<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Mutismus Blog &#187; Bahnhof</title>
	<atom:link href="http://www.mutismusblog.de/tag/bahnhof/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.mutismusblog.de</link>
	<description>Die Welt aus der Sicht einer Schweigsamen...</description>
	<lastBuildDate>Thu, 29 Jul 2010 12:22:36 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Fahrplanauskunft ll</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/fahrplanauskunft-ll/</link>
		<comments>http://www.mutismusblog.de/fahrplanauskunft-ll/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 09:58:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsszenen]]></category>
		<category><![CDATA[Alena]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnhof]]></category>
		<category><![CDATA[Herr V.]]></category>
		<category><![CDATA[Kampf]]></category>
		<category><![CDATA[Klinik]]></category>
		<category><![CDATA[Mutismus]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Schweigen]]></category>
		<category><![CDATA[selektiver Mutismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sprechen]]></category>
		<category><![CDATA[stumm]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Zugverbindung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mutismusblog.de/?p=585</guid>
		<description><![CDATA[Fahrplanauskunft I
Alena lag auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Das bedruckte Papier vom Bahnhof lag auf dem Schreibtisch. Wie ärgerlich das doch ist, dachte sie. Die falsche Zugverbindung. Gut, an sich, war es nicht völlig falsch. Die Fahrtzeiten in die Stadt standen auf dem Zettel. Aber ab dem Bahnhof musste man noch einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://mutismusblog.de/fahrplanauskunft-l/">Fahrplanauskunft I</a></span></p>
<p style="text-align: justify;">Alena lag auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Das bedruckte Papier vom Bahnhof lag auf dem Schreibtisch. Wie ärgerlich das doch ist, dachte sie. Die falsche Zugverbindung. Gut, an sich, war es nicht völlig falsch. Die Fahrtzeiten in die Stadt standen auf dem Zettel. Aber ab dem Bahnhof musste man noch einmal mit dem Bus fahren und die Busverbindung war falsch. Der Mitarbeiter von der Bahn musste die genaue Straße wohl falsch verstanden haben. Und das lies ihr einfach keine Ruhe. Sie wollte einen richtigen Zettel  mit ihren Zugverbindungen haben.<br />
Es war 18.30 Uhr, Zeit für das Abendessen. Langsam schlurfte Alena in den Gruppenraum, in dem nicht nur die Gruppentherapie stattfand, sondern auch die Mahlzeiten eingenommen wurden. Alena setzte sich neben Maike, die sich mit Dennis unterhielt. Nach und nach folgte der Rest, bis alle da waren.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Abendessen, zurück in Alenas Zimmer, klopfte es plötzlich an der Tür. Maike und einige andere Mädchen warfen ihre Köpfe zur Tür herein. „Möchtest du mit in den Abendausgang kommen? Wir wollen zum Bahnhof.“ Ja, warum nicht. Die Sonne geht gerade so hübsch unter, dachte sie. „Ja.“<br />
Es war der letzte Abendausgang in diesem Sommer. Nach dem Abendessen durfte man nur im Sommer noch einmal bis um 20.15 Uhr die Station verlassen. Im Herbst und Winter dann nicht mehr, da es dunkel wurde. Als würde die Dunkelheit die kleinen Patienten auffressen, dachte Alena. Sie möchte es im Dunkel spazieren zu gehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Alena und vier andere Mädchen gingen zum Bahnhof. Zwei wollten irgendwie Zigaretten bekommen – sie waren erst 14 – und die anderen beiden Zeitschriften und Süßigkeiten für den Abend kaufen.<br />
Ja, der Bahnhof. Und eigentlich könnte Alena noch einmal beim Servicebereich vorbeischauen. Nur schauen. Mehr nicht. Die Lage checken, wie sie manchmal scherzhaft zu Herr V. sagte, wenn sie erstmal nur beobachten wollte.<br />
