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Formen des Mutismus II

Formen des Mutismus I

T. L. Hayden unterteilte den Mutismus 1980 in vier Formen:

1. symbiotischer Mutismus: es besteht eine Kind-Elternteil-
Symbiose (meist mit der Mutter), die das Schweigen auslöst
oder verstärkt. Hierbei wird eine eigenständige Entwicklung
des Kindes verhindert. Die Kinder verhalten sich eher nicht
zurückgezogen, sondern kontrollierend und manipulierend.

2. passiv agressiver Mutismus: das Schweigen wird als Waffe
verwendet um andere zu manipulieren. Oft ist der Betroffene
der Sündenbock in der Familie. Allerdings richtet sich der Mutismus
nicht an die Familie, sondern vielmehr an die Umwelt. Dieses
Verhalten ist mit Gewalt verbunden um die eigene Verwundbarkeit
zu überdecken.

3. Sprechphobie-Mutismus: hierbei hat der Betroffene Angst
vor dem Sprechen an sich und vorm Hören der eigenen Stimme.
Anstelle verbaler Kommunikation werden Zeichensprache, Gestik
und Mimik benutzt.

4. reaktiver oder traumatischer Mutismus: Mutismus verursacht
durch ein Trauma. Begleitend können starke Depressionen, Isolierung,
Drogenkonsum und Suizidversuche auftreten.

Dagegen unterschied T. Spoerri 1986 den Mutismus anhand des Alters der Betroffenen:

1. infantiler Mutismus: Mutismus, der sich anfangs durch
Sprachscheu im Alter von fünf und sechs Jahren entwickelt.

2. adulter Mutismus: Mutismus, der in Verbindung mit einer
katatonen Schizophrenie auftritt.

aus: Mutismus, zur Theorie und Kasuistik des totalen und elektiven Mutismus
von Boris Hartmann

Formen des Mutismus I

Ich habe mir gedacht, mal ein bisschen zu recherchieren, ob es neben der Einteilung zwischen totalem und selektiven Mutismus noch weitere gibt und wie es bezüglich der Mutismusformen in der Vergangenheit aussah.

In der Literatur sind verschiedene Einteilungen  zu finden. Eine der ältesten stammt aus dem Jahr 1936 (von J. Waterink und R. Vedder):

1. hysterischer Mutismus : Mutismus mit hysterischen Symptomen
(z.B. körperliche Störungen: Erbrechen, Zittern, Atemnot, Lähmungen).

2. elektiver Mutismus: “freiwilliger” Mutismus, bei dem die Personen
ausgesucht werden, mit denen der Betroffenen spricht.

3. Heinz`sche Mutismus: der Betroffene reagiert bei einem
Mileuwechsel mit Mutismus.

4. neurotischer Mutismus: Mutismus, der durch eine
Angstneurose ausgelöst wird.

5. thymogener Mutismus: Mutismus, der aufgrund eines Traumas
auftritt. Der Begriff thymogen wurde im zweiten Weltkrieg geprägt.
Beispiele sind daher Traumata durch Kriegserlebnisse.

6. ideogener Mutismus: Mutismus, der organische Ursachen hat.

.

Eine andere Einteilung wurde 1950 (von A. Weber) vorgenommen:

1. einfach-reaktiver Mutismus: Mutismus aufgrund eines
schrecklichen Erlebnisses, der besonders bei der Sprachentwicklung
auftritt. Beschreibt eher totalen Mutismus.

2. neurotischer Mutismus: Mutismus, der in Form einer Neurose
durch innere und/oder äußere Konflikte entsteht. Überwiegend
elektiver Mutismus.

Formen des Mutismus II

aus: Mutismus, zur Theorie und Kasuistik des totalen und elektiven Mutismus
von Boris Hartmann