« Posts tagged Beruf

Umfrage Mutismus und Beruf

Da ich auch ein bisschen neugierig bin, was andere Mutisten beruflich so tun, finde ich, dass zu dem Mutismus und Berufe Thema eine Umfrage passt. Es wäre wirklich toll, wenn diesmal NUR Mutisten (oder Menschen mit anderen “berufseinschränkenden Sprechproblemen”) mitmachen würden. Danke.

Mutismus und Beruf

Einige von euch haben mich schon gefragt, was ich beruflich mache bzw. was ich studiere. Und bisher habe ich immer überlegt, ob ich diese Frage beantworten sollte oder lieber nicht, weil ich in diesem Blog schon irgendwie ein bisschen anonym bleiben will. Und den Beruf zu verraten finde ich nicht mehr so ganz anonym. Aber dennoch weiß ich, dass es im Bezug auf den selektiven Mutismus vielleicht ein spannendes Thema ist. Deshalb werde ich über meine Berufsrichtung ein bisschen schreiben, ohne es jedoch zu verraten.

Ich studiere etwas, was irgendwie mit Menschen zu tun hat. Wie zum Beispiel Psychologie, Pädagogik oder Medizin. Allerdings muss ich nicht direkt mit Menschen arbeiten, wie das zum Beispiel Lehrer, Erzieher oder Ärzte tun. Ich könnte aber, wenn ich das tun wollte und deshalb hat es etwas mit Menschen zu tun. Und eigentlich geht es auch bei dem Studienfach nur um Menschen und nicht um Tiere oder Gegenstände.
Das mag nun alles vielleicht, wie ein lustiges Rätsel klingen, aber was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass ich trotz Mutismus  eher die soziale und menschenorientierte Richtung gewählt habe. Und ich denke, das funktioniert ganz gut. Direkt am Menschen muss ich zwar nicht arbeiten, dennoch muss man in dieser Berufsrichtung reden.  Aber das muss man eigentlich auch bei allen Berufen irgendwie. Deshalb wird es wohl nicht den mutismuskompatiblen Beruf geben.

Wenn ihr trotzdem gern wissen wollt, was ich genau tue, könnt ihr mir gern eine eMail schreiben.

Morgengedanken II

Und eigentlich pass’ ich da doch rein. Wieso auch nicht. Eigentlich pass’ ich da genau rein. In das Leben. Zu den anderen Pendlermenschen. Wenn ich von SBahn zu den Fernzügen über Rolltreppen eile und die Menschen anspreche, ob ich mal vorbei kann, weil man auf Rolltreppen rechts steht und links geht. Wenn ich inmitten der Massen laufe, sitze, stehe. Dann seh’ ich kein bisschen anders aus, als die anderen Menschen. Und dann pass’ ich da auch rein. Weil jeder Mensch komische Dinge im Kopf hat und ich hab’ eben meine Dinge im Kopf.

Morgengedanken I

Morgengedanken I

Irgendwie ist es jeden Morgen ein bisschen komisch für mich. Das mit dem Pendeln in die Großstadt. Denn da gibt’s die ganzen Menschen in Anzug oder Kostüm. Hübsch gekleidet, ordentlich und chic. Im Gesicht angemalt, die Aktentasche auf dem Schoß und das iPhone in der Hand. Büromenschen. Scheint als haben sie alle einen guten Job, verdienen Geld und sind auch gut. Alte Menschen und junge Menschen.
Und ich mittendrin, wo ich doch das Gefühl hab’ nicht mittenrein zu gehören. Weil Menschen mit selektiven Mutismus doch da irgendwie nicht rein gehören. In den Pendleralltag mit Job und Geld. Ich hab’ keinen Job und kein Geld und weiß auch nicht, ob ich das jemals haben werde.
Ich pass’ da nicht rein. Äußerlich ein bisschen vielleicht. Innerlich absolut nicht.

Morgengedanken II

Tageabhaken

Geschafft:

Leserfragen zum Leben mit Mutismus

Da ich mittlerweile auch schon einige Fragen über formspring.me erhalten und beantwortet habe, wollte ich diese der Vollständigkeit halber hier im Blog auch nochmal veröffentlichen.