Der Weg zum Bahnhof war nicht lang. Sie sagte den anderen, dass sie nicht mitkomme. Sie müsse etwas erledigen und dann stand sie aufeinmal allein in der Bahnhofshalle. Der Bahnhof war viel leerer. Nicht mehr so viele Menschen, wie am Mittag waren unterwegs. Und hinter den Tresen saßen nur eine Frau und ein Mann, ein anderer als am Mittag. Ein Fahrgast mit einem großen schwarzen Koffer und glatt gekämmtem Haar stand an seinem Tresen. Wenn Alena da nun reingehen würde, könnte sie nicht mehr so einfach wieder rausgehen. Dann gab’s kein Zurück mehr, denn alles war so menschenleer, dass jeder Alena bemerken würde.<br />
Okay. Durchatmen und gehen. Genau, wie heute Mittag.<br />
Gehen.<br />
Und sie ging.<br />
Das Herz schlug ihr wieder bis zum Hals. Aber diesmal versuchte sie es zu ignorieren. Adrenalin schoss durch ihren Körper und er fühlte sich irgendwie merkwürdig kühl an.<br />
Alena ging durch die Glastür und den mit Bändern markierten Weg für eine lange Schlange entlang. Links, rechts, links, rechts – warum musste man die Markierungen so stehen lassen, wenn doch gar keine Menschen mehr hier waren? Daran, dass so ein langer Weg für jemanden, der gerade Todesängste durchstehen musste, sehr ungeeignet war, dachte niemand.<br />
Endlich war sie bei der Frau. Es war eine blonde, freundlich aussehende etwas fülligere Frau.<br />
„Hallo!“<br />
„Hallo. Ich bräuchte eine Fahrplanauskunft.“<br />
„Von wo nach wo denn?“, fragte die Frau.<br />
„Von hier zur Berufsschule und wieder zurück.“<br />
Sie tippte.<br />
„Okay. Morgens hin und am Nachmittag zurück?“<br />
„Genau.“<br />
Der Drucker ratterte.<br />
„Ich habe Ihnen ein paar Verbindungen ausgedruckt“, sie zeigte Alena den Zettel.<br />
Alena schaute ihn an. Da stand als Endhaltestelle „Berufsschule“! Es stimmte!<br />
„Danke“, sagte sie freundlich und lächelte.<br />
„Tschüss.“<br />
Ihr Herz schlug noch immer laut. Es war als wollte es nicht leiser werden. Aber diesmal wohl vor Stolz. Und vor Erleichterung. Aufeinmal fühlte es sich so an, als wäre sie schwerelos, wie eine Feder. Als hätte sie tausende von Kilogramm verloren. Und eigentlich hätte sie auch den ganzen Bahnhof umarmen können, würde er in ihre Arme passen.<br />
Ich glaube, ich zerspringe, dachte sie. Das ist ja besser als alles, was ich jemals gefühlt habe.</p>
<p style="text-align: justify;">Zurück auf der Station erzählte sie es sofort. Das musste man einfach erzählen. Darüber konnte man nun wirklich nicht schweigen. Außerdem strahlte Alena bis über beide Ohren, das konnte  auch niemand übersehen ohne zu fragen, was passiert war.<br />
Frau Förster schaute sie skeptisch, aber erfreut an. Wahrscheinlich dachte sie, so etwas Verrücktes konnte Alena gar nicht gemacht haben. Sicherlich hatte sie bei der Teambesprechung schon von Alenas Ausflug am Mittag  mit Herr V. gehört und wie schwer es ihr gefallen war.<br />
Aber konnte man machen. Sogar Alena.<br />
Weil es einfach nicht ging, wenn man die falsche Auskunft hatte. Das war so, als hätte man etwas angefangen und konnte es nicht zu Ende bringen. Und das funktioniert doch einfach nicht! Der ganze Kampf am Mittag hätte nicht umsonst sein können!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.mutismusblog.de/fahrplanauskunft-ll/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fahrplanauskunft l</title>
		<link>http://www.mutismusblog.de/fahrplanauskunft-l/</link>
		<comments>http://www.mutismusblog.de/fahrplanauskunft-l/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 13 Dec 2009 20:48:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sab</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsszenen]]></category>
		<category><![CDATA[Alena]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnhof]]></category>
		<category><![CDATA[Herr V.]]></category>
		<category><![CDATA[Kampf]]></category>
		<category><![CDATA[Klinik]]></category>
		<category><![CDATA[Mutismus]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Schweigen]]></category>
		<category><![CDATA[selektiver Mutismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sprechen]]></category>
		<category><![CDATA[stumm]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Zugverbindung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mutismusblog.de/?p=385</guid>
		<description><![CDATA[„Na, dann lass&#8217; uns losgehen, zum Bahnhof“, sagte Herr V. mit einem Lächeln.
„Wie, was? Jetzt?“, fragte Alena skeptisch.
