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	<title>Mutismus Blog &#187; Familie</title>
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	<description>Die Welt aus der Sicht einer Schweigsamen...</description>
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		<title>Das erste Mal</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 09:30:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(und hier das letzte Mal)
Alenas Mutter setzte den Blinker und bog rechts in die Straße ein. Die Straße war durch die vielen Bäume ziemlich dunkel. Fast schon düster wirkte sie. Alena kniff die Augen zusammen. Die Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen, weil über den großen, dicken Bäumen die Sonne vom Himmel schien.
Dafür [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(und <a href="/letztes-mal-therapie/">hier</a> das letzte Mal)</p>
<p style="text-align: justify;">Alenas Mutter setzte den Blinker und bog rechts in die Straße ein. Die Straße war durch die vielen Bäume ziemlich dunkel. Fast schon düster wirkte sie. Alena kniff die Augen zusammen. Die Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen, weil über den großen, dicken Bäumen die Sonne vom Himmel schien.<br />
Dafür wirkte das Gebäude der psychiatrischen Klinik umso heller. Es war ein grelles Gelb, das da hinter den Bäumen hervor sprang.<br />
Ihre Mutter parkte das Auto und zusammen gingen sie zur Klinikanmeldung, die in einem weißen Gebäude nebenan war. Die Frau hinter dem Tresen sagte, es dauerte noch einen Moment, sie würde auf der Station bescheid geben, dass Alena da wäre.<br />
Warten. Gut, also warten.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einer Weile kam ein großer, ein bisschen schlaksiger Mann durch die Glastür am anderen Ende des Warteraums. Er lächelte freundlich und fragte, ob sie Alena sei.<br />
Sie nickte.<br />
Er streckte ihr die Hand hin, die sie entgegen nahm.<br />
„Hallo, ich bin Herr V.“, sagte er. „Der behandelnde Psychotherapeut der Station 3.“<br />
Er schüttelte auch Alenas Mutter die Hand und bat ihm zu folgen.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie gingen in sein Büro.<br />
Das Büro lag im zweiten Stock des gelben Gebäudes.<br />
Herr V. schloss die Tür auf und bot ihnen einen Sitzplatz an. Rechts, in der Ecke seines Büros stand ein runder, heller Tisch. Drumherum vier genauso helle Stühle mit einem blaugrauen Sitzpolster.<br />
Alena setzte sich direkt an die Tür. Das fühlte sich besser an. So hätte sie einfach wieder gehen können. Ihre Mutter rechts und Herr V. links neben ihr. Oder besser gesagt, saß er ihr schon fast gegenüber.<br />
Hinter Herr V. war sein Schreibtisch und dahinter, da war das Fenster. Links war ein großer Bücherschrank, genauso hell, wie die anderen Möbel und rechts war auch schon die Wand. Das Büro war also nicht sehr groß.</p>
<p style="text-align: justify;">Herr V. hatte mittlerweile das Gespräch begonnen. Er hatte sich noch einmal genau vorgestellt und sagte, dass er das Aufnahmegespräch führte.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum möchtest du hier eine Therapie machen, Alena?&#8221;<br />
<em>Pah! Wollen?! Hab&#8217; ich denn eine andere Wahl, wenn man so, wie es ist nicht mehr klar kommt? Man will keine Therapie machen. Eine Therapie muss man nur machen wollen, damit es besser wird. Hätte ich irgendwas gewollt, dann wäre das ein anderes Leben! Und keine Therapie!</em><br />
&#8220;Alena?&#8221;<br />
Schweigen.<br />
Ja, weil das war ja das Problem, dachte sie und schwieg.<br />
Irgendwann antwortete ihre Mutter &#8220;weil sie nicht spricht&#8221; und dann beantwortete sie eigentlich auch die ganzen anderen Fragen, die Herr V. für die Anamnese stellte.<br />
Das einzige, was Alena sagte war  &#8220;siebzehn&#8221;. Siebzehn, weil sie siebzehn Jahre alt war.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Boden war hässlich. Er stach einem, in diesem Büro, eigentlich sofort ins Auge. Viel zu dunkel und blau. Und viel zu gepunktet auch. Schlimm.<br />
Und Herr V., der war auch irgendwie komisch. Freundlich war er, aber irgendwie war er eigenartig. Sie wusste nicht warum, aber wenn Psychologen komisch waren, dann war er eben ein Psychologe und einfach nur komisch. Von seiner Art.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Gespräch machte sie wütend. Ihre Mutter erzählte und erzählte. Erzählte vom Kindergarten, von der Schule und von zu Hause. Und eigentlich erzählte sie alles falsch! Jedenfalls nicht so, wie es Alena selbst erzählt hätte, weil es für sie eben ganz anders war!<br />
Herr V, er hätte es spüren müssen, dass alles ganz falsch war!<br />
Nein, eigentlich hätte sie alles selbst erzählen müssen! Und natürlich konnte sie mal wieder nicht sprechen. Was auch sonst?!<br />
Der Kopf war voll mit Gedanken, nur die Worte im Mund dazu fehlten. Da war nichts! Keine drin! Wie immer eben.<br />
Scheiße, war alles!</p>
<p style="text-align: justify;">Das Gespräch dauerte nicht lange. Zum Schluss fragte Herr V., ob Alena sich denn eine stationäre Therapie hier  und ihn als Einzeltherapueten vorstellen könnte.<br />
<em>Ja, eine andere Wahl hatte sie doch nicht oder? Vielleicht würde es durch eine Therapie besser werden. Ja, vielleicht.<br />
Also dann. Willkommen in der Klapse und hallo Herr V.</em><br />
Alena nickte.</p>
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		<title>Oma sein</title>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 16:31:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Marie bewunderte ihre Oma. Weil Omas das Leben geschafft hatten. Da war eigentlich gar nichts mehr kompliziert und schwierig. Omas hatten alles gehabt, was sie wollten. Sie hatten irgendwo bei ihrer Familie eine kleine Wohnung mit einem Haustier und vielleicht einem kleinen Garten. Und Rente bekamen Omas auch.
