></a><p class="wp-caption-text">mut-is-mus © mutismusblog.de</p></div>
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		<title>Leserfragen zum Leben mit Mutismus</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/leserfragen-mutismus-3/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 15:40:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[1. Wie ist das, wenn du deine eigene Stimme hörst? Sei es dass du sie aufnimmst am PC, sei es dass du dir einfach beide Ohren zuhältst und dann etwas vorliest? Ist dir deine eigene Stimme zu hören ein großes Problem bzw. eine großer Schrecken?
Eigentlich ist es kein großes Problem für mich, wenn ich meine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">1. <span style="color: #808080;">Wie ist das, wenn du deine eigene Stimme hörst? Sei es dass du sie aufnimmst am PC, sei es dass du dir einfach beide Ohren zuhältst und dann etwas vorliest? Ist dir deine eigene Stimme zu hören ein großes Problem bzw. eine großer Schrecken?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Eigentlich ist es kein großes Problem für mich, wenn ich meine Stimme beim Sprechen selbst höre. Zwar ist es irgendwie komisch meine Stimme in Mutismussituationen, sprich bei fremden Menschen selbst zu hören, weil ich es eben von mir nicht kenne und ungewohnt ist, aber das liegt nicht daran, dass ich persönlich meine Stimme nicht mag. Eigentlich empfinde ich meine Stimme sogar als normal, wie jede andere auch.<br />
Nur aufgenommen mag ich sie gar nicht. Aber ich habe erst sehr spät die Erfahrung gemacht, wie sich die aufgenommene Stimme überhaupt anhört, da es keine Kindervideos von mir gibt und der erste PC kein Mikro hatte. Daher hat das den Mutismus also nicht beeinflusst. Nur heute merke ich, dass ich bei Videos oder Tonaufnahmen wieder total verstummen kann und es absolut nicht mag.</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;">2. </span>Wie ist das, wenn du jemanden gern hast? Kannst du das dann sagen?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Um es kurz zu machen, nein. Jedenfalls nicht, wenn mir der Mensch relativ unbekannt ist oder ich gerade dabei bin ihn kennen zu lernen und Interesse an mehr hätte. Aber eine ganz praktische Erfindung ist bei diesem Thema besonders für mich das Internet. Und wenn mir der Mensch erstmal vertraut ist, kann ich ganz normal sprechen. Also auch sagen, dass ich jemandem mag oder liebe.</p>
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		<title>Fahrplanauskunft l</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/fahrplanauskunft-l/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Dec 2009 20:48:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Na, dann lass&#8217; uns losgehen, zum Bahnhof“, sagte Herr V. mit einem Lächeln.
„Wie, was? Jetzt?“, fragte Alena skeptisch.
„Ja. Oder spricht etwas dagegen?“
Nein, an sich nicht. Aber trotzdem ging das nicht einfach mal eben so. Und schon gar nicht heute und jetzt. Da muss man drüber nachdenken. Man muss sich vorbereiten und Nächte darüber schlafen. Auch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">„Na, dann lass&#8217; uns losgehen, zum Bahnhof“, sagte Herr V. mit einem Lächeln.<br />
„Wie, was? Jetzt?“, fragte Alena skeptisch.<br />
„Ja. Oder spricht etwas dagegen?“<br />
Nein, an sich nicht. Aber trotzdem ging das nicht einfach mal eben so. Und schon gar nicht heute und jetzt. Da muss man drüber nachdenken. Man muss sich vorbereiten und Nächte darüber schlafen. Auch, wenn sie nun schon eine halbe Stunde der Therapie darüber geredet hatten. So schnell ging das nicht.<br />
Alena wollte wieder zur Schule gehen. Sie war nun schon vier Monate in der psychiatrischen Klinik und das neue Schuljahr hatte inzwischen begonnen. Extern, nannte man das hier und die Möglichkeit gab es. Viele Patienten gingen extern zur Schule. Nur war die Schule der anderen Patienten in derselben Stadt und nicht 40 Kilometer außerhalb. Und darum musste erst geschaut werden, ob das funktioniert und ob es eine Zugverbindung gab.<br />
Ehe Alena Argumente einfielen, was denn nun eigentlich dagegen spricht sofort zum Bahnhof zu laufen und sich eine Fahrplanauskunft zu holen, stand Herr V. schon in seinem Büro und schnappte sich seine Jacke, die über dem Schreibtischstuhl hing.<br />
„Lass&#8217; uns hoch gehen. Ich sag&#8217; schnell im Dienstzimmer bescheid und du holst deine Jacke“, sagte Herr V.<br />
