Rückblickend war’s cool, dass ich dort war. Ich habe einige neue Blogartikelideen und vielleicht auch Erkenntnisse über mich selbst mitgenommen und es war spannend. Auch, wenn ich mich irgendwie ein bisschen komisch gefühlt habe. Als Betroffene inmitten Menschen, die mit Mutisten arbeiten und aus beruflichen Gründen da waren. Aber es war okay.
Anreisetechnisch hat sich die viele Angst nicht bestätigt und alles war gut.
Die ersten beiden Vorträge fand’ ich eigentlich am besten. Im ersten ging es mehr um allgemeine Dinge, die ich ziemlich interessant fand und einiges vorher auch noch nicht wusste. Denn generell hab’ ich nie viel über das Thema Mutismus gelesen, sondern mich mehr mit mir selbst beschäftigt. Vielleicht sollte ich das mal ändern und Fachliteratur lesen. Weil spannend ist es. Aber ich denke, die spannenden Sachen bekommen alle einen Extraeintrag, wenn ich diesbezüglich ein bisschen nachgelesen habe.
Der zweite Vortrag war von einem Vater über die Geschichte seiner Tochter. Das fand’ ich ehrlich gesagt ziemlich berührend und hatte teilweise sogar Gänsehaut. Nicht nur, weil ich die Vortragsart von dem Vater mochte, sondern auch, weil ich mitfühlen konnte. Wie schwer das alles ist. Und am Ende seiner Präsentation zeigte er ein Video von seiner Tochter. Wie sie sprach. Man hat es leider nicht gut verstanden, aber die Stimme hat man gehört. Das fand’ ich toll. (Den passenden Artikel dazu gibt es in der aktuellen Mutismus-Zeitschrift.) Auch hier ist mir was eingefallen, worüber ich vielleicht mal bloggen könnte.
Beim dritten Vortrag fand’ ich die Fallbeispiele interessant, von denen die Referentin erzählte und mit dem vierten Vortrag konnte ich leider nicht so viel anfangen. Es ging um Workshops und um Übungen, die mit mutistischen Jugendlichen duchgeführt wurden. Aber für Therapeuten war’s sicherlich spannend.
Am Ende wurden Bücher unter den Teilnehmern verlost. Ich hab’ die ganze Zeit gebetet, dass ich nichts gewinn’, weil ich dann hätte nach vorn gehen müssen. Und dann wurde aufeinmal ein mutistisches Mädchen aufgerufen, die mit ihren Eltern dort war. Sie konnte nicht nach vorn gehen. Ein bisschen komisch war es für mich, einen Mutisten “in Aktion zu erleben”. Bisher kannte ich das nur von mir. Aber irgendwie auch beruhigend, dass man nicht allein ist. Dass es Menschen gibt, die sich genauso komisch benehmen, wie man selbst. Da fühlt man sich ein bisschen weniger außerirdisch.
Auch fand’ ich es toll zwei “bekannte Mutismusmenschen” live und real zu sehen. Zum einen Dr. Boris Hartmann und zum anderen den Gründer von Mutismus.de, ein ehemals Betroffener, der die Tagung moderierte.
Für mich mitgenommen hab’ ich die Erinnerung an all’ das, was ich bisher geschafft habe. Wie mühsam jedes einzelne Wort war und wie kleinschrittig ich immer weiter voran gegangen bin. Die Erinnerung, dass es zwar verdammt schwer ist, aber geht. Und daran, wie ich mal war. Nämlich schweigend. Eine Referentin erzählte während ihres Vortrages, dass sie eine Tagungsteilnehmerin ansprach und sie schwieg. Sie erzählte, wie sie dabei empfand. Dann musste ich ein bisschen lächeln, denn kurze Zeit davor sprach mich selbst jemand mit einer Frage an und ich antwortete, als hätte ich schon mein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Ja und deswegen hab ich die Erinnerung an ein Früher mitgenommen, weil man sowas manchmal vergessen kann.
Und gern mitgenommen hätte ich meinen Therapeut. Weil ich finde, er hätte da gut hingepasst. Auf die Tagung. Weil er seine Arbeit perfekt gemacht hat und ich das gern mit ihm geteilt hätte. Die vielen Gedanken in meinem Kopf. Also war’s auch ein bisschen traurig für mich. Weil er mir fehlt und ich ihm das alles irgendwie zu verdanken hab’. Ja, ich weiß ich hab’s selbst gemacht, aber ohne ihn wär’s nicht gegangen.
Es war eine gute Entscheidung dort hin zu fahren. Und wenn es nochmal irgendwann passt, von der Zeit und der Entfernung, tue ich es wieder.

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