Sie wünschte sich Oma zu sein. Ihre Oma, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Marie bewunderte ihre Oma. Weil Omas das Leben geschafft hatten. Da war eigentlich gar nichts mehr kompliziert und schwierig. Omas hatten alles gehabt, was sie wollten. Sie hatten irgendwo bei ihrer Familie eine kleine Wohnung mit einem Haustier und vielleicht einem kleinen Garten. Und Rente bekamen Omas auch.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie wünschte sich Oma zu sein. Ihre Oma, die war zu Hause. Dort kochte sie und putzte, ging spazieren, besuchte Freunde, las oder schaute fern. Oder strickte, das machte ihre Oma gern. Ob alle Omas stricken mögen oder ob sie nur stricken, weil Omas eben immer stricken?<br />
Jedenfalls mussten sie nicht mehr zur Schule gehen und all die komischen Aufgaben, die mussten Omas auch nicht mehr machen. Vorlesen, vorrechnen oder Sportunterricht, den hatte Maries Oma auch nicht mehr. Hatte sie überhaupt Sport gehabt? Damals, da war das ein bisschen anders gewesen. Vielleicht hatten die Kinder damals ja gar keinen Sportunterricht. Dann hätte sie am liebsten damals gelebt.</p>
<p style="text-align: justify;">Eigentlich konnte Marie es kaum erwarten, alt zu sein. Denn dann konnte sie nur das machen, was ihr Spaß machte und das Leben war beinahe vorbei gewesen bis man irgendwann einfach einschlief und nicht mehr aufwachte. Dann war auch die Angst zu Ende und es war egal, ob sie sprach oder nicht. Am liebsten wäre ihr gewesen, wenn ihr Leben schon fast zu Ende war.</p>
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		<title>Tipps zum Umgang mit Mutismus</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 22:19:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
dem Schweigen nicht viel Aufmerksamkeit schenken und nicht lange warten bis etwas gesagt wird
Oft war es bei mir so, dass das Sprechen unmöglicher wurde, je mehr man gewartet hat und mich zu einer Antwort drängen wollte. Je länger ich schwieg, desto schwieriger wurde es Worte für einen Einstieg zu finden und die Stille zu durchbrechen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li style="text-align: justify;"><strong>dem Schweigen nicht viel Aufmerksamkeit schenken und nicht lange warten bis etwas gesagt wird</strong><br />
Oft war es bei mir so, dass das Sprechen unmöglicher wurde, je mehr man gewartet hat und mich zu einer Antwort drängen wollte. Je länger ich schwieg, desto schwieriger wurde es Worte für einen Einstieg zu finden und die Stille zu durchbrechen. Wenn ich mal gesprochen habe, dann war es meist spontan und es funktionierte eben einfach, weil die Situation und Umgebung passte. Konnte ich also nicht sprechen, änderte sich das auch mit mehr Zeit zum Antworten geben nicht.</li>
</ul>
<p style="text-align: right;"><a href="/tipps-umgang-mutismus/">weitere Tipps</a></p>
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		<title>Leserfragen zum Leben mit Mutismus</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 18:21:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[1. Ich wollte mal fragen, ob man als Mutist [richtiges Substantiv?] auch bei Familie schweigt und mit Fremden sprechen kann, es aber nicht gerne tut?