Nein. Ich kann das nicht. Nicht jetzt, dachte Alena still und folgte Herr V.,  wie automatisiert, der schon den Schlüssel zückte, um seine Bürotür abzuschließen.<br />
Alena schlich in ihr Zimmer, schnappte ihre Jacke und hörte Herr V. gerade fragen, ob sie laufen oder mit der Straßenbahn fahren wollen.<br />
„Laufen!“ Dann ist mehr Zeit, dachte Alena.</p>
<p style="text-align: justify;">Und so gingen sie den kurzen Weg zum Bahnhof zu Fuß.<br />
„Wie geht es dir?“, fragte Herr V.<br />
„Ich kann das nicht“, antwortete sie gequält und verzog das Gesicht dabei vor Angst.<br />
Ihr war übel. Ihr Magen fuhr Achterbahn. Und alles tat ihr weh. Ihren Herzschlag konnte sie trotz der quietschenden Straßebahnen und der vorbeifahrenden Autos hören. Sie merkte selbst kaum, wie sie einen Fuß vor den anderen setzte und neben Herrn V. zum Bahnhof ging.<br />
Es war komisch neben ihm zu gehen. Überhaupt, war es komisch mit ihm irgendwo hin zu gehen, denn sie kannte ihn nur in seinem Büro als ihren Therapeuten. Drin. Draußen war ihre Welt. Da war sie allein.<br />
„Wir gehen da erstmal einfach nur hin“, schlug Herr V. mit beruhigender Stimme vor.<br />
Nur hingehen, sagte Alena zu sich selbst, damit sie nicht schlagartig umdrehte und zurück rannte.<br />
Sie gingen die Treppe zum Bahnhof hinauf, durch die Glastür und die große Bahnhofshalle entlang bis zum Servicebereich.<br />
In einem Glaskasten waren einige Schalter und dahinter saßen die Mitarbeiter. Es waren bestimmt insgesamt 10 Schalter und einige Reisende mit ihren Koffern waren auch dort. Das konnte man durch das Glas gut sehen.<br />
Alena blieb stehen. Reingehen geht nicht. Herr V. blieb auch stehen und schaute sie an. „Möchtest du hineingehen?“<br />
Alena schüttelte schnell und energisch den Kopf. Wenn sie irgendetwas tat, dann wäre das zurückgehen.<br />
„Weißt du, was du sagen möchtest?“, fragte Herr V.<br />
„Ich kann nicht“, antwortete sie diesmal noch gequälter. Man konnte Alena die Anspannung im Gesicht ansehen.<br />
Um sie herum war alles taub und verschwommen. Die ganzen Geräusche klangen Meter weit entfernt.<br />
Es war viel zu kompliziert nach einer Zugverbindung zu fragen. Es gab zig Möglichkeiten. Viel zu viele Wörter und Sätze. Und auch zig Antwortmöglichkeiten der Mitarbeiter.<br />
Ich möchte wieder zurück, dachte Alena. Ich kann das nicht!<br />
Aber zurückgehen war auch irgendwie nicht richtig. Nein! Sie wollte das können. Einfach wieder zurückgehen ging auch nicht. Gar nichts ging. Nicht vor und auch nicht zurück.<br />
„Ich könnte sagen, dass ich von hier zur Schule fahren möchte. Und dass ich dazu gern eine Fahrplanauskunft hätte“, sagte Alena plötzlich.<br />
„Das klingt gut.“</p>
<p style="text-align: justify;">Herr V. schlug vor, einfach mal hineinzugehen. Sie könnten ja dann wieder herausgehen, wenn es nicht klappte.<br />
Okay, Alena folgte ihm.<br />
In dem Glaskasten war alles ganz anders. Viel ruhiger. Und die Leute standen alle in einer Schlange und warteten bis sie an der Reihe waren. Es gab viele Schalter für den Fernverkehr und einen Schalter für den regionalen Verkehrsverbund. Man hörte das Klappern von Computertastaturen.<br />
Herr V. zeigte auf den regionalen Schalter. Dort stand kein Fahrgast und ein Mann hinter dem Tisch schaute sie an, als sie ein Stück näher kamen. Sofort drehte ihm Alena den Rücken zu und schaute nun Herrn V. an. Er schaute sie an und lächelte aufmunternd.<br />
Es geht nicht, hätte ihr Blick jammernd zu ihm gesagt,  wenn sie gesprochen hätte.<br />
Plötzlich ging sie schnell an Herrn V. vorbei und wieder hinaus. Draußen in der Bahnhofshalle war es besser. Da schlug das Herz nicht ganz so schlimm. Herr V. folgte ihr.<br />
„Fällt es dir leichter, wenn ich dabei bin oder draußen bleibe?“<br />
„Draußen bleiben“, antwortete Alena leise.<br />
„In Ordnung.“<br />
Herr V. drehte sich um und ging einige Schritte von ihr weg. Er tat so, als wäre er einer der Reisenden und würde warten. Auf irgendwas anderes und nicht auf sie, die gerade durch die Hölle ging. Herr V. ging bis zur großen Uhr und drehte sich um, um zurück zu schauen. Sie waren jetzt schon über eine halbe Stunde am Bahnhof. Alena verpasste gerade das Mittagessen und Herr V. würde sicher auch zu irgendwas zu spät kommen.<br />
Oh man, dachte Alena.<br />
Die Minuten vergingen, sie stand wie angewurzelt da. Sie hatte sich keinen Schritt bewegt. Irgendwann kam Herr V. wieder zurück.<br />
