« Posts tagged Liebe

Einsam

Irgendwie fühle ich mich ein bisschen einsam. Einsam, weil ich keinen Menschen mehr hab’, der mich mal einige Zeit lang begleitet hat. Ein Mensch, der weiß, wie es ist, der mich kennt und weiß, wie es in mir drinnen aussieht ohne, dass ich etwas sagen muss. Und ein Mensch, der miterlebt hat, was ich erlebt habe.
Klar kommen immer irgendwie neue Menschen dazu. Die auch sehr nah sein können. Aber am Anfang muss man immer erst erzählen und erklären. Und das ist irgendwie komisch. Die neuen Menschen können da (noch) nicht mitfühlen. Weil sie nicht wissen, wie es ist und war. Und irgendwie ist es auch komisch, dass sie in der Vergangenheit nicht dabei waren. Weil die Vergangenheit doch irgendwie wichtig ist. Deswegen bin ich ein bisschen einsam. Weil Menschen irgendwie kommen und gehen und man sich nur selbst bleibt. Und deswegen ist man irgendwie immer allein. Oder einsam.

Verliebtsein

Es war halb 8 und die Sonne blinzelte schon hinter den Tannen an der gegenüberliegenden Straßenseite hervor. Kevin stand mit Jan an der Bushaltestelle vor dem Schulgebäude. Jan zog hastig an seiner Zigarette und spähte nebenbei um die Ecke, damit er die Lehrer kommen sah und nicht beim Rauchen erwischt wurde.
Heute würde es wohl sehr warm werden. Das verriet die warme Luft am Morgen. Bald würde es Sommerferien geben und dann wäre es nur noch ein Jahr, das Kevin an dieser Schule verbrachte.

Ein weiterer Schulbus kam an. Schüler stiegen aus und gingen den Weg zum Schulgebäude hinauf.  In der Schüleransammlung war Stephanie. Stephanie und Kevin gingen gemeinsam in eine Klasse und er fand sie toll. Heimlich natürlich. Vielleicht war er sogar verliebt. Aber das war egal, denn sie war’s sicherlich nicht.
Wahrscheinlich glaubte sie sogar er könne sie nicht leiden. Denn er sprach nicht. Er konnte nicht sprechen. Und was sollte man da auch anderes denken?

Stephanie blieb mit ihren Freundinnen bei Jan und Kevin stehen und wünschte fröhlich einen guten Morgen. Kevin überließ Jan das Antworten und lächelte nur.
Andererseits, dachte er, könnte er sie nicht leiden, würde er doch nicht lächeln.
“Wie geht es dir?”, fragte sie und schaute Kevin an.
Was sollte er darauf antworten? Ihm ging’s nicht so gut. Weil er wusste, dass er darauf nicht vernünftig antworten konnte. Und weil er wusste, dass sie eigentlich nur versuchte ein Gespräch zu beginnen und er damit absolut nichts anfangen konnte. Weil er nicht wusste, was er sagen sollte. Weil es in seinem Kopf, wie bei einem Blackout aussah. Mutismus eben.
“Gut”, antworte er kurz und lächelte. Eigentlich hätte er jetzt noch mehr sagen müssen. Aber was? Ihm fiel absolut nichts ein.

