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Zeugniszahlen

Vor ein paar Tagen hab’ ich meine Mappe mit den Zeugnissen aus der Schule durchgeblättert, weil ich eine Kopie des Abschlusszeugnisses für die Zulassung zum Master-Studium brauchte. Und der Mutismus lässt sich eigentlich in der gesamten Mappe finden. In der Grundschule hieß es in Worten ausgedrückt “Sab sollte sich um eine aktive Teilnahme am Unterricht bemühen” und später eben in Zahlen. Sport war eigentlich am schlimmsten, weil man dort nichts durch schriftliche Noten ausgleichen und ich mich nicht bewegen konnte. Mag komisch klingen, aber bei vielen fremden Menschen bin ich steif und regungslos, was im Sportunterricht blöd war. Und in den anderen Fächern konnte ich eben die mündlichen Noten durch schriftliche ausgleichen, sodass ich im Mittel eine durchschnittliche Schülerin war. Aber jedes Mal, wenn ich diese blöden Zahlen anschaue, fällt mir wieder ein, wie man sich das Leben mit selektivem Mutismus verbauen kann. Anstelle der schriftlichen 1 in Mathe und Deutsch stehen dort 2en und 3en und am schlimmsten ist es in den Fächern, in denen es keine Klassenarbeiten gab. Oder nur eine und mündlich mehr zählte. Geschichte, Biologie, Chemie, Erdkunde und so weiter. Da gab’ es 4en und manchmal Mitleids-3en, weil ich mündliche Noten von 5 bis 6 hatte.
Im Nachhinein verstehe ich nicht, wieso die Lehrer nicht aktiv wurden und beobachteten und fragten. Niemand versaut sich doch sein Zeugnis mit Absicht, weil er im Unterricht nicht spricht. Sondern schweigt. Sogar manchmal wenn er aufgerufen wird.
Es macht mich wütend. Die ganzen blöden Zahlen machen mich wütend. Wissen und Können in blöden Zahlen ausgedrückt nach denen sich alle Welt richtet. Ich hatte wahnsinniges Glück, dass ich mit diesen elenden Zahlen studieren konnte (Losverfahren) und im Nachhinein bin ich gut. Zum ersten Mal bin ich richtig gut, weil es keine mündliche Noten gibt und die mündlichen Leistungsnachweise krieg’ ich alle irgendwie hin. Zahlen in der Schule sagen also überhaupt nichts aus. Überflüssig. Blödsinn. Und irgendwie unfair. Denn würden sie das tun, würde ich keinen Bachelor-Abschluss – vorraussichtlich in sehr gut – schaffen, da die Zahlen in der Schule schlecht waren.

Nach der Schule

Marie stellte ihre Schultasche in die Ecke und deckte den Tisch mit Tellern, wie ihre Mutter sagte. Ihre ältere Schwester tat es ihr mit dem Besteck gleich, während ihre Mutter die heißen Töpfe aus der Küche brachte.
Gemeinsam saßen sie am Tisch und aßen das Mittagessen.
Während Marie’s Schwester auf die Frage, wie es in der Schule war nur kurz und gelangweilt mit einem Gut antwortete, erzählte Marie, wie der Matheunterricht und der Deutschunterricht war. Sie erzählte die Geschichte, wie sich ein Klassenkamerad verrechnete, aber fest der Überzeugung war, dass es stimmte und sich davon nicht abbringen lassen wollte und gab eine kurze Inhaltsangabe der Gesichte, die sie heute in Deutsch gelesen hatten, weil sie sie besonders mochte. Dann erzählte sie, wie voll der Schulbus war und dass beinahe nicht alle Schüler hinein gepasst hätten. Und nachdem sie das erzählt hatte, erzählte sie von den Hausaufgaben und dass, sie die schnell schaffen würde, denn sie wüsste schon, wie es geht.
Eigentlich plapperte Marie sogar. Wie ein Wasserfall kamen die Worte sortiert und laut und deutlich aus ihrem Mund geschossen. Würden das die Lehrer hören, würde sie nicht glauben, dass es Marie war. Denn in der Schule, da hatte sie selektiven Mutismus und sprach kein Wort. Und dass sie nicht sprach, davon erzählte Marie nichts. Wie sie manchmal im Schulbus von den älteren Jungs geärgert wurde, weil sie sich nicht wehrte und nicht sprach. Und wie sie manchmal in Deutsch Geschichten vorlesen sollte, aber dann kein einziges Wort aus dem Mund kam, erzählte sie auch nicht. Und wie sie sehr viele Ergebnisse in Mathe wusste, die Hand zum Sprechen aber nicht heben konnte, verschwieg sie auch. Weil sie so nicht sein wollte. Weil das nicht das kleine, blonde plappernde Mädchen am Küchentisch war. Das war jemand anders.