„Ja. Oder spricht etwas dagegen?“
Nein, an sich nicht. Aber trotzdem ging das nicht einfach mal eben so. Und schon gar nicht heute und jetzt. Da muss man drüber nachdenken. Man muss sich vorbereiten und Nächte darüber schlafen. Auch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">„Na, dann lass&#8217; uns losgehen, zum Bahnhof“, sagte Herr V. mit einem Lächeln.<br />
„Wie, was? Jetzt?“, fragte Alena skeptisch.<br />
„Ja. Oder spricht etwas dagegen?“<br />
Nein, an sich nicht. Aber trotzdem ging das nicht einfach mal eben so. Und schon gar nicht heute und jetzt. Da muss man drüber nachdenken. Man muss sich vorbereiten und Nächte darüber schlafen. Auch, wenn sie nun schon eine halbe Stunde der Therapie darüber geredet hatten. So schnell ging das nicht.<br />
Alena wollte wieder zur Schule gehen. Sie war nun schon vier Monate in der psychiatrischen Klinik und das neue Schuljahr hatte inzwischen begonnen. Extern, nannte man das hier und die Möglichkeit gab es. Viele Patienten gingen extern zur Schule. Nur war die Schule der anderen Patienten in derselben Stadt und nicht 40 Kilometer außerhalb. Und darum musste erst geschaut werden, ob das funktioniert und ob es eine Zugverbindung gab.<br />
Ehe Alena Argumente einfielen, was denn nun eigentlich dagegen spricht sofort zum Bahnhof zu laufen und sich eine Fahrplanauskunft zu holen, stand Herr V. schon in seinem Büro und schnappte sich seine Jacke, die über dem Schreibtischstuhl hing.<br />
„Lass&#8217; uns hoch gehen. Ich sag&#8217; schnell im Dienstzimmer bescheid und du holst deine Jacke“, sagte Herr V.<br />
Nein. Ich kann das nicht. Nicht jetzt, dachte Alena still und folgte Herr V.,  wie automatisiert, der schon den Schlüssel zückte, um seine Bürotür abzuschließen.<br />
Alena schlich in ihr Zimmer, schnappte ihre Jacke und hörte Herr V. gerade fragen, ob sie laufen oder mit der Straßenbahn fahren wollen.<br />
„Laufen!“ Dann ist mehr Zeit, dachte Alena.</p>
<p style="text-align: justify;">Und so gingen sie den kurzen Weg zum Bahnhof zu Fuß.<br />
„Wie geht es dir?“, fragte Herr V.<br />
„Ich kann das nicht“, antwortete sie gequält und verzog das Gesicht dabei vor Angst.<br />
Ihr war übel. Ihr Magen fuhr Achterbahn. Und alles tat ihr weh. Ihren Herzschlag konnte sie trotz der quietschenden Straßebahnen und der vorbeifahrenden Autos hören. Sie merkte selbst kaum, wie sie einen Fuß vor den anderen setzte und neben Herrn V. zum Bahnhof ging.<br />
Es war komisch neben ihm zu gehen. Überhaupt, war es komisch mit ihm irgendwo hin zu gehen, denn sie kannte ihn nur in seinem Büro als ihren Therapeuten. Drin. Draußen war ihre Welt. Da war sie allein.<br />
„Wir gehen da erstmal einfach nur hin“, schlug Herr V. mit beruhigender Stimme vor.<br />
Nur hingehen, sagte Alena zu sich selbst, damit sie nicht schlagartig umdrehte und zurück rannte.<br />
Sie gingen die Treppe zum Bahnhof hinauf, durch die Glastür und die große Bahnhofshalle entlang bis zum Servicebereich.<br />
In einem Glaskasten waren einige Schalter und dahinter saßen die Mitarbeiter. Es waren bestimmt insgesamt 10 Schalter und einige Reisende mit ihren Koffern waren auch dort. Das konnte man durch das Glas gut sehen.<br />
Alena blieb stehen. Reingehen geht nicht. Herr V. blieb auch stehen und schaute sie an. „Möchtest du hineingehen?“<br />
Alena schüttelte schnell und energisch den Kopf. Wenn sie irgendetwas tat, dann wäre das zurückgehen.<br />
„Weißt du, was du sagen möchtest?“, fragte Herr V.<br />
„Ich kann nicht“, antwortete sie diesmal noch gequälter. Man konnte Alena die Anspannung im Gesicht ansehen.<br />
Um sie herum war alles taub und verschwommen. Die ganzen Geräusche klangen Meter weit entfernt.<br />
Es war viel zu kompliziert nach einer Zugverbindung zu fragen. Es gab zig Möglichkeiten. Viel zu viele Wörter und Sätze. Und auch zig Antwortmöglichkeiten der Mitarbeiter.<br />
Ich möchte wieder zurück, dachte Alena. Ich kann das nicht!<br />
Aber zurückgehen war auch irgendwie nicht richtig. Nein! Sie wollte das können. Einfach wieder zurückgehen ging auch nicht. Gar nichts ging. Nicht vor und auch nicht zurück.<br />
„Ich könnte sagen, dass ich von hier zur Schule fahren möchte. Und dass ich dazu gern eine Fahrplanauskunft hätte“, sagte Alena plötzlich.<br />
„Das klingt gut.“</p>
<p style="text-align: justify;">Herr V. schlug vor, einfach mal hineinzugehen. Sie könnten ja dann wieder herausgehen, wenn es nicht klappte.<br />
Okay, Alena folgte ihm.<br />
In dem Glaskasten war alles ganz anders. Viel ruhiger. Und die Leute standen alle in einer Schlange und warteten bis sie an der Reihe waren. Es gab viele Schalter für den Fernverkehr und einen Schalter für den regionalen Verkehrsverbund. Man hörte das Klappern von Computertastaturen.<br />
Herr V. zeigte auf den regionalen Schalter. Dort stand kein Fahrgast und ein Mann hinter dem Tisch schaute sie an, als sie ein Stück näher kamen. Sofort drehte ihm Alena den Rücken zu und schaute nun Herrn V. an. Er schaute sie an und lächelte aufmunternd.<br />
Es geht nicht, hätte ihr Blick jammernd zu ihm gesagt,  wenn sie gesprochen hätte.<br />
Plötzlich ging sie schnell an Herrn V. vorbei und wieder hinaus. Draußen in der Bahnhofshalle war es besser. Da schlug das Herz nicht ganz so schlimm. Herr V. folgte ihr.<br />
„Fällt es dir leichter, