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	<title>Mutismusblog &#187; Interview</title>
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	<description>Die Welt aus der Sicht einer Schweigsamen...</description>
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		<title>Interview mit einer Betroffenen</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 13:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Betroffene]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Mutismus]]></category>
		<category><![CDATA[selektiver Mutismus]]></category>

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		<description><![CDATA[1. Seit wann leidest du an Mutismus? Ich leide seit ich denken kann an selektiven Mutismus. So richtig gemerkt wurde es als ich so ca. 2 Jahre alt war. Da wir sehr zurückgezogen lebten und kaum Kontakte hatten war es wohl zuerst nicht so offensichtlich. 2. Wie wurde Mutismus bei dir diagnostiziert? 2001 kam ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">1. <span style="color: #888888;">Seit wann leidest du an Mutismus? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Ich leide seit ich denken kann an selektiven Mutismus. So richtig gemerkt wurde es als ich so ca. 2 Jahre alt war. Da wir sehr zurückgezogen lebten und kaum Kontakte hatten war es wohl zuerst nicht so offensichtlich.</p>
<p style="text-align: justify;">2. <span style="color: #888888;">Wie wurde Mutismus bei dir diagnostiziert? </span></p>
<p style="text-align: justify;">2001 kam ich in die Psychiatrie wegen Suizidgedanken und ich hatte das Buch „Jadie, dass Mädchen das nicht sprechen wollte“ in der Klinik mit. Die Ärztin dort hat sich dafür interessiert und las es ein wenig. So kam die Diagnose zustande.</p>
<p style="text-align: justify;">3. <span style="color: #888888;">Kennst du die Ursachen von deinem Mutismus? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Ich habe Vermutungen, aber ich bin mir natürlich nicht ganz sicher. Bei uns in der Familie gibt es Ängste, Depressionen und soziale Phobie. Meine Mama war viele Jahre selbst mutistisch, was die Kindererziehung und das Partnerleben erheblich erschwerten. Es wurde gemacht mit ihr, was die anderen wollten. Selbst heute hat sie noch Probleme auf Feste zu gehen, was zu Auseinandersetzungen führt. Aufrechterhaltungen waren mehrere Krankenhausaufenthalte wegen Asthma und familiäre Probleme, als ich klein war. Später folgten traumatische Erlebnisse, sexuelle Übergriffe, der Verlust meiner Brüder und zwei Psychiatrieaufenthalte, was mich wieder aus der Bahn und in den Mutismus warf.</p>
<p style="text-align: justify;">4. <span style="color: #888888;">Gibt es Menschen, bei denen dir das sprechen leichter fällt?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Ja, es gibt Menschen, bei denen ich leichter sprechen kann. Menschen, die mich nicht fertig (anschreien, erniedrigen, usw.) machen oder die ich nicht kenne und nicht schon geschwiegen habe. Bei Menschen, die mich schweigend kennen, bringe ich nicht so leicht ein Wort über die Lippen. Was mir auch noch schwer fällt ist, über mein Probleme, also persönliche Dinge zu sprechen. Wenn jemand nach der Uhrzeit fragt ist es bedeutend leichter.</p>
<p style="text-align: justify;">5. <span style="color: #888888;">Wie gehen deine Eltern, Geschwister und Angehörige damit um? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Meine Mama versteht mich sehr gut, weil sie es selber kennt. Verwandte können damit nur schwer umgehen. Oft kommen Vorwürfe, dass Mama mich krank gemacht hätte und so. Meinen Verwandten gehe ich aus dem Weg, weil häufig nur solche Vorwürfe kommen und ich mich sprachlich nicht wehren kann. Ich will nicht zurückbrüllen oder auch mit Vorwürfen herumballern, weil es nichts bringt. Das ist so gut wie alles kaputt.</p>
<p style="text-align: justify;">6. <span style="color: #888888;">Wie gehen deine Freunde/Partner damit um? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Freundschaft ist echt schwierig, da ich meistens immer das mache, was mir gesagt wird und wenn es mir mal zu viel wird, ziehe ich mich zurück, was Unverständnis und auch Streit gibt. Wenn ich mal meine Meinung sage, dann werde ich auch angeschrien und dann sage ich nichts mehr, weil ich nicht auf mein Recht pochen will und auch keine Kraft habe in so einer Redensart weiter zu kommunizieren. Ist nicht gesund, aber ich weiß nicht, wie ich es weiter machen soll. In einer Partnerschaft stehe ich noch nicht, da ich erst lebensfähig sein möchte. Nicht, dass ich an einem Typ gerate, der mir weh tut und ich mich nicht wehren kann (dass ich alles tue was er mir sagt).</p>
<p style="text-align: justify;">7. <span style="color: #888888;">Was machst du beruflich? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Ich strebe an nächstes Jahr eine Reha-Ausbildung zu machen. In einer Reha-Ausbildung sind Psychologen und ich werde dort in einem Internat schlafen. Beruf kann ich leider nicht genau sagen. Es wird erst einmal geschaut, physisch und psychisch, was ich machen könnte und was nicht. Dazu laufen jetzt amtsärztliche Untersuchungen.</p>
<p style="text-align: justify;">8. <span style="color: #888888;">Wie stark warst du in der Schule von dem Mutismus eingeschränkt? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Das war in der Schule sehr unterschiedlich! In der ersten Klasse war ich ziemlich ruhig, aber ich schien gelesen zu haben, so wie es auf meinem Zeugnis steht. Genauso auch in der zweiten Klasse. Allerdings gab es in Musik Schwierigkeiten, da ich nicht singe. Nur unter Tränen summte ich die Melodie, nachdem die Musiklehrerin mich unter Druck setzte. Ab der dritten Klasse sang ich auf jeden Fall nie wieder, was mir eine 6 nach der anderen brachte. In der dritten Klasse schwieg ich seit Anfang des neuen Schuljahres überall. Meine Klassenlehrerin konnte damit aber prima umgehen. Sie nahm mich immer wieder dran, wartete einige Sekunden und wenn es nicht klappte, dann nahm sie einen andern dran, ohne mich weiter unter Druck zu setzen. Irgendwann hatte ich so viel Mut doch vorzulesen und Gedichte vorzutragen. Nach der Grundschule hatte ich so gut wie kein Musik, jedenfalls nicht singen. Ich fiel hin und wieder bei belastenden Problemen ins Schweigen. Besonders schlimm wurde es in der neunten Klasse, wo ich dann auch in die Psychiatrie kam. Nach den Aufenthalten in Psychiatrien war ich ein Wrack. Ich saß nur noch in einer Ecke, habe geweint, geschrien und ließ einige Monate keinen an mich heran, selbst meine Mama nicht zu der ich das meiste Vertrauen habe. Ich redete so gut wie fast gar nicht mehr. 2004 machte ich noch eine Kur. Die tat mir viel besser. Dort habe ich sogar meine Angst zu singen abgebaut und sang in der Karaokebar. Dann holte ich 2005/2006 meinen Abschluss nach und bestand, aber es gab da natürlich auch Schwierigkeiten mit dem Sprechen.</p>
<p style="text-align: justify;">9. <span style="color: #888888;">Machst du eine Therapie? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Ich war bei etlichen Therapeuten, aber erst das Internet hat mir geholfen die richtige Therapie zu erhalten (Logopädie und Psychotherapie). Da mein Vertrauen kaputt ist, erweist sich die Therapie als schwierig. Belastende Ereignisse werfen mich immer wieder ins Schweigen zurück. Durch die vielen traumatischen Ereignisse und Fehltherapien, habe ich das Vertrauen in mich selbst und in Therapeuten verloren. Seit April 2008 nehme ich ein Antidepressivum (30mg Citalopram). Seitdem bin ich kein Bettnässer mehr und traue mir auch etwas mehr zu.</p>
<p style="text-align: justify;">10. <span style="color: #888888;">Wenn ja, ist es besser geworden? Was hat sich verändert? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Es ist auf jeden Fall besser geworden. Ich traue mich schon öfter zu telefonieren und mit Leuten zu sprechen. Aber es ist noch viel zu tun, damit ich nicht immer ins Schweigen verfalle.</p>
<p style="text-align: justify;">11. <span style="color: #888888;">Wie geht es dir heute? </span></p>
<p style="text-align: justify;">Ich versuche heute damit klar zu kommen. Aber es gibt immer noch viele Tiefs. Es ist aber in Ordnung und ich lerne damit umzugehen. Auch wenn es immer noch vorkommt, dass ich mich selbst verletze (SVV) und hin und wieder in den Mutismus verfalle bin ich zufrieden, dass ich nicht aufgegeben habe und weiter kämpfe.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Vielen Dank an Peggy, 24 Jahre.<br />
</em></p>
 <p><a href="http://www.mutismusblog.de/?flattrss_redirect&amp;id=440&amp;md5=cabb748a7675a7f50f913649255fb94c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.mutismusblog.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Interview mit einer Pädagogikstudentin</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 12:55:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Mutismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Studium]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe mir überlegt, dass es sicherlich ganz interessant sein könnte, Menschen über den Mutismus zu befragen. Ich dachte dabei an Betroffene, Familie, Freunde, Lehrer usw. Vor einigen Tagen füllte ich einen Fragebogen von einer Studentin aus, die ihre Diplomarbeit über das Thema Mutismus schreibt. Und so habe ich ihr als meinen ersten Interviewpartner einige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Ich habe mir überlegt, dass es sicherlich ganz interessant sein könnte, Menschen über den Mutismus zu befragen. Ich dachte dabei an Betroffene, Familie, Freunde, Lehrer usw.<br />
Vor einigen Tagen füllte ich einen Fragebogen von einer Studentin aus, die ihre Diplomarbeit über das Thema Mutismus schreibt. Und so habe ich ihr als meinen ersten Interviewpartner einige Fragen gestellt:</p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;"><span style="color: #008080;"><span style="color: #000000;">1. <span style="color: #808080;">Was studierst du?</span></span><br />
</span></p>
<p style="text-align: justify;">Ich studiere Diplom-Pädagogik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dort ist es möglich, im Zuge dieses Studiums, durch Belegung verschiedener Seminare eine Zusatzqualifikation zum Sprachheilpädagogen zu erwerben. Somit habe ich auf mehreren Ebenen Berührungspunkte mit dieser Symptomatik, einmal im Rahmen des Pädagogik-Studiums an sich, durch die Wahl meiner zweiten Fachrichtung, der Pädagogik bei Verhaltensstörungen (mein Praktikum fürs Hauptstudium hab ich beispielsweise in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert) und zum anderen durch meine Zusatzqualifikation, der Sprachheilpädagogik.</p>
<p style="text-align: justify;">2. <span style="color: #888888;">Wie lautet das Thema deiner Diplomarbeit?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Das genaue Thema der Arbeit lautet &#8220;Mutismus im Jugendalter&#8221;. Im ersten Teil wird auf die Thematik des Mutismus im Allgemeinen eingegangen. Es werden die  unterschiedlichen Definitionen dieser Störung dargelegt und die verschiedenen Erklärungsansätze, wie sie in der Literatur vorherrschend sind, erläutert. Im Weiteren handelt es sich um einen kurzen Umriss der Jugendphase an sich, was sind Probleme und Themen der Jugendlichen, wie sieht deren Umwelt aus und welches sind die Probleme mit denen sie sich in dieser Phase ihres Lebens konfrontiert sehen. Im Anschluss daran hätte ich gerne einen Fall von jugendlichem Mutismus in allen Facetten näher beleuchtet. Doch da ich die Betroffenen, die sich dazu bereit erklärt haben ein paar Fragen von mir zu beantworten alle diese &#8220;kritische&#8221; Phase bereits überwunden haben und schon älter sind, werde ich versuchen, rückwirkend Schlüsse zu ziehen inwiefern sich die Jugendphase bei jugendlichen Mutisten anders gestaltet, als bei Jugendlichen die nicht von dieser Störung betroffen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">3. <span style="color: #888888;">Wie bist du darauf gekommen deine Diplomarbeit zum Thema Mutismus zu schreiben?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Wie bereits erwähnt, habe ich mein letztes Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert. Dort gab es einen Fall, ein 17-jähriges Mädchen, welches das &#8220;Pervasive Refusal Syndrome&#8221; hatte. Eine Teilsymptomatik dieses Syndroms ist Mutismus, welcher sich bei ihr in der totalen Form äußerte. Ich verbrachte viel Zeit mit dieser Patientin, und trotz der fehlenden verbalen Kommunikation hatte ich das Gefühl, dass ich eine Beziehung zu ihr aufbauen konnte. Im Laufe des Praktikums waren immer wieder Fortschritte in jeglichem der Betroffenen Bereiche bei ihr zu erkennen, und nach einiger Zeit kommunizierten wir auch miteinander, wenn auch nicht über das Mittel der Sprache. Ich fand dies einfach auf der einen Seite so spannend und auf der anderen Seite so berührend, dass ich das Thema des Mutismus an sich gern in meiner Diplomarbeit bearbeiten wollte.</p>
<p style="text-align: justify;">4.<span style="color: #888888;"> Was wusstest du zuvor schon von Mutismus? Hast du neue/interessante Erkenntnisse bei der Recherche bekommen?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Durch mein Studium und die Seminare in der Sprachheilpädagogik wusste ich schon einiges über das Störungsbild des Mutismus. Doch es wurde nicht so ausführlich behandelt wie dies im Zuge einer Diplomarbeit geschieht. Man bekommt beim Bearbeiten eines solchen Themas immer noch weitere Einblicke, man beschäftigt sich ja über einen langen Zeitraum mit einer Thematik und entwickelt einen anderen Blick für Dinge. Auch gerade durch die Berichte von Betroffenen erhält man einen Einblick, den man durch ein Seminar an der Uni so gar nicht bekommen hätte. Gerade diese Berichte fand ich sehr berührend und interessant.</p>
<p style="text-align: justify;">5. <span style="color: #888888;">Magst du nach deinem Studium mit Mutisten arbeiten?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Ich kann mir sehr gut vorstellen, später auch mit Menschen, welche vom Mutismus betroffen sind, zu arbeiten. Mit Sicherheit ist dies nicht immer einfach, erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen und man muss an jeden Fall ganz individuell herangehen und herausfinden, welche Möglichkeiten zu einer Förderung und Therapie sich gestalten und anbieten. Wohin mich mein Weg tatsächlich führen wird, weiss ich noch nicht, aber falls sich mir die Möglichkeit bietet mit mutistischen Menschen arbeiten zu können, werde ich mich gerne dieser Herausforderung stellen und versuchen einen Weg zu finden, ihnen ein Stück weit behilflich zu sein damit sie den Mutismus überwinden können.</p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;"><em>Vielen Dank an Caroline.</em></p>
 <p><a href="http://www.mutismusblog.de/?flattrss_redirect&amp;id=226&amp;md5=8b71caa8f89366d4a34cae6346b82d82" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.mutismusblog.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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