Nach einer kurzen Stille ergriff Jan das Wort und erzählte welche Entdeckung er gestern im Internet gemacht hatte. So war das immer. Mehr als auf Fragen antworten konnte Kevin nicht. Und das Blöde war, dass sie ihn immer wieder ansprach. Als würde sie versuchen ihn zum Sprechen zu bringen. Immer wieder fragte sie ihn was. Warum tat sie das? Wollte sie sich lustig über ihn machen, wie einige andere Klassenkameraden? Manchmal hatten sie sogar Wetten am Laufen, wann Kevin sprechen würde und wann nicht.
Er war skeptisch. Weil sie einfach mit ihm Sprechen wollte, sicherlich wohl nicht. Und weil sie ihn mochte auch nicht. Das wäre ja zu schön gewesen.
Und so hörte er sie lachen, weil Jan wohl gerade etwas Lustiges gesagt haben muss. Kevin hatte nicht zugehört. Denn nun gingen ihm gefühlte tausend Gesprächsmöglichkeiten durch den Kopf. Er hätte sie zum Beispiel fragen können, wie es ihr ging. Oder wie ihr Tag gestern war. Oder etwas über die Schule. Ob sie mit den Hausaufgaben klar kam. Gut. Das wäre vielleicht etwas zu streberhaft gewesen, aber ihm fiel sicherlich noch eine andere Schulefrage ein.
Aber es war egal. Jetzt war’s vorbei. Sie unterhielt sich mit den Anderen und in der nächsten Situation war wahrscheinlich keine dieser Fragen in seinem Kopf parat. Dann war er wieder leer, als hätte es nie Gesprächsideen gegeben. So war das eben mit dem elenden Mutismus. Immer.
Aber wahrscheinlich war das mal eine halbwegs normale Situation, dachte Kevin. Das mit dem Ansprechen von Mädchen. Nur fühlte er sich dadurch auch nicht besser. Wie beschissen war das denn, wenn er ein Mädchen nett fand, sie ihn ständig ansprach und er nicht sprechen konnte?

Ich wünschte

Ich wünschte, ich wäre deine Decke,
denn sie wärmt dich.
Ich wünschte, ich wäre deine Kleidung,
denn sie berührt dich.
Ich wünschte, ich wäre dein Taschentuch,
denn es tröstet dich.
Ich wünschte, ich wäre dein Schatten,
denn er begleitet dich.
Ich wünschte, ich wäre dein Hund,
denn er beschützt dich.
Ich wünschte, ich wäre dein Spiegel,
denn er sieht dich.
Ich wünschte, ich wäre der Wind,
denn er streichelt dich.
Ich wünschte, ich wäre deine Umgebung,
denn sie umgibt dich.
Ich wünschte, ich wäre dein Leben,
denn es liebt dich.

(07. Januar 2005)

Beziehungsfragen

Irgendwie ist mein Kopf in letzter Zeit sehr voll. Voll mit Gedanken zum Thema Liebe. Und die Gedanken kreisen eigentlich immer nur rundherum, weswegen ich dachte, ich frag’ euch mal und eröffne diesen Eintrag in der Hoffnung Antworten und andere Gedanken zu bekommen.

Glaubt ihr, “kranke” Menschen können Beziehungen führen? Psychisch krank oder körperlich, egal. Krankheiten, die den Alltag schwieriger machen und eine Beziehung belasten können. Glaubt ihr Krankheiten belasten Beziehungen oder geht das nicht, wenn die Liebe echt ist? Macht dann Liebe “blind” und Krankheiten sind dann völlig egal? Oder zweifeln Partner an Beziehungen mit “kranken” Menschen und ist das Realität und das andere Traumwelt? Was denkt ihr oder wie ist es bei euch?

Lebenszeichen

Ja, ich weiß, es ist irgendwie ein bisschen dumm, dass ich hier momentan nicht so viel schreibe. Aber gerade geht es nicht. Gerade bin ich den ganzen Tag unterwegs und versuche mein Praktikum so gut wie möglich hinter mich zu bringen (was allein schon sehr anstrengend ist, auch körperlich – 12 Stunden aus dem Haus) und in jeder freien Minute ist der Kopf voll von Gedanken. Gedanken, die ich zwar gern aufschreiben würde, aber nicht hier in diesen Blog gehören. (Auch, wenn sie manchmal etwas mit Mutismus zu tun haben.)
Vielleicht wisst Ihr, wie das ist, wenn der Kopf voll ist und wenn man mehr mit dem Alltagüberleben beschäftigt ist, weil man gerade in einer Lebensphase steckt, in der man entscheiden muss, ob man das Leben weiterhin zweisam oder einsam weiterlebt.

Naja, eigentlich wollte ich das nur gesagt haben. Dass gerade zwar nicht alles okay ist, aber mit dem Blog schon. Es gibt ihn noch und ihn wird es auch weiterhin geben. Hier ist es nur gerade etwas stiller…

Was ich verpasst hätte, wenn ich nicht mehr leben würde…

…und das ist eigentlich eine ganze Menge, was ich wirklich nicht mehr missen möchte.