Leserfragen zum Leben mit Mutismus

1. Hast du schon mal angefangen zu weinen als du etwas gefragt wurdest und nicht antworten konntest?

Ja, hab’ ich. Aber das ist schon eine Weile her. Das war in der Schule und einige Lehrer sahen darin ein sehr großes Problem, dass ich nicht sprach. Was ja an sich auch kein Problem ist, aber die Art und Weise wie sie damit umgingen, war es. Das krasseste, was ich erlebte, war mal das Wort verrückt vor der ganzen Klasse, weil ich einen Text nicht vorlesen konnte und da fing ich dann auch an zu weinen.

2. Hast du schon mal überlegt die Gebärdensprache zu erlernen/auszuprobieren?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Mag zwar naheliegend sein, dass wenn man mit dem Mund nicht sprechen kann, es mit den Händen versucht, aber Mutismus ist mehr so ein Eingefrorensein und ein Erstarren. Und deswegen waren mir in solchen Situationen auch Bewegungen unmöglich.

3. Wie soll jemand vorgehen, der Kontakt zu einem Menschen mit Mutismus aufbauen will? Extrem vorsichtig/langsam oder doch eher normal/munter drauflos?

Ich denke es gibt nicht DEN Mensch mit selektiven Mutismus. Das wird sicherlich ganz unterschiedlich sein. Je nach Charakter eben. Daher würde ich sagen weder noch und einfach normal. Und notfalls kann man einfach nachfragen, wie es für denjenigen am besten ist. Wichtig ist glaube ich nur, dass man sich durch ein Schweigen nicht einschüchtern lässt oder auf sich persönlich bezieht. Dieser Eintrag passt vielleicht gut zu der Frage.

Pressemeldung: “Das Schweigen der Kinder – Über 5.000 Schulanfänger schalten auf stumm”

“Das Schweigen der Kinder – Über 5.000 Schulanfänger schalten auf stumm”

Den hab’ ich soeben via Google Alerts bekommen und möchte ihn euch zeigen.
Ich finde es auch sehr sehr wichtig, dass Lehrer über Mutismus aufgeklärt werden. Zum einen, weil sie ihn dann eventuell erkennen, da die Schule für das Kind ja fremd ist und es dort nicht spricht oder weil sie besser mit dem betroffenen Kind umgehen können.
Keiner meiner Lehrer hatte jemals etwas von Mutismus gehört oder hatte im psychologischen Bereich Kenntnisse und Kompetenzen. Niemand wusste, wie er mit mir umzugehen hatte und eigentlich hat das auch keinen so richtig gekümmert.
Oft bin ich im Internet schon über Berichte mutistischer Kinder gestolpert, die auf Sonderschulen gehen müssen oder keinen Schulabschluss machen können. Und nur weil sie nicht sprechen? Irgendwas ist das falsch. Es gibt ja  schließlich auch anerkannte Lese-Rechtschreib-Schwächen. Warum also  keine Sprechschwächen?

