Frohe Weihnachten
Eigentlich ist das nur ein Zettel. Ein Zettel, den ich mal von meinem Therapeuten zu Weihnachten bekommen habe.
2004 war ich in der Klinik und es war kurz vor Weihnachten. Er begegnete mir auf dem Flur und erzählte, dass er vor einigen Tagen ein chinesisches Sprichwort gelesen hatte und dabei an mich denken musste, weil er fand, dass es zu mir passte. Er sagte es auf und fragte, ob er es mir aufschreiben solle. Ich nickte. Er ging zurück in das Dienstzimmer und kam mit diesem Zettel zurück. Fröhliche Weihnachten, sagte er.
Seitdem habe ich diesen Zettel. Ich habe ihn aufgehangen. Erst in meinem Zimmer und nun in meiner Wohnung. Fünf Jahre ist das her. Und heute ist es eines – das mag verrückt klingen - der wertvollsten Dinge, die ich habe. Ein Stück Papier zu Weihnachten. Zum einen ist es eine Erinnerung an ihn, an meinen verstorbenen Therapeuten. Etwas, das ich noch habe. Und zum anderen ist es irgendwie absurd. Da hing der Zettel jahrelang irgendwo und eigentlich habe ich ihn auch selten angeschaut und nun… ja nun, kann ich wirklich sagen, dass Mauern zu Windmühlen umgebaut werden können. Als wäre er all die Jahre mein Kampfspruch gewesen.
Und das wird mir gerade zu dieser Zeit des Jahres immer wieder bewusst, weil ich Weihnachten gehasst habe. Weil ich nirgendwo hingehen konnte und allein war. Weil Weihnachten immer unspektakulär und einsam war. Eigentlich wie jeder andere Tag nur mit viel Melancholie. Ich war immer froh, wenn Weihnachten vorbei war. Und Silvester sowieso. Weil allein feiern eben einfach nicht lustig ist. Dann starrt man nur die Uhr an und fragt sich, ob das nächste Jahr genauso beschissen wird, wie das letzte auch.
Dieses Jahr ist Weihnachten, wie ein richtiges Weihnachten. Mit vielen Menschen und sogar mit zwei Familien. Erst nachmittags da, dann abends dort. Am nächsten Tag mittags da und nachmittags dort. Und danach wieder hier. Und Silvester auch. Da bin ich auch irgendwo. Irgendwo, nur nicht mehr allein, weil Mauern eben zu Windmühlen umgebaut werden können.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes und ruhiges Weihnachtsfest. Ich wünsche denjenigen, die noch keine Windmühle aus ihrer Mauer gemacht haben die Kraft weiter durchzuhalten, damit auch ihr Weihnachten einmal schön werden kann. Weil alles irgendwann immer einmal anders wird. Das ist einfach so.
Und ich wünsche denjenigen, die Weihnachten gar nicht mögen, vielleicht wegen des Streitens, fehlender Harmonie, Stresses oder der Einsamkeit, trotzdem – und wenn’s nur ein kleines bisschen ist – Wärme und Weihnachten im Herz.
Ganz besonders gehen meine Gedanken dieses Jahr an die Menschen, die jemanden verloren haben und Weihnachten deswegen kein Weihnachten mehr ist. An seine Familie, die ohne Ehemann, Vater, Bruder und Sohn diesen Tag unter dem Weihnachtsbaum überstehen muss. Ich werde eine Kerze anzünden, für sie, und schenke ihnen viel Kraft.
Habt eine besinnliche Weihnacht.
Die Sendung “Domian” zum Thema Schweigen
Bei „Domian“ auf WDR, einer Telefon-Talkshow, wo Menschen anrufen und von ihren Sorgen und Gedanken erzählen können, ging es mal um das Thema Schweigen. Hierzu rief eine junge Frau an, die sagte, dass sie an selektivem Mutismus leide. Interessant finde ich, dass es bei ihr eigentlich genau andersherum ist. Sie kann nämlich in Gegenwart ihrer Familie nicht sprechen und im Alltag ist sie eigentlich völlig normal. Allerdings wird auch nicht richtig deutlich, ob bei ihr offiziell selektiver Mutismus diagnostiziert wurde, da sie mal bei einem Psychologen war, aber keine Therapie macht. Außerdem wäre es für einige Mutisten sicherlich undenkbar beim Fernsehen anzurufen. Aber ich finde es sehr interessant, wie sie von ihrem Problem spricht und dass es bei ihr nur im Familienkreis auftritt, was allerdings nicht gleich bedeutet, dass andere Mutisten mit der ganzen Familie sprechen können. Denn es gibt sicherlich Verwandte, mit denen man leichter und mehr als mit anderen reden kann.
Hier ist das Video von ihrem Anruf:
Das Video wurde von youtube leider entfernt. Tut mir leid.

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