Hm, so genau weiß ich das gar nicht. Bei Domian hat mal eine junge Frau angerufen, bei der das genau so war. Ich habe darüber auch einen Artikel geschrieben. Nur leider [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">1. <span style="color: #888888;">Ich wollte mal fragen, ob man als Mutist [richtiges Substantiv?] auch bei Familie schweigt und mit Fremden sprechen kann, es aber nicht gerne tut?</span></p>
<p style="text-align: justify;">Hm, so genau weiß ich das gar nicht. Bei Domian hat mal eine junge Frau angerufen, bei der das genau so war. Ich habe darüber auch einen <a href="http://www.mutismusblog.de/domian-thema-schweigen">Artikel</a> geschrieben. Nur leider wurde das Video gelöscht.<br />
Aber ob das dann wirklich Mutismus ist, kann ich leider nicht beantworten. Ich kenne es eben nur so, dass man gegenüber fremden Menschen nicht sprechen kann und bei vertrauten Personen schon.</p>
<p style="text-align: justify;">2.<span style="color: #888888;"> Hast du es bisher bereut mit all den Informationen an die Öffentlichkeit getreten zu sein?</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;">Nein, ich habe es bisher nicht bereut. Eigentlich habe ich schon seitdem ich Zugang zum Internet habe über meine Probleme geschrieben. Mal mit Passwort und auch mal öffentlich. Unterschiede waren nur, dass ich bisher nie mit meinem Namen dahinter stand und daher auch ein bisschen offener über mich selbst geschrieben habe. Es war mir egal, wer das liest und ob ich bei Google gefunden werde. Und heute denke ich, dass es irgendwie schade ist, wenn das niemand in Verbindung mit selektivem Mutismus lesen kann. Ich glaube, ich habe so viele Erfahrungen und möchte die Menschen einfach daran teilhaben lassen und ihnen damit etwas geben. Ich mache, seitdem ich schreiben kann, schon nichts anderes als das und warum dann nun nicht also auch hier öffentlich?<br />
Anfangs war es schon ein bisschen komisch hundertprozentig dahinter zu stehen, aber nein, ich bereue gar nichts. Mittlerweile wissen sogar reale Menschen von diesem Blog, denen ich sonst nicht erzählt hätte, was mit mir los ist. Und auch die vielen positiven Rückmeldungen berühren mich einfach nur sehr und das zeigt mir, dass das hier furchtbar richtig ist. </span><br />
</span></p>
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		<title>Tipps zum Umgang mit Mutismus</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Feb 2010 21:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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Gruppenaktionen mit Bezugspersonen zusammen machen
Hätte ich mir in der Schule manchmal sehr gewünscht. Weil Gruppenarbeiten schon so schwierig genug waren und dann war man meistens auch noch mit Menschen in einer Gruppe, mit denen man noch nie ein Wort gesprochen hat. Wenn ich mit einer Bezugsperson, mit der ich sprechen konnte, zusammen war, fiel es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li style="text-align: justify;"><strong>Gruppenaktionen mit Bezugspersonen zusammen machen</strong><br />
Hätte ich mir in der Schule manchmal sehr gewünscht. Weil Gruppenarbeiten schon so schwierig genug waren und dann war man meistens auch noch mit Menschen in einer Gruppe, mit denen man noch nie ein Wort gesprochen hat. Wenn ich mit einer Bezugsperson, mit der ich sprechen konnte, zusammen war, fiel es mir deutlich leichter auch mit den anderen aus der Gruppe zu sprechen. Mag vielleicht für den Betroffenen irgendwie zu einfach gemacht sein, aber bei &#8220;fremden&#8221; Gruppen habe ich meist kein einziges Wort gesagt und das war auch nicht sehr förderlich.</li>
<li style="text-align: justify;"><strong>wenn etwas unerwartet gesagt wurde, keine großes &#8220;Theater&#8221; daraus machen</strong><br />
Das war mir immer ziemlich unangenehm, wenn es mal vorkam, dass ich doch unerwartet gesprochen habe. Dann kamen solche Kommentare, wie &#8220;du kannst ja doch sprechen&#8221; oder &#8220;oh, sie spricht&#8221;. Je länger ich geschwiegen habe, desto mehr habe ich darüber nachgedacht, was die anderen wohl denken würden, würde ich nun plötzlich etwas sagen. Und irgendwann bekam das einen großen Stellenwert und umso schwieriger wurde es.<br />
Also, wenn möglich nichts dazu sagen und nicht anmerken lassen, wie erstaunt man über die Worte ist.</li>
</ul>
<p style="text-align: right;"><a href="/tipps-umgang-mutismus-2/" target="_self">weitere Tipps</a></p>
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		<title>Tipps zum Umgang mit Mutismus</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 19:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Und wieder gibt es eine neue Kategorie. Die Kategorie heißt &#8220;Tipps&#8221;, weil ich versuchen möchte einige hilfreiche Ratschläge und Tipps im Umgang mit Mutismusbetroffenen aufzustellen.
Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, weil ich bisher oft die Erfahrung gemacht habe, dass es in Situationen in denen ich geschwiegen habe eigentlich keine bestimmte allgemeine &#8220;Gebrauchsanweisung&#8221; gab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Und wieder gibt es eine neue Kategorie. Die Kategorie heißt &#8220;Tipps&#8221;, weil ich versuchen möchte einige hilfreiche Ratschläge und Tipps im Umgang mit Mutismusbetroffenen aufzustellen.<br />
Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, weil ich bisher oft die Erfahrung gemacht habe, dass es in Situationen in denen ich geschwiegen habe eigentlich keine bestimmte allgemeine &#8220;Gebrauchsanweisung&#8221; gab und mein Schweigen sehr stark von der Situation, von der Umgebung, von meiner Stimmung und den Menschen um mich herum abhing. Aber ich glaube ich habe jede Menge Erfahrungen, Ratschläge und vielleicht Lösungen, die ich mir damals gewünscht hätte und die einiges sicherlich viel leichter gemacht hätten.<br />
Vielleicht kann ich damit ja dem ein oder anderen Angehörigen irgendwie helfen und es den Betroffenen dadurch ein bisschen leichter machen. Mal sehen, wie und ob sich diese Kategorie mit Ratschlägen füllen wird.</p>
<ul>
<li style="text-align: justify;"><strong>so normal, wie möglich behandeln</strong><br />
Ich glaube einer der wichtigsten Ratschläge ist, den Betroffenen so normal wie möglich zu behandeln und nicht zu ignorieren. In der Schule wurde ich damals oft gar nicht mehr angesprochen, weil alle sicherlich dachten &#8220;<em>die spricht ja sowieso nicht</em>&#8220;. Auch wenn das für den Betroffenen vielleicht in dem Moment die einfachste Lösung ist, denke ich, dass es im Nachhinein nur schaden kann. Zum einen fühlt man sich vielleicht wie ein Außenseiter und zum anderen fördert dies nur den Mutismus. Ich hätte mir damals oft gewünscht, nicht in die Sie-spricht-nicht-Schublade gesteckt zu werden. Ich glaube gerade für Eltern oder Nahestehende ist das Normalbehandeln besonders schwierig, da man ja eigentlich nur helfen und ihm das Sprechen am liebsten abnehmen möchte, um es einfacher zu machen. Aber wie schon gesagt, bitte normal behandeln. Also weiterhin ansprechen, Fragen stellen und die Möglichkeit zum Antworten geben und nicht das Sprechen übernehmen.</li>
<li style="text-align: justify;"><strong>nicht persönlich nehmen</strong><br />
Das passiert sicherlich schnell, wenn man einen Mutist anspricht und er schweigt. Wenn man versucht und versucht, aber einfach keine Antwort bekommt. Dann denkt man vielleicht, dass der Betroffene ein persönliches Problem mit einem haben könnte. Auch, wenn dieser Tipp manchmal vielleicht etwas schwer fällt, aber ich kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass das Schweigen absolut keine persönlichen Gründe hat. Es gab bisher nur wenige Menschen, die ich nicht mochte, bei denen ich aber dann genauso verstummte, wie bei Menschen, die ich sehr mochte.</li>
<p style="text-align: right;"><a href="/tipps-umgang-mutismus/" target="_self">weitere Tipps </a></p>
</ul>
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		<title>Marie</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 07:28:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Marie war ein ängstliches Mädchen. Sie hatte Angst vor der Nacht und vor Monstern unter dem Bett oder im Schrank. Und vor der Dunkelheit sowieso. Ohne Licht konnte sie nicht schlafen. Aber die komischen Schatten, die das Licht machte, waren auch nicht gut. Und das alte Haus, in dem sie wohnte, machte zu viele Geräusche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Marie war ein ängstliches Mädchen. Sie hatte Angst vor der Nacht und vor Monstern unter dem Bett oder im Schrank. Und vor der Dunkelheit sowieso. Ohne Licht konnte sie nicht schlafen. Aber die komischen Schatten, die das Licht machte, waren auch nicht gut. Und das alte Haus, in dem sie wohnte, machte zu viele Geräusche und auch die fürchtete sie. Deshalb musste Marie immer eine Hörspielkassette hören. Bibi Blocksberg. Weil Bibi Blocksberg eine Hexe ist und keine Angst haben muss. Ohne Hörspielkassette konnte sie nicht einschlafen. Und wenn die Hörspielkassette zu Ende war, sie aber noch nicht schlief, musste sie noch eine hören. Und dann hatte sie wieder Angst geschimpft zu werden, weil sie noch nicht schlief. Sie hatte Angst allein in kleinen, geschlossenen Räumen zu sein – deshalb mussten die Türen immer auf sein – und allein in großen sowieso. Sie hatte Angst vor Einbrechern, vor Feuer und vor Gewitterblitzen am Himmel und davor, dass ihrer Familie etwas passierte. Durch einen Autounfall oder so. Deswegen wollte sie immer mitfahren, wenn jemand wegfuhr, damit sie auch sterben würde, wenn etwas passierte. Sie konnte nicht Fahrradfahren und auch nicht Schwimmen – Marie war acht – weil es gefährlich war, so wie ihr Papa immer sagte. Das ganze Leben ist gefährlich. Immer muss man aufpassen, das hatte sie so gelernt. Es war auch gefährlich allein an die Straße zu gehen – drüber sowieso &#8211; und deshalb tat sie es nicht. Auch hatte sie manchmal Angst vor Menschen. Vor den beiden bösen Jungs, die sie nie in Ruhe ließen, wenn sie zu Besuch kamen. Und wenn sie wieder gingen war immer eines ihrer Spielsachen kaputt. Sie hatte Angst vor Ärzten, davor, dass es wehtat und vor der Schule. Außerdem fürchtete sie sich vor Spinnen und Schlangen. Auch, wenn es die gefährlichen hier gar nicht gab und nur in anderen Ländern, wie ihre Mama immer sagte. Aber man wusste ja nie. Vielleicht war doch eine gefährliche Schlange im Gras versteckt. Vorsichtig musste man sein und aufpassen. Man musste auch aufpassen, dass man nicht entführt wurde. Davor hatte sie nämlich auch Angst, von einem fremden Mann einfach mitgenommen zu werden. Und eigentlich hatte sie auch vor allem Angst, was Angst machen konnte.</p>
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		<title>Was ich verpasst hätte, wenn ich nicht mehr leben würde&#8230;</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/was-ich-verpasst-hatte-wenn-ich-nicht-mehr-leben-wurde/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 18:06:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230;und das ist eigentlich eine ganze Menge, was ich wirklich nicht mehr missen möchte.
1. Liebe &#8211; die länger andauernde und ernste Liebe.
2. Fliegen - ein wirklich total irres Gefühl, wenn man in einem Flugzeug sitzt und langsam abhebt oder wieder landet.
3. Konzerte - die Bässe im Bauch und die dröhnende Lautstärke. Vor allem das Konzert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">&#8230;und das ist eigentlich eine ganze Menge, was ich wirklich nicht mehr missen möchte.</p>
<p style="text-align: justify;">1. <strong>Liebe</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">die länger andauernde und ernste Liebe</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">2. <strong>Fliegen </strong>- <span style="color: #333333;">ein wirklich total irres Gefühl, wenn man in einem Flugzeug sitzt und langsam abhebt oder wieder landet</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">3. <strong>Konzerte</strong> -<span style="color: #333333;"> die Bässe im Bauch und die dröhnende Lautstärke. Vor allem das Konzert von meiner Lieblingsband war ein Lebenstraum</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">4. noch mehr <strong>Schnee</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">in 5 Jahren kommt ganz schön viel Schnee zusammen, den ich verpasst hätte</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">5. das <strong>Reisen</strong> und <strong>fremde Länder</strong> entdeckt zu haben &#8211; <span style="color: #333333;">vor allem USA, Kanada, Frankreich und Schweden</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">6. eigene <strong>Wohnung</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">die geb&#8217; ich nicht mehr her</span>!</p>
<p style="text-align: justify;">7. <strong>Fotografie </strong>- <span style="color: #333333;">ich wäre nie im Besitz einer eigenen Kamera gewesen und hätte nicht gemerkt, wie toll das sein kann, die Welt in Bildern festzuhalten</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">8. <strong>Studieren</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">hätte man mir gesagt, dass ich mal studiere, hätte ich demjenigen den Vogel gezeigt</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">9. <strong>Kontaktlinsen</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">ich habe meine Brille schon immer gehasst. Und es ist ein tolles Gefühl nun ohne sehen zu können</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">10. weiter <strong>Musik</strong> hören -<span style="color: #333333;"> ich hätte ganz viele tolle Lieder verpasst. Und zwei Alben meiner Lieblingsband hätte ich nie gehört</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">11. weiter <strong>Schreiben</strong> zu können &#8211; <span style="color: #333333;">ich mag Schreiben wirklich sehr gern</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">12. <strong>Menschen</strong>, denen man begegnet ist &#8211; <span style="color: #333333;">wie wäre es um Beispiel, ohne die Samen-Frau in Lappland gewesen, die eine so furchtbare Weisheit ausstrahlte, sodass sie unbeschreiblich magisch wirkte, mit ihren tiefen Augen und ihrer Stimme</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">13. <strong>Events</strong> und <strong>Veranstaltungen</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">dann hätte ich heute nicht sagen können, dass mir <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Schneider" target="_blank"><em>Martin Schneider</em></a> mal zum Geburtstag gratuliert hat oder ich mit &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Happy" target="_blank"><em>Die Happy</em></a>&#8221; gesprochen habe</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">14. <strong>Häschen</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">wie wäre es, ohne ganz fest zu wissen, dass ich irgendwann mal ein Häschen (als Haustier) haben werde</span>?</p>
<p style="text-align: justify;">15. <strong>Finnland-Traum</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">gäb&#8217;s auch nicht und heute ist es die Zukunft</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">16. <strong>Autofahren </strong>- <span style="color: #333333;">auch, wenn ich es nicht mag, aber das Gefühl völlig selbstständig von A nach B zu kommen, geb&#8217; ich nicht mehr her</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">17. <strong>Taizé</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">weil man inmitten hunderter Menschen auch ganz still sein kan</span><span style="color: #333333;">n</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">18. bestiegene <strong>Berge</strong> -<span style="color: #333333;"> nicht nur bildlich sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes. Wie wäre es ohne die endlose Aussicht auf dem Berg</span>?</p>
<p style="text-align: justify;">19. <strong>Genuss</strong> -<strong> </strong><span style="color: #333333;">ich wäre nie in den Genuss von <em>Orangina</em>, <em>Oreos</em> und gutem Essen gekommen</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">20. gute <strong>Filme</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">hätte ich eine Menge verpasst. Die meisten meiner Lieblingsfilme hätte ich nie gesehen</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">21. gute <strong>Bücher</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">ich hätte Twilight nie gelesen</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">22. <strong>Alkohol </strong>- <span style="color: #333333;">ich hätte mich niemals angenehm mit meiner damaligen besten Freundin betrunken und im Mondschein über das Leben philosophiert</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">23. <strong>Streit</strong>, <strong>Diskussionen</strong> und <strong>Konflikte</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">auch, wenn das nicht gerade positiv ist, aber ich hätte nie gewusst, wie das ist, wenn man sich streitet oder über belanglose Alltagsthemen diskutiert</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">24. zweite <strong>Familie</strong> &#8211; <span style="color: #333333;">hätte nie das Gefühl kennengelernt in einer &#8220;Wahlfamilie&#8221; willkommen zu sein</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">25. das <strong>Gefühl von Heimat</strong> -<span style="color: #333333;"> ich hätte nie gewusst, dass ich auch irgendwo hingehören kann</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">26. <strong>Emotionen teilen</strong> -<span style="color: #333333;"> hatte ich davor immer nur für mich allein</span>.</p>
<p style="text-align: justify;">27. <strong>Nähe</strong> -<span style="color: #333333;"> ich hätte nicht gewusst, wie es ist, Freunde zu umarmen</span>.</p>
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		<title>Die Geburtstagsparty</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 23:01:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war Alenas Geburtstag. Zwölf wurde sie und sie hatte einige Mädchen aus ihrer Klasse eingeladen. Und eigentlich freute sie sich auf ihre Geburtstagsfeier, denn zu Hause konnte sie endlich mal so sein, wie sie wirklich war. Jedenfalls fiel dort das Sprechen sehr viel leichter als in der Schule.