1. Liebedie länger andauernde und ernste Liebe.

2. Fliegen - ein wirklich total irres Gefühl, wenn man in einem Flugzeug sitzt und langsam abhebt oder wieder landet.

3. Konzerte - die Bässe im Bauch und die dröhnende Lautstärke. Vor allem das Konzert von meiner Lieblingsband war ein Lebenstraum.

4. noch mehr Schneein 5 Jahren kommt ganz schön viel Schnee zusammen, den ich verpasst hätte.

5. das Reisen und fremde Länder entdeckt zu haben – vor allem USA, Kanada, Frankreich und Schweden.

6. eigene Wohnungdie geb’ ich nicht mehr her!

7. Fotografie - ich wäre nie im Besitz einer eigenen Kamera gewesen und hätte nicht gemerkt, wie toll das sein kann, die Welt in Bildern festzuhalten.

8. Studierenhätte man mir gesagt, dass ich mal studiere, hätte ich demjenigen den Vogel gezeigt.

9. Kontaktlinsenich habe meine Brille schon immer gehasst. Und es ist ein tolles Gefühl nun ohne sehen zu können.

10. weiter Musik hören - ich hätte ganz viele tolle Lieder verpasst. Und zwei Alben meiner Lieblingsband hätte ich nie gehört.

11. weiter Schreiben zu können – ich mag Schreiben wirklich sehr gern.

12. Menschen, denen man begegnet ist – wie wäre es um Beispiel, ohne die Samen-Frau in Lappland gewesen, die eine so furchtbare Weisheit ausstrahlte, sodass sie unbeschreiblich magisch wirkte, mit ihren tiefen Augen und ihrer Stimme.

13. Events und Veranstaltungendann hätte ich heute nicht sagen können, dass mir Martin Schneider mal zum Geburtstag gratuliert hat oder ich mit “Die Happy” gesprochen habe.

14. Häschenwie wäre es, ohne ganz fest zu wissen, dass ich irgendwann mal ein Häschen (als Haustier) haben werde?

15. Finnland-Traumgäb’s auch nicht und heute ist es die Zukunft.

16. Autofahren - auch, wenn ich es nicht mag, aber das Gefühl völlig selbstständig von A nach B zu kommen, geb’ ich nicht mehr her.

17. Taizéweil man inmitten hunderter Menschen auch ganz still sein kann.

18. bestiegene Berge - nicht nur bildlich sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes. Wie wäre es ohne die endlose Aussicht auf dem Berg?

19. Genuss - ich wäre nie in den Genuss von Orangina, Oreos und gutem Essen gekommen.

20. gute Filmehätte ich eine Menge verpasst. Die meisten meiner Lieblingsfilme hätte ich nie gesehen.

21. gute Bücherich hätte Twilight nie gelesen.

22. Alkohol - ich hätte mich niemals angenehm mit meiner damaligen besten Freundin betrunken und im Mondschein über das Leben philosophiert.

23. Streit, Diskussionen und Konflikteauch, wenn das nicht gerade positiv ist, aber ich hätte nie gewusst, wie das ist, wenn man sich streitet oder über belanglose Alltagsthemen diskutiert.

24. zweite Familiehätte nie das Gefühl kennengelernt in einer “Wahlfamilie” willkommen zu sein.

25. das Gefühl von Heimat - ich hätte nie gewusst, dass ich auch irgendwo hingehören kann.

26. Emotionen teilen - hatte ich davor immer nur für mich allein.

27. Nähe - ich hätte nicht gewusst, wie es ist, Freunde zu umarmen.

Leserfragen zum Leben mit Mutismus

Da ich mittlerweile auch schon einige Fragen über formspring.me erhalten und beantwortet habe, wollte ich diese der Vollständigkeit halber hier im Blog auch nochmal veröffentlichen.