„Ich kann das nicht!“, Tränen quollen ihr aus den Augen hervor.<br />
Er schaute sie an und reichte ihr ein Taschentuch. Er wartete, bis sie sich wieder beruhigt hatte und legte seine Hand auf ihren Arm. „Soll ich noch mal weggehen?“<br />
„Ja“, flüsterte Alena und er drehte sich wieder um.<br />
Alena warf einen Blick hinter das Glas. Der Mann saß immer noch allein hinter dem Schalter und wartete auf Fragen. Für ihn war das völlig normal den ganzen Tag Fragen zu beantworten.<br />
Los jetzt! Gehen!<br />
Und sie ging hinein. Sie ging bis ans Ende der Schalter und auf den Mann zu, der sie wieder anschaute. Sie ging immer weiter bis sie vor ihm stand.<br />
„Was kann ich für Sie tun?“, fragte er.<br />
„Hallo“, sagte Alena leise mit zitternder Stimme. Und sie sagte auch das, was sie sich vorher überlegt hatte. Dann hörte sie das Klappern der Tastatur, als der Mann ihre Verbindung in den Computer eingab.  Plötzlich fragte er, wer  denn der Mann sei, der vor einigen Minuten auch da gewesen war. Ob es Alenas Onkel wäre.<br />
Oh nein. Das muss für Andere sicherlich komisch ausgesehen haben. Ein Mann, der auf ein junges Mädchen einredet, das absolut gar nicht glücklich aussieht.<br />
„Nein“, antwortete Alena und schwieg dann. Sie konnte doch dem Mann nicht sagen, dass das ihr Therapeut war und sie doch eigentlich gar nicht sprechen konnte und das gerade übte.<br />
Sie wartete bis die Verbindungen hin und zurück ausgedruckt waren und verabschiedete sich leise, um ganz schnell wieder aus dem Glaskasten zu verschwinden. Aber diesmal mit einem Zettel in der Hand.<br />
Herr V. stand vor ihr, als sie wieder in der Bahnhofshalle stand. Er lächelte sie an. Und Alena strahlte beinahe. Zwar sah man ihr den Kampf, den sie gerade durchstehen musste an und sie konnte es eigentlich noch gar nicht richtig glauben, was sie soeben getan hatte, aber sie hätte bis über beide Ohren strahlen können.<br />
„Wie war es?“, fragte Herr V. und Alena erzählte ihm von dem Mann, der fragte, wer er sei.<br />
Herr V. lachte: „Aber es ist ja nett von ihm, dass er nachfragt und sich Sorgen macht um ein Mädchen, das von einem Mann angequatscht wird.“<br />
Alena lächelte auch. Ja, das war es.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie schaute stolz auf ihren ergatterten Zettel. Oh, verdammt. Es war falsch! Es war die falsche Verbindung! Da wollte sie doch gar nicht hin. Nein, verdammt! Da musste irgendwas schief gegangen sein. Ein Missverständnis.<br />
Sie fluchte. Das bedeutete, dass das ganze noch mal gemacht werden musste. All der ganze Mist und nun trotzdem ohne Ergebnis. Am liebsten hätte sie den Zettel vor Wut zerrissen. Alles umsonst!<br />
„Aber du warst da. Du hast es gemacht“, erinnerte sie Herr V. stolz.<br />
„Ja, aber…“<br />
Ja, sie hatte es gemacht. Und wenn sie darüber nachdachte, hatte sie so etwas noch nie in ihrem Leben gemacht. Noch nie. Und eigentlich konnte man die Gespräche mit fremden Menschen auch an einer Hand abzählen. Hatte sie überhaupt jemals schon mit Fremden gesprochen?<br />
Ja, aber es war doch die falsche Verbindung…</p>
<p style="text-align: right;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://mutismusblog.de/fahrplanauskunft-ll/">Fahrplanauskunft II</a></span></p>
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		<title>&#8220;The Big Bang Theory&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 11:20:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;In the television sitcom &#8220;The Big Bang Theory&#8221;, the character of Rajesh Koothrappali suffers from selective mutism. His results from social anxiety and renders him unable to talk to women who are not family members.&#8221;
wikipedia.com

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><em>&#8220;In the television sitcom </em><em>&#8220;The Big Bang Theory&#8221;, the character of </em><em>Rajesh Koothrappali suffers from selective mutism. His results from social anxiety and renders him unable to talk to women who are not family members.&#8221;</em></p>
<p style="text-align: right;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Selective_mutism#Cultural_references" target="_blank">wikipedia.com</a></span></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/B_G1-2mMAEE&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/B_G1-2mMAEE&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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