Alle Mädchen, die sie eingeladen hatte kamen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Es war Alenas Geburtstag. Zwölf wurde sie und sie hatte einige Mädchen aus ihrer Klasse eingeladen. Und eigentlich freute sie sich auf ihre Geburtstagsfeier, denn zu Hause konnte sie endlich mal so sein, wie sie wirklich war. Jedenfalls fiel dort das Sprechen sehr viel leichter als in der Schule.<br />
Alle Mädchen, die sie eingeladen hatte kamen. Es gab Kuchen, Pizza, Chips, Gummibärchen und Cola. Sie durfte in dem großen Wohnzimmer feiern, weil Alenas Kinderzimmer viel zu klein war.<br />
Erst wollten sie alle raus. Christina wollte eine Freundin, die im gleichen Ort wohnte besuchen, weil sie sich doch so lange nicht mehr gesehen hatten. Und die anderen fanden die Idee super. Gut, überstimmt, also alle raus und zu einer wildfremden Person an Alenas Geburtstag.</p>
<p style="text-align: justify;">Wieder zurück. In Alenas Zimmer. Weil alle ihr Zimmer sehen wollten.<br />
Jeder suchte irgendwas. Im Bücherregal, im CD-Regal und auf dem Schreibtisch. Und alles, was sie fanden war auf einmal so schrecklich lustig. Das alte zerzauste Schaf, was Alena seit dem Tag ihrer Geburt hatte, flog durch das Zimmer, ihre Lieblingsmusik war mit einem Mal auch furchtbar lustig und wurde von allen albern nachgeäfft, obwohl sie sie eigentlich selbst auch hörten und die Stifte auf dem Schreibtisch waren albern und die Bücher im Regal sowieso. Irgendwann war das Abendessen auch lustig und ein Kindergartenessen, das Besteck, die Teller und die Gläser waren uncool und das ganze Haus sowieso.<br />
Kurzum, alle amüsierten sich prächtig über Alena und ihr Leben.<br />
Und wahrscheinlich waren sie deshalb auch hier. Damit sie sich in der Schule nur noch mehr über Alena lustig machen konnten.<br />
GEHT WEG!!!, hätte sie am liebsten geschrien und hätte alle samt ihrer Geschenke hinausgeworfen. Und die Jacken, Schuhe, Schals und Handschuhe hinterher und dann hätten sie blöd guckend im Schnee gestanden. In der Kälte.<br />
Aber das traute sie sich nicht. Nicht, weil sie zu Hause nicht schreien konnte. Wie hätte sie es denn ihren Eltern erklären sollen, dass sie gerade ihre Geburtstaggäste raus geworfen hätte? Und wie wäre es nach diesem Tag in der Schule gewesen? Sicherlich noch schlimmer als den Rest dieses Abends noch ertragen zu müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Am späten Abend <span style="color: #3366ff;">weinte sie sich in den Schlaf</span>. Es war ihre letzte Geburtstagfeier. Erstmal, jedenfalls.</p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">
<h2 style="text-align: right;"><span style="color: #000000;"><strong>Cut.</strong></span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong><br />
</strong></span></p>
<p style="text-align: justify;">Und wenn ich am nächsten Morgen nicht mehr aufwache, dann soll es so sein, dachte Alena und <span style="color: #3366ff;">Tränen tropften auf das Kissen</span>. Vielleicht habe ich Glück und werde keine 18 Jahre mehr alt.<br />
Langsam hatte sie keine Kraft gegen die schweren Augenlider, die zufallen wollten, anzukämpfen und schlief ein.<br />
Es war 20 Uhr. Sie war gerade erst nach Hause gekommen und hatte sich sofort in ihr Zimmer verkrümelt. Sie hatte die Musik aufgedreht und die kleine Holzkiste aus der Schublade unter den Socken hervorgeholt. In der Kiste lagen Taschentücher, Raiserklingen und ganz viele kleine, bunte Tabletten. Alena hatte sie nach und nach gesammelt, die Tabletten. Aus dem Medizinschrank. Schlaftabletten, Beruhigungstabletten – und Tabletten, die man als gesunder Mensch eigentlich nicht nehmen sollte.<br />
Sie nahm die Tabletten alle.<br />
Sie hatte sich keine Gedanken gemacht, was danach mit ihr passieren könnte und ob das so überhaupt funktioniert oder ob sie am Ende Folgen davon tragen würde. Sie wollte nur schlafen. Ganz tief schlafen und dabei sollte das Herz einfach aufhören zu schlagen. Und wenn es in dieser Nacht eben passierte, dann war es so.<br />
Die Musik lief. Dauerschleife. „<em>Oh girl we are the same. We are young and lost and so afraid. There´s no cure for the pain, no shelter from the rain. All our prayers seem to fail…</em>”</p>
<p style="text-align: justify;">Der Wecker klingelte. Und klingelte.<br />
Alena’s Augenlider zuckten. Langsam bewegte sie sich und öffnete die Augen.<br />
Scheiße bin ich müde, murmelte sie.<br />
Und scheiße, ich atme noch.<br />
Nur langsam konnte sie aufstehen. Ihr Kopf brummte, als wären zig Autos drüber gefahren.<br />
Duschen. Erstmal duschen, dachte sie.<br />
Und dazu brauchte sie ewig lange, sodass sie sich beeilen musste, um es noch pünktlich zur Schule zu schaffen. Ihre Familie gratulierte ihr, sie bekam Umschläge und machte sich schnell auf den Weg.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Nachmittag schlurfte sie die Wendeltreppe zur Station hinauf. Sie mussten jeden Tag zur Klinik, da sie noch tagesklinisch war. Auch an ihrem Geburtstag.<br />
Irgendwas war komisch, als sie gerade eben an der Tür geklingelt und sich durch die Sprechanlage gemeldet hatte.<br />
Und auf einmal hörte sie Stühlerücken.<br />
Die haben doch Übergabe um diese Zeit, dachte sie.<br />
Dann hörte sie auch noch die Stationstür. Mittlerweile war Alena schon sieben Monate hier, sodass sie die verschiedenen Türen sehr gut durch ihren Klang beim Öffnen unterscheiden konnte.<br />
Und plötzlich standen sie alle da. Alle. Die kompletten Patienten, Therapeuten und Betreuer von der Früh- und von der Spätschicht. Und auch Therapeuten, mit denen sie eigentlich nicht viel zu tun hatte.<br />
Herr V. stand vorn und fing nun auch noch an zu zählen.<br />
Eins. Zwei. Drei.<br />
Happy Birthday to you…<br />
Sie sangen Happy Birthday.<br />
Ich glaub’ ich spinn’, dachte Alena.<br />
Ist das verrückt.<br />
Sie singen. Sie singen alle Happy Birthday nur für mich.<br />
Das hat noch nie jemand getan. Nagut, im Kindergarten. Aber das zählt nicht, weil man das tun musste.<br />
Sie sangen zu Ende.<br />
Herr V. kam auf sie zu. Er gab ihr die Hand und gratulierte und konnte nicht aufhören Alena anzugrinsen. Er spürte, wie überwältigt sie war. Und sie <span style="color: #3366ff;">kämpfte mit den Tränen</span>.<br />
Die Menge löste sich auf und die Patienten kamen auf sie zu gestürmt.<br />
Alena wurde umarmt und gedrückt. Hier und da.<br />
Ich glaube, ich spinne, dachte sie wieder.<br />
Es gab Kakao und Kuchen.<br />
Mit 18 Kerzen obendrauf.<br />
Ich muss einfach spinnen, dachte sie.<br />
Sie hatte schon einige Geburtstage auf der Station miterlebt. In den sieben Monaten. Und Kuchen gab es immer. Er wurde von der Nachtschicht gebacken. Aber die Sache mit dem Lied, dass alle auf dem Flur versammelt waren und sangen, das gab es noch nie…<br />
Und Alena atmete, sie atmete und lebte noch immer.<br />
Zum Glück.</p>
<p style="text-align: justify;">
<h2 style="text-align: right;"><span style="color: #000000;"><strong>Cut.</strong></span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong><br />
</strong></span></p>
<p style="text-align: justify;">20 Jahre. Alena hatte einige Freunde eingeladen. Ihre beste Freundin, die sie in der Klinik kennengelernt hatte und ihre beste Freundin, die mit ihr zur Schule ging. Beide brachten ihre Freunde mit. Ihre Freundin, die sie über das Internet kennengelernt hatte, war auch da. Und natürlich ihr Freund. Ja, ihr Freund.<br />
Es gab Pizza und selbstgemachte Cocktails.<br />
Es wurde gesagt, wie lecker die Pizza sei und nach dem Rezept für den Teig gefragt. Weil Pizzen eben doch nicht immer lustig sind.<br />
Aber Cocktails sind es. Und deswegen war der ganze Abend auch lustig. Mit Alena und nicht ohne Alena.<br />
Es gab Musik, lustige Kartenspiele und Witze. Und es wurden <span style="color: #3366ff;">Tränen</span><span style="color: #3366ff;"> gelacht</span>.<br />
A <span style="text-decoration: underline;">Happy</span> Birthday.</p>
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		<title>Frohe Weihnachten</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 23:35:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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		<description><![CDATA[

Eigentlich ist das nur ein Zettel. Ein Zettel, den ich mal von meinem Therapeuten zu Weihnachten bekommen habe.
