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Morgengedanken II

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Und eigentlich pass’ ich da doch rein. Wieso auch nicht. Eigentlich pass’ ich da genau rein. In das Leben. Zu den anderen Pendlermenschen. Wenn ich von SBahn zu den Fernzügen über Rolltreppen eile und die Menschen anspreche, ob ich mal vorbei kann, weil man auf Rolltreppen rechts steht und links geht. Wenn ich inmitten der Massen laufe, sitze, stehe. Dann seh’ ich kein bisschen anders aus, als die anderen Menschen. Und dann pass’ ich da auch rein. Weil jeder Mensch komische Dinge im Kopf hat und ich hab’ eben meine Dinge im Kopf.

Morgengedanken I

Morgengedanken I

Donnerstag, 11. November 2010

Irgendwie ist es jeden Morgen ein bisschen komisch für mich. Das mit dem Pendeln in die Großstadt. Denn da gibt’s die ganzen Menschen in Anzug oder Kostüm. Hübsch gekleidet, ordentlich und chic. Im Gesicht angemalt, die Aktentasche auf dem Schoß und das iPhone in der Hand. Büromenschen. Scheint als haben sie alle einen guten Job, verdienen Geld und sind auch gut. Alte Menschen und junge Menschen.
Und ich mittendrin, wo ich doch das Gefühl hab’ nicht mittenrein zu gehören. Weil Menschen mit selektiven Mutismus doch da irgendwie nicht rein gehören. In den Pendleralltag mit Job und Geld. Ich hab’ keinen Job und kein Geld und weiß auch nicht, ob ich das jemals haben werde.
Ich pass’ da nicht rein. Äußerlich ein bisschen vielleicht. Innerlich absolut nicht.

Morgengedanken II

Interview mit einer Pädagogikstudentin

Freitag, 13. November 2009

Ich habe mir überlegt, dass es sicherlich ganz interessant sein könnte, Menschen über den Mutismus zu befragen. Ich dachte dabei an Betroffene, Familie, Freunde, Lehrer usw.
Vor einigen Tagen füllte ich einen Fragebogen von einer Studentin aus, die ihre Diplomarbeit über das Thema Mutismus schreibt. Und so habe ich ihr als meinen ersten Interviewpartner einige Fragen gestellt:

1. Was studierst du?

Ich studiere Diplom-Pädagogik und es ist möglich, im Zuge dieses Studiums, durch Belegung verschiedener Seminare eine Zusatzqualifikation zum Sprachheilpädagogen zu erwerben. Somit habe ich auf mehreren Ebenen Berührungspunkte mit dieser Symptomatik, einmal im Rahmen des Pädagogik-Studiums an sich, durch die Wahl meiner zweiten Fachrichtung, der Pädagogik bei Verhaltensstörungen (mein Praktikum fürs Hauptstudium hab ich beispielsweise in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert) und zum anderen durch meine Zusatzqualifikation, der Sprachheilpädagogik.

2. Wie lautet das Thema deiner Diplomarbeit?

Das genaue Thema der Arbeit lautet “Mutismus im Jugendalter”. Im ersten Teil wird auf die Thematik des Mutismus im Allgemeinen eingegangen. Es werden die unterschiedlichen Definitionen dieser Störung dargelegt und die verschiedenen Erklärungsansätze, wie sie in der Literatur vorherrschend sind, erläutert. Im Weiteren handelt es sich um einen kurzen Umriss der Jugendphase an sich, was sind Probleme und Themen der Jugendlichen, wie sieht deren Umwelt aus und welches sind die Probleme mit denen sie sich in dieser Phase ihres Lebens konfrontiert sehen. Im Anschluss daran hätte ich gerne einen Fall von jugendlichem Mutismus in allen Facetten näher beleuchtet. Doch da ich die Betroffenen, die sich dazu bereit erklärt haben ein paar Fragen von mir zu beantworten alle diese “kritische” Phase bereits überwunden haben und schon älter sind, werde ich versuchen, rückwirkend Schlüsse zu ziehen inwiefern sich die Jugendphase bei jugendlichen Mutisten anders gestaltet, als bei Jugendlichen die nicht von dieser Störung betroffen sind.

3. Wie bist du darauf gekommen deine Diplomarbeit zum Thema Mutismus zu schreiben?

Wie bereits erwähnt, habe ich mein letztes Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert. Dort gab es einen Fall, ein 17-jähriges Mädchen, welches das “Pervasive Refusal Syndrome” hatte. Eine Teilsymptomatik dieses Syndroms ist Mutismus, welcher sich bei ihr in der totalen Form äußerte. Ich verbrachte viel Zeit mit dieser Patientin, und trotz der fehlenden verbalen Kommunikation hatte ich das Gefühl, dass ich eine Beziehung zu ihr aufbauen konnte. Im Laufe des Praktikums waren immer wieder Fortschritte in jeglichem der Betroffenen Bereiche bei ihr zu erkennen, und nach einiger Zeit kommunizierten wir auch miteinander, wenn auch nicht über das Mittel der Sprache. Ich fand dies einfach auf der einen Seite so spannend und auf der anderen Seite so berührend, dass ich das Thema des Mutismus an sich gern in meiner Diplomarbeit bearbeiten wollte.

4. Was wusstest du zuvor schon von Mutismus? Hast du neue/interessante Erkenntnisse bei der Recherche bekommen?

Durch mein Studium und die Seminare in der Sprachheilpädagogik wusste ich schon einiges über das Störungsbild des Mutismus. Doch es wurde nicht so ausführlich behandelt wie dies im Zuge einer Diplomarbeit geschieht. Man bekommt beim Bearbeiten eines solchen Themas immer noch weitere Einblicke, man beschäftigt sich ja über einen langen Zeitraum mit einer Thematik und entwickelt einen anderen Blick für Dinge. Auch gerade durch die Berichte von Betroffenen erhält man einen Einblick, den man durch ein Seminar an der Uni so gar nicht bekommen hätte. Gerade diese Berichte fand ich sehr berührend und interessant.

5. Magst du nach deinem Studium mit Mutisten arbeiten?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, später auch mit Menschen, welche vom Mutismus betroffen sind, zu arbeiten. Mit Sicherheit ist dies nicht immer einfach, erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen und man muss an jeden Fall ganz individuell herangehen und herausfinden, welche Möglichkeiten zu einer Förderung und Therapie sich gestalten und anbieten. Wohin mich mein Weg tatsächlich führen wird, weiss ich noch nicht, aber falls sich mir die Möglichkeit bietet mit mutistischen Menschen arbeiten zu können, werde ich mich gerne dieser Herausforderung stellen und versuchen einen Weg zu finden, ihnen ein Stück weit behilflich zu sein damit sie den Mutismus überwinden können.

Vielen Dank an Caroline.

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