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Ich bin immer irgendwo zwischen nicht können, aufgeben und trotzdem irgendwie wollen. Und es dann am Ende doch geschafft haben, ohne eigentlich zu wissen wie.

Präsentation

Ich wurde ausgelost eine Präsentation zu halten. Und irgendwie, innendrin, hab’ ich’s ganz genau gefühlt, dass es mich trifft. Und – es mag albern klingen – aber ich glaub’ dran, dass es der Weltbeste so eingerichtet hat. Weil er immer noch da oben ist und runterschaut und weil er weiß, dass es mir gut tut. Auch wenn ich höllisch schimpfe, die ganze Welt mal wieder unfair finde und ich mich mit meiner, eigentlich gar nicht vorhandene Pechsträhne, bemitleide.
Weil er weiß, dass es mir hilft und mich vorwärts bringt. Und weil er weiß, dass ich das kann. Ich glaub’, er hat’s gemacht. Weil er noch da ist…

Eingelebt

Nun bin ich schon einen Monat in der neuen Stadt und seit knapp drei Wochen mit dem neuen Studium beschäftigt. Die neue Stadt und die neue, gemeinsame Wohnung gefallen mir gut. Alle sagen zwar, die Stadt ist hässlich, aber irgendjemand sagte bei der offiziellen Studentenbegrüßung, dass sie auf den zweiten Blick schön sei. Den Satz mochte ich, weil es irgendwie stimmt.
Und das Studium ist auf den zweiten Blick auch schön. Auf den ersten, wie immer, anstrengend. Ob es anstrengender ist, als das alte weiß ich noch nicht. Bisher gibt es in diesem Semester weniger Gruppe- und Referatskrempel. Weil es einfach zu viele Studenten sind. Ist eben alles größer, in einer Studentenstadt mit fünstelligen Zahlen. Und inhaltlich weiß ich nicht. Vielleicht ein bisschen anspruchsvoller, weil es eben nun eine Universität ist und keine Hochschule mehr. Aber genau, weiß ich das wohl nach den Prüfungen. Aber das Universitätsstudentenleben mag ich. So riesig, so viele Sachen, so viele Möglichkeiten. So universitätsmäßig eben.
Nur mit den Menschen ist’s ein bisschen blöd. Ich habe zwar zwei Menschen, die an der gleichen Hochschule studiert haben und die ich deswegen kenne und Gesichter, die ich aus der Einführungswoche kenne, weil alle, die von anderen Hochschulen kamen, zusammen waren, aber Freunde werden wir wohl nicht. Eine Lieblingskommilitonin fehlt mir. Aber vielleicht gibt es die auch nicht. In den Vorlesungen sieht man jeden Tag neue Gesichter, weil es eben so viele sind und der Fachbereich recht groß ist. Und die Hochschule war eben, wie eine große Schulklasse. Jetzt ist’s eben unimäßig. Da ist es mit den Menschen schwieriger…

Neu

Alles ist neu. Ich bin umgezogen. Neue Stadt. Neue Wohnung. In ein paar Tagen gehen die neuen Vorlesungen los. Neue Menschen. Und ich bin am Atmen. Am Stehenbleiben. Am Aushalten. Am Durchhalten. Am Leben. Vor Angst.

Und man kann auch…

… mit selektivem Mutismus einen Studentennebenjob haben, den man sich selbst gesucht hat. Und bei dem man mit einer gefühlten riesen Gleichaltrigenschar im Team arbeitet. (Normalerweise hasse ich Gruppen von Gleichaltrigen am meisten, weil es da so schwierig ist mit dem Sprechen.) Das kann man. Und das kann man am Ende sogar so gut, sodass man traurig ist, dass es vorbei ist, auch wenn man sich die ersten Monate dort mit dem üblichen Angstkrempel hinquälen musste. Und man kann mit selektivem Mutismus sogar dort von einem Mitarbeiter angesprochen werden und lernen so schlagfertig zu sein, sodass man es schafft eine Abfuhr zu erteilen. Kann man auch. Man kann also einen Studentennebenjob haben. Oder ich kann.