1. Hast du einen Führerschein? Wenn ja, wie waren für dich der Fahrschulunterricht und die Fahrstunden?

Ja, ich habe einen Führerschein und das mittlerweile sogar schon seit vier Jahren. Und ich fand alles eher schlimm als gut. Eigentlich wollte ich den Führerschein auch gar nicht machen. Aber da ich in einem kleinen Ort aufgewachsen bin, wo die Busverbindung schlecht bis gar nicht vorhanden ist, ist ein Führerschein schon sinnvoll.
Der Unterricht war in Ordnung, mit der theoretischen Prüfung hat alles prima geklappt, nur die Fahrstunden nicht. Zum einen, weil man ja auch irgendwie mal mit seinem Fahrlehrer kommunizieren sollte und zum anderen fällt es mir extrem schwer in Gegenwart fremder Menschen etwas zu lernen und zu üben. Besser gesagt ich bin dann so aufgeregt und vielmehr mit dem Thema Mutismus (was sage ich jetzt, verstehe ich das richtig, habe ich Fragen, wie frage ich was) beschäftigt, als mich auf den Inhalt konzentrieren zu können.
Und generell zu dem Thema kann ich sagen, dass ich nicht unbedingt große Freude am Autofahren habe. Ob das allerdings mit dem Mutismus zu tun hat, weiß ich nicht. Ich finde Autofahren ein bisschen unkontrollierbar. Das mag nun etwas verrückt klingen, aber ich plane gern alles und habe mich auf Situationen schon oft vorher gedanklich vorbereitet. Und das geht beim Autofahren irgendwie schlecht. Zum Beispiel hätte ich gern die Sicherheit einen festen Parkplatz zu bekommen, den ich in Gedanken schon vor mir habe und planen kann. Aber das geht nicht. Dann ist der Parkplatz voll, die Ampel rot, dann kann man die Spur nicht wechseln, verpasst die Ausfahrt oder Kreuzung ist auf einmal an einem völlig anderen Ort. Und was dann? Beim Zugfahren hat man den Fahrplan, steigt ein, wieder aus und ist da. Genauso zu Fuß. Das ist einfach wenig komplizierter.
Aber all das bedeutet nicht, dass Autofahren jedesmal eine riesige Anstrengung ist. Aber ich streite mich eben auch nicht darum jetzt unbedingt auf den Fahrersitz steigen zu müssen.

2. In einer Beziehung, kannst du da laut streiten?

Ja, kann ich. Ich kann schreien, schimpfen und hörbar wütend sein. In Streitsituationen bin ich nicht auf den Mund gefallen, kann mich verteidigen, kann diskutieren und habe kein “Mutismus-Blackout” sodass mir keine Worte einfallen. Sprich, in einer Beziehung kann ich streiten, wie ein ganz normaler Mensch.

3. Wenn du krank bist, und zum Arzt musst, fällt es dir dann schwer, dem Arzt deine Symptome zu schildern?

Generell fällt mir das ganze Thema schwer. Sprich ich muss überhaupt erstmal zum Arzt gehen und das tue ich wirklich nur, wenn es sein muss. Da kann man eventuell schon beim Terminmachen scheitern. Dann muss man sich anmelden, sagen was man will und dann kommt es auch darauf an, ob ich den Arzt kenne und mir die Praxis bekannt ist oder nicht.
Bisher bin ich eigentlich nur zum Arzt gegangen, wenn ich wirklich krank war und das ist zum Glück nicht ganz so oft der Fall. Aber dennoch muss ich Arztbesuche immer “vorbereiten”. D.h. mir überlegen, was ich will und wie ich das sagen kann und eigentlich alles erstmal vorher im Kopf durchdenken. Aber wenn ich denn dann erstmal da bin, klappt das alles eigentlich ganz gut und normal.

Einen, wie ich finde, sehr guten Eintrag über Arztbesuche, Gedanken, die man sich dabei machen und wie man sich fühlen kann, hat sara in ihrem Blog still.schweigend.

4. Kann man mit der Krankheit überhaupt normal durch das Berufsleben gehen? Was arbeitest Du denn?

Ich denke, wenn man sich anstrengt, schon. Da ich aber studiere und noch nicht wirklich im Berufsleben bin, kann ich die Frage auch nicht aus eigener Erfahrung beantworten. Ich kann nur sagen, dass ich bisher alles (Schule, Praktika) irgendwie “normal” geschafft habe.