Die mündliche Abschlussprüfung

„Wie geht es dir?“ fragte Herr V. lächelnd.
Alena grinste. Sie zuckte mit den Schultern. Wie ging es ihr?
Ja. Gut. Ich glaube gut, dachte sie.
„Wie war die Prüfung?“ fragte er neugierig, immer noch lächelnd, weil er merkte, dass die Prüfung offenbar gut verlaufen war. Jedenfalls schaute sie nicht unglücklich.
„Ging so“, antwortete Alena kurz.
Er schaute fragend „ging so“?
Und dann plapperte sie los und erzählte, was alles nicht so gut war. Erzählte, dass sie sich einmal total verrechnet hatte und es nicht merkte. Noch nicht einmal als ihr Mathelehrer sie danach fragte und sagte, sie solle es mal genau an die Tafel schreiben. Nichts. Sie merkte es nicht. Eigentlich war es nicht so schlimm. Eine Zwei hatte sie insgesamt bekommen. Aber es war ärgerlich, weil es ein dummer Fehler war und die Note ansonsten besser gewesen wäre. Und sie erzählte davon, wie ihr Mathelehrer am Schluss sagte, dass er sie noch nie so viel reden gehört hatte und dass es schade wäre, dass er es jetzt zum Schluss erst hörte. Ja ärgerlich. Hätte sie die ganze Zeit im Unterricht schon gesprochen, dann wäre die Note super gewesen. Und sie erzählte auch davon, wie sie nach der Prüfung mit einem Klassenkameraden den Nachmittag verbrachte, weil es nicht lohnte die 20 Kilometer mit dem Auto nach Hause zu fahren und dann später wieder hinzufahren, weil die schriftlichen Abschlussnoten bekannt gegeben wurden. Sie hatte sich mit ihm noch nie unterhalten und deshalb erzählte sie manchmal unsinnige Dinge. Nach ihrer Meinung jedenfalls. Und dann erzählte sie Herrn V. auch noch davon, wie ihre Klassenlehrerin freudestrahlend auf sie zu kam und ihr zur bestandenen Fachhochschulreife gratulierte und sagte, wie prima sie es fand. Weil Alena doch nicht sprechen konnte und gerade die mündliche Prüfung so gut gelaufen war, mit einer Zwei. Aber Alena war so gerührt und glücklich, sodass sie sich nicht vernünftig bedanken konnte und sich irgendwas in den Bart murmelte. Und das könnte unhöflich sein und deshalb ärgerte sie sich, weil sie nicht laut und deutlich sprach und auch gar nicht genau wusste, was sie sagen sollte.
Herr V. grinste. Er grinste einfach nur. Und Alena erzählte. Erzählte, was alles falsch war und wieso und was hätte anders sein müssen. Aber Herr V. grinste weiter. Und dann stockte sie und musste plötzlich auch lächeln. Bis über beide Ohren. Weil eigentlich gar nichts falsch war. Weil sie die mündliche Prüfung – das Horrording – mit selektiven Mutismus bestanden hatte und nun rein theoretisch – praktisch nicht – studieren konnte. Daran war überhaupt nichts falsch. Und dann lächelten sie zusammen.

Tipps zum Umgang mit Mutismus

  • dem Schweigen nicht viel Aufmerksamkeit schenken und nicht lange warten bis etwas gesagt wird
    Oft war es bei mir so, dass das Sprechen unmöglicher wurde, je mehr man gewartet hat und mich zu einer Antwort drängen wollte. Je länger ich schwieg, desto schwieriger wurde es Worte für einen Einstieg zu finden und die Stille zu durchbrechen. Wenn ich mal gesprochen habe, dann war es meist spontan und es funktionierte eben einfach, weil die Situation und Umgebung passte. Konnte ich also nicht sprechen, änderte sich das auch mit mehr Zeit zum Antworten geben nicht.

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Der Chemielehrer

Es war Samstagmorgen. Kevin wollte zum Bäcker. Das konnte er mittlerweile, beim Bäcker sagen, was er kaufen wollte.