2004 war ich in der Klinik und es war kurz vor Weihnachten. Er begegnete mir auf dem Flur und erzählte, dass er vor einigen Tagen ein chinesisches Sprichwort gelesen hatte und dabei an mich denken musste, weil er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_1401" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://www.mutismusblog.de/wp-content/uploads/2010/03/weihnachten.jpg"><img class="size-full wp-image-1401 " title="Weihnachten © mutismusblog.de" src="http://www.mutismusblog.de/wp-content/uploads/2010/03/weihnachten.jpg" alt="Weihnachten © mutismusblog.de" width="400" height="274" /></a><p class="wp-caption-text">Weihnachten © mutismusblog.de</p></div>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">Eigentlich ist das nur ein Zettel. Ein Zettel, den ich mal von meinem Therapeuten zu Weihnachten bekommen habe.<br />
2004 war ich in der Klinik und es war kurz vor Weihnachten. Er begegnete mir auf dem Flur und erzählte, dass er vor einigen Tagen ein chinesisches Sprichwort gelesen hatte und dabei an mich denken musste, weil er fand, dass es zu mir passte. Er sagte es auf und fragte, ob er es mir aufschreiben solle. Ich nickte. Er ging zurück in das Dienstzimmer und kam mit diesem Zettel zurück. Fröhliche Weihnachten, sagte er.</p>
<p style="text-align: justify;">Seitdem habe ich diesen Zettel. Ich habe ihn aufgehangen. Erst in meinem Zimmer und nun in meiner Wohnung. Fünf Jahre ist das her. Und heute ist es eines &#8211; das mag verrückt klingen -  der wertvollsten Dinge, die ich habe. Ein Stück Papier zu Weihnachten. Zum einen ist es eine Erinnerung an ihn, an meinen verstorbenen Therapeuten. Etwas, das ich noch habe. Und zum anderen ist es irgendwie absurd. Da hing der Zettel jahrelang irgendwo und eigentlich habe ich ihn auch selten angeschaut und nun&#8230; ja nun, kann ich wirklich sagen, dass Mauern zu Windmühlen umgebaut werden können. Als wäre er all die Jahre mein Kampfspruch gewesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Und das wird mir gerade zu dieser Zeit des Jahres immer wieder bewusst, weil ich Weihnachten gehasst habe. Weil ich nirgendwo hingehen konnte und allein war. Weil Weihnachten immer unspektakulär und einsam war. Eigentlich wie jeder andere Tag nur mit viel Melancholie. Ich war immer froh, wenn Weihnachten vorbei war. Und Silvester sowieso. Weil allein feiern eben einfach nicht lustig ist. Dann starrt man nur die Uhr an und fragt sich, ob das nächste Jahr genauso beschissen wird, wie das letzte auch.<br />
Dieses Jahr ist Weihnachten, wie ein richtiges Weihnachten. Mit  vielen Menschen und sogar mit zwei Familien. Erst nachmittags da, dann abends dort. Am nächsten Tag mittags da und nachmittags dort. Und danach wieder hier. Und Silvester auch. Da bin ich auch irgendwo. Irgendwo, nur nicht mehr allein, weil Mauern eben zu Windmühlen umgebaut werden können.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes und ruhiges Weihnachtsfest.</strong> Ich wünsche denjenigen, die noch keine Windmühle aus ihrer Mauer gemacht haben die Kraft weiter durchzuhalten, damit auch ihr Weihnachten einmal schön werden kann. Weil alles irgendwann immer einmal anders wird. Das ist einfach so.<br />
Und ich wünsche denjenigen, die Weihnachten gar nicht mögen, vielleicht wegen des Streitens, fehlender Harmonie, Stresses oder der Einsamkeit, trotzdem &#8211; und wenn&#8217;s nur ein kleines bisschen  ist &#8211; Wärme und Weihnachten im Herz.<br />
Ganz besonders gehen meine Gedanken dieses Jahr an die Menschen, die jemanden verloren haben und Weihnachten deswegen kein Weihnachten mehr ist. An seine Familie, die ohne Ehemann, Vater, Bruder und Sohn diesen Tag unter dem Weihnachtsbaum überstehen muss. Ich werde eine Kerze anzünden, für sie, und schenke ihnen viel Kraft.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Habt eine besinnliche Weihnacht.</strong></p>
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		<title>Die Sendung &#8220;Domian&#8221; zum Thema Schweigen</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Dec 2009 13:18:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Bei „Domian“ auf WDR, einer Telefon-Talkshow, wo Menschen anrufen und von ihren Sorgen und Gedanken erzählen können, ging es mal um das Thema Schweigen. Hierzu rief eine junge Frau an, die sagte, dass sie an selektivem Mutismus leide. Interessant finde ich, dass es bei ihr eigentlich genau andersherum ist. Sie kann nämlich in Gegenwart ihrer Familie nicht sprechen und im Alltag ist sie eigentlich völlig normal. Allerdings wird auch nicht richtig deutlich, ob bei ihr offiziell selektiver Mutismus diagnostiziert wurde, da sie mal bei einem Psychologen war, aber keine Therapie macht.  Außerdem wäre es für einige Mutisten sicherlich undenkbar beim Fernsehen anzurufen. Aber ich finde es sehr interessant, wie sie von ihrem Problem spricht und dass es bei ihr nur im Familienkreis auftritt, was allerdings nicht gleich bedeutet, dass andere Mutisten mit der ganzen Familie sprechen können. Denn es gibt sicherlich Verwandte, mit denen man leichter und mehr als mit anderen reden kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Hier ist das Video von ihrem Anruf:</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das Video wurde von youtube leider entfernt. Tut mir leid.</strong></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/5XUorv4NO0U&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/5XUorv4NO0U&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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