Man kann…

… mit selektivem Mutismus studieren. Eigentlich dachte ich bis vor kurzem immer das geht nicht und irgendwas wird es geben, woran ich letztendlich scheitere. Oder weswegen ich aufgeben muss. Und eigentlich hab’ ich das Studium auch nur mit diesem Gedanken begonnen. Dass es irgendwann eine Mauer gibt, die zu groß ist. Ich bin ausgezogen und so eingezogen, sodass man alles schnellstmöglich kündigen, beenden und einfach wieder zurück kann. Habe fest damit gerechnet, dass das nichts für mich ist. Studieren. Nicht unbedingt, weil es wissenstechnisch nicht funktioniert, sondern vielmehr wegen der ganzen Sprecherei. Mündlichen Kram, Kontakt mit anderen Studenten und die Organisiererei. Aber irgendwie habe ich mich immer durchgebissen und nun muss ich am Ende doch irgendwie zugeben, dass ich studieren kann, weil ich nun fertig bin. Mit dem Bachelor. Kann nicht mehr sagen “ich kann das nicht”, weil ich fertig bin und es kann.
Und nun habe ich mich dazu entschieden weiter zu studieren, also den Master zu machen. Und innendrin beginne ich das genauso. Sekptisch und mit “ich kann das sicherlich nicht”. Nur sind die Zweifel jetzt ein bisschen größer. Weil ich von einer kleinen Hochschule in eine Universitätsstadt wechsele. Ob das funktioniert, weiß ich nicht. Aber das wusste ich vor dem ersten “ich kann das sicherlich nicht” auch nicht. Vielleicht funktioniert es, vielleicht nicht. Aber selbst, wenn es nicht funktioniert, finde ich das nicht schlimm. Weil ich mir mit einem Bachelor-Hochschulabschluss schon mehr bewiesen habe, als ich jemals gedacht und geglaubt hätte. Deswegen ist es in Ordnung, wenn es diesmal nicht funktioniert. Auch wäre es dann irgendwie ein normales Nichtfunktionieren. Denn wenn es nicht klappt, wäre es, weil es vielleicht zu viel, zu kompliziert, zu hoch ist und nicht weil ich Mutismus habe und aus diesem Grund nicht studieren kann. Deswegen ist es in Ordnung. Und wenn es nicht klappt, dann war es der falsche Weg. Dann gibt es einen anderen. Weil ich es kann.

Fertig

Aufgeben II

Eigentlich könnte ich gerade jeden Tag schreiben, wie gern ich alles hinwerfen würde und vielleicht sollte ich deswegen momentan einfach gar nichts schreiben. Bis ich die Bachelorarbeit abgegeben habe. Manchmal gibt es auch Momente, in denen alles wieder gut ist. Ich fühle mich, als sei ich manisch-depressiv, obwohl ich gar nicht weiß, wie sich das anfühlt. Ich will aussteigen und weitermachen, weil ich schon immer weiter gemacht habe. Und aussteigen will ich, weil ich immer weitermachen muss. Weil es immer schwierig sein wird. Aber:

KÄMPFEN, KÄMPEN, KÄMPFEN.

IMMER WEITER KÄMPFEN!

Nachtrag

Vielleicht finde ich auch keine Motivation, weil das Danach alles viel zu schön klingt. Weil es ein bisschen unwirklich ist. Für mich. Und weil da bestimmt irgendwo ein Haken dran sein muss und ich ihn deswegen suche. Weil ich nicht studieren kann. Wenn man nicht spricht. Oder besser gesagt, es mittlerweile kann, aber alles trotzdem so schwierig ist. Dachte ich immer. Und das Danach irgendwie (noch) nicht passt. Vielleicht deswegen. Vielleicht kann das Ich-weiß-wie’s-weitergehen-kann deswegen nicht so richtig motivieren. Weil es zu schön ist, um wahr zu sein

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