Im Vorbeigehen versuchte Alena einen Blick durch die Schaufensterscheibe der Apotheke zu erhaschen. Hm, nichts. Sie konnte nichts davon sehen, was für sie wichtig war, um in das Gebäude gehen zu können. Nämlich wie wiele Menschen dort drin waren. Kunden, die etwas kauften, Kunden die sich im Raum aufhielten und Apotheker, die verkauften oder mit anderen Aufgaben beschäftigt waren. Nichts konnte sie sehen. Das war also keine gute Apotheke. Sie ging weiter.
Vier Stück fielen ihr noch ein, die in der Innenstadt lagen. Vielleicht waren sie besser. Besser, weil sie dort besser durch die Fenster gucken konnte. Denn um das Rezept, was sie gefaltet in ihrem Portemonnaie trug, abgeben zu können, musste sie wissen, wie es in der Apotheke aussah. Eben, wie viele Menschen dort waren. Kunden, die etwas kauften und Apotheker.
Anders war das Sprechen irgendwie unmöglich. Klar, sie hätte einfach hineingehen, gucken und wieder rausgehen können. Aber was wäre gewesen, wenn die Apotheke gut war? Dann hätte sie wieder reingehen müssen und dann hätten die Apotheker und Kunden komisch geschaut. Und wenn sie eine Weile mit dem Reingehen gewartet hätte, würde es wohlmöglich in der Apotheke ganz anders aussehen und dann war die Sicherheit wieder weg.
Ja, Sicherheit gab ihr das. Sicherheit zum Sprechen, um dieses blöde Rezept einlösen zu können.
Die nächste Apotheke war auch nicht besser. Dort konnte sie zwar gut gucken, konnte die drei Tresen sehen und die Menschen. Das Problem hier war, sie war zu voll. Es gab drei Apothekerinnen und viel zu viele Kunden in Schlangen. Auch nicht gut. Sie hätte warten können. Aber es hätte ja auch sein können, dass wenn sie dort stand, wieder ganz viele Menschen hinzukamen und hinter ihr standen. Das wäre zu voll gewesen. Sie ging weiter zur nächsten. Drei gab es schließlich noch. Und wenn die auch nicht gut waren, würde sie wieder zu dieser zurück laufen. Vielleicht war sie dann wirklich leerer.
Sie hasste das. Warum musste alles nur so kompliziert sein? Ihr Herz schlug bestimmt schon seit einer Stunde viel zu schnell. Wie ihre Atmung. Und sie war langsam müde. Viel zu anstrengend und riesengroß war das. Aber das Medikament brauchte sie. Weil dann wären ja die ganzen Anstrengungen mit dem Arzt, um das Rezept zu bekommen, unnötig gewesen. Das ging auch nicht.
Cut.
4 Jahre später. In einer anderen Stadt.
Das Medikament musste sie noch abholen. Als Alena den Weg gegangen war, hatte sie die Apotheke schon gesehen. Auf dem Rückweg würde sie dort schnell das Rezept abgeben. Weil’s eben auf dem Weg lag und sie keine Lust hatte zu den ihr bekannten Apotheken zu laufen. Warum auch.
Sie drückte auf den Ampelknopf und wartete auf das grüne Signal. Sie ging über die Straße und gleich danach die Treppe zur Apotheke hinauf. Die Schiebetüren öffneten sich und sie trat ein. In dem Raum gab es drei Apothekerinnen, wovon eine der Auszubildenden etwas erklärte und dann noch eine Kundin. Es war nicht schlimm. Die Auszubildende begrüßte Alena und sie hörte ihre unsichere Stimme. Wahrscheinlich machte sie das noch nicht so oft, Kunden bedienen und beraten. Ein bisschen Stärke überkam Alena. Aber auch ohne Auszubildende wäre es nicht schlimm gewesen. Das ging ja schließlich schnell und war keine große Sache. War ja nur ein Rezept.
Nur, damit man mal sieht, was man sich erkämpfen kann…
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