1. Hast du einen Führerschein? Wenn ja, wie waren für dich der Fahrschulunterricht und die Fahrstunden?

Ja, ich habe einen Führerschein und das mittlerweile sogar schon seit vier Jahren. Und ich fand alles eher schlimm als gut. Eigentlich wollte ich den Führerschein auch gar nicht machen. Aber da ich in einem kleinen Ort aufgewachsen bin, wo die Busverbindung schlecht bis gar nicht vorhanden ist, ist ein Führerschein schon sinnvoll.
Der Unterricht war in Ordnung, mit der theoretischen Prüfung hat alles prima geklappt, nur die Fahrstunden nicht. Zum einen, weil man ja auch irgendwie mal mit seinem Fahrlehrer kommunizieren sollte und zum anderen fällt es mir extrem schwer in Gegenwart fremder Menschen etwas zu lernen und zu üben. Besser gesagt ich bin dann so aufgeregt und vielmehr mit dem Thema Mutismus (was sage ich jetzt, verstehe ich das richtig, habe ich Fragen, wie frage ich was) beschäftigt, als mich auf den Inhalt konzentrieren zu können.
Und generell zu dem Thema kann ich sagen, dass ich nicht unbedingt große Freude am Autofahren habe. Ob das allerdings mit dem Mutismus zu tun hat, weiß ich nicht. Ich finde Autofahren ein bisschen unkontrollierbar. Das mag nun etwas verrückt klingen, aber ich plane gern alles und habe mich auf Situationen schon oft vorher gedanklich vorbereitet. Und das geht beim Autofahren irgendwie schlecht. Zum Beispiel hätte ich gern die Sicherheit einen festen Parkplatz zu bekommen, den ich in Gedanken schon vor mir habe und planen kann. Aber das geht nicht. Dann ist der Parkplatz voll, die Ampel rot, dann kann man die Spur nicht wechseln, verpasst die Ausfahrt oder Kreuzung ist auf einmal an einem völlig anderen Ort. Und was dann? Beim Zugfahren hat man den Fahrplan, steigt ein, wieder aus und ist da. Genauso zu Fuß. Das ist einfach wenig komplizierter.
Aber all das bedeutet nicht, dass Autofahren jedesmal eine riesige Anstrengung ist. Aber ich streite mich eben auch nicht darum jetzt unbedingt auf den Fahrersitz steigen zu müssen.

2. In einer Beziehung, kannst du da laut streiten?

Ja, kann ich. Ich kann schreien, schimpfen und hörbar wütend sein. In Streitsituationen bin ich nicht auf den Mund gefallen, kann mich verteidigen, kann diskutieren und habe kein “Mutismus-Blackout” sodass mir keine Worte einfallen. Sprich, in einer Beziehung kann ich streiten, wie ein ganz normaler Mensch.

3. Wenn du krank bist, und zum Arzt musst, fällt es dir dann schwer, dem Arzt deine Symptome zu schildern?

Generell fällt mir das ganze Thema schwer. Sprich ich muss überhaupt erstmal zum Arzt gehen und das tue ich wirklich nur, wenn es sein muss. Da kann man eventuell schon beim Terminmachen scheitern. Dann muss man sich anmelden, sagen was man will und dann kommt es auch darauf an, ob ich den Arzt kenne und mir die Praxis bekannt ist oder nicht.
Bisher bin ich eigentlich nur zum Arzt gegangen, wenn ich wirklich krank war und das ist zum Glück nicht ganz so oft der Fall. Aber dennoch muss ich Arztbesuche immer “vorbereiten”. D.h. mir überlegen, was ich will und wie ich das sagen kann und eigentlich alles erstmal vorher im Kopf durchdenken. Aber wenn ich denn dann erstmal da bin, klappt das alles eigentlich ganz gut und normal.

Einen, wie ich finde, sehr guten Eintrag über Arztbesuche, Gedanken, die man sich dabei machen und wie man sich fühlen kann, hat sara in ihrem Blog still.schweigend.

4. Kann man mit der Krankheit überhaupt normal durch das Berufsleben gehen? Was arbeitest Du denn?

Ich denke, wenn man sich anstrengt, schon. Da ich aber studiere und noch nicht wirklich im Berufsleben bin, kann ich die Frage auch nicht aus eigener Erfahrung beantworten. Ich kann nur sagen, dass ich bisher alles (Schule, Praktika) irgendwie “normal” geschafft habe.