Schon auf dem Weg dorthin sah er ihn, wie er sich mit einem älteren Mann auf der Straße unterhielt – Herr S., sein ehemaliger Chemielehrer.
Er mochte ihn nicht. Wenn Kevin an ihn dachte, fielen ihm nur böse Worte ein, die man lieber nicht sagen sollte. Er mochte ihn wirklich nicht.
Und Herr S. ihn sicherlich auch nicht. Das glaubte Kevin jedenfalls.
Aber ganz sicher war, dass Herr S. nicht mochte, wenn Kevin nicht sprach. Wenn er ihn im Unterricht ansprach und Kevin nicht antworten konnte. Für Herrn S. gab es selektiven Mutismus nicht und weil Kevin nicht sprechen konnte, nahm er ihn mindestens einmal in jeder Unterrichtsstunde dran.
Kevin glaubte, er fand es amüsant ihn zu quälen. Und er quälte ihn.
Einmal musste er vier Seiten aus dem Chemiebuch am Stück vorlesen, während auf dem Schulhof ein Bagger arbeitete. Es war schrecklich mit seiner Stimme gegen diesen Lärm anzukämpfen, weil Kevin immer sehr leise sprach. Aber Herr S. lies ihn lesen und lesen und lesen.
Und ein anderes Mal nahm er seine Fehler vor der ganzen Klasse auseinander. Ritt ewig darauf herum und am liebsten wäre Kevin im Boden versunken.
Die dümmsten und schwierigsten Fragen waren für Kevin. Damit er erst recht nicht antworten konnte und damit Herr S. immer und immer wieder einen Grund hatte zu zeigen, dass Kevin nicht sprach. Motivieren wollte er ihn nicht. Denn dann hätte er verstehen wollen, was selektiver Mutismus ist.
Kevin mochte ihn also wirklich nicht. Und er verabscheute es, wie Herr S. immer sagte “warum in die Ferne schweifen, wo doch liegt das Glück so nah.” Er hasste diesen Spruch. Er hasste ihn einfach. Und der Spruch lag ihm noch heute in den Ohren. Mit dieser grässlichen Stimme von Herr S.

Und dann stand Herr S. plötzlich auch noch neben Kevin in der Bäckerei.
Kevin hatte ihn sofort erkannt, auch wenn schon einige Jahre vergangen waren, seitdem er sein Chemielehrer war.
Herr S. hatte sich nicht verändert, gar nicht. Nur dünner geworden war er. Sein riesiger Bauch war weg. Vielleicht hatte es ihm sein Arzt gesagt. Diabetes, Bluthochdruck und solche Sachen.

Ja, da stand er. Und auch er erkannte Kevin. Er schaute ihn an. Direkt in seine Augen schaute Kevin. Und Herr S. schaute weg. Dann sah er wieder hin und wieder weg. Kevin fixierte ihn dagegen mit seinem Blick. Seine Augen waren tief, fast hypnotisch schaute er Herr S. an.
Herr S. wechselte schnelle Blicke. Kevin spürte es genau. Es war ihm nicht geheuer. Seine Augen, sie sahen so aus, als hätte er Angst vor Kevin. Hatte er wirklich Angst?
Die Situation war nicht schön für ihn. Er war Kevin unterlegen. Und das spürte er, da war Kevin sich sicher.  Endlich. Er war so klein und Kevin so groß. Riesengroß war er.
Herr S. sagte nichts. Andere Lehrer hätten vielleicht, hallo, wie geht es dir gesagt. Und auch Kevin sagte nichts, sondern schaute ihn nur an. Er schaute kein einziges Mal weg. Es war Herr S. unangenehm. Ihm nicht.

Vielleicht hätte Kevin ihn ansprechen sollen. Hallo, Herr S. Hätte ihm sagen sollen, dass er der schlechteste Lehrer der Welt ist und was aus Kevin geworden ist. Dass er nun groß ist und kein kleiner Junge mehr. Und dass es bald seine Ausbildung beenden wird.
Aber er sagte nichts. Er hätte es gekonnt. Aber dann wäre Kevin unhöflich und böse geworden. Außerdem hatte er seine Worte gar nicht verdient. Nur den Blick. Früher konnte er Herr S. nicht anschauen. Vor Angst. Und heute machte er ihm Angst. Herr S., er war so klitze klein. Und Kevin, der war riesengroß.
Plötzlich musste Kevin lächeln. Ja, diesen Kampf hatte er nun gewonnen.

“Jadie – das Mädchen, das nicht sprechen wollte” von Torey Hayden

Nach Kevin habe ich nun auch “Jadie – das Mädchen, das nicht sprechen wollte” von Torey Hayden gelesen.
In diesem Buch gibt Torey Hayden ihren Beruf in der Klinik auf und nimmt eine neue Stelle als Lehrerin an. Sie zieht in eine kleine Stadt und betreut dort verhaltensgestörte Kinder in einer speziellen Klasse. In der Klasse sind vier, später 5 Kinder, unter anderem Jadie. Jadie ist acht Jahre als und spricht nicht. Sie leidet an selektiven Mutismus. Zu Hause spricht sie mit ihren Eltern und Schwestern, doch in der Schule bleibt sie stumm.
Nach und nach gelingt es Torey das Mädchen zum Sprechen zu motivieren und Jadie findet Vertrauen. Mit viel Geduld versucht Torey Jadie zu verstehen. Doch was Jadie zu erzählen hat, ist alles andere als verständlich, leicht und am Rande jener Vorstellungskraft eines Erwachsenen…

Das Buch hat mich ziemlich gefesselt und ich habe es in wenigen Tagen gelesen. Ich mag die Art, wie Torey Hayden schreibt und die Personen in ihren Büchern beschreibt. Neben Jadie sind auch die anderen Kinder der Klasse Thema und es wird ein bisschen von ihnen erzählt.
Ich finde das Buch von Kevin zwar ein bisschen besser, wenn es darum geht sich das mit dem Mutismus vorzustellen, aber auch bei Jadie wird deutlich, wie komplziert das mit dem Sprechen sein kann und wie es funktionieren kann und wie nicht.
Generell ist das Buch ziemlich spannend und – ohne nun nicht zu viel zu verraten – sehr schockierend und schlimm. Teilweise musste ich das Buch beiseite legen, weil ich eine Pause brauchte um das erstmal zu verarbeiten. Und nachdem ich nun fertig bin, würde ich am liebsten die ganze Welt in Ordnung bringen, damit so etwas nie wieder passieren kann.

Auch diesmal gibt es auf der Homepage von Torey Hayden, eine kleine Notiz, was aus Jadie geworden ist, da auch diese Geschichte – wie Kevins – auf einer wahren Begebenheit beruht.

Zusammenfassend ist “Jadie – das Mädchen, das nicht sprechen wollte” ein sehr gutes und gleichzeitig eines der schlimmsten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich kann es also bei einer “gewissen psychischen Stärke” (könnte stark triggern) nur weiter empfehlen.

Tipps zum Umgang mit Mutismus

  • Gruppenaktionen mit Bezugspersonen zusammen machen
    Hätte ich mir in der Schule manchmal sehr gewünscht. Weil Gruppenarbeiten schon so schwierig genug waren und dann war man meistens auch noch mit Menschen in einer Gruppe, mit denen man noch nie ein Wort gesprochen hat. Wenn ich mit einer Bezugsperson, mit der ich sprechen konnte, zusammen war, fiel es mir deutlich leichter auch mit den anderen aus der Gruppe zu sprechen. Mag vielleicht für den Betroffenen irgendwie zu einfach gemacht sein, aber bei “fremden” Gruppen habe ich meist kein einziges Wort gesagt und das war auch nicht sehr förderlich.
  • wenn etwas unerwartet gesagt wurde, keine großes “Theater” daraus machen
    Das war mir immer ziemlich unangenehm, wenn es mal vorkam, dass ich doch unerwartet gesprochen habe. Dann kamen solche Kommentare, wie “du kannst ja doch sprechen” oder “oh, sie spricht”. Je länger ich geschwiegen habe, desto mehr habe ich darüber nachgedacht, was die anderen wohl denken würden, würde ich nun plötzlich etwas sagen. Und irgendwann bekam das einen großen Stellenwert und umso schwieriger wurde es.
    Also, wenn möglich nichts dazu sagen und nicht anmerken lassen, wie erstaunt man über die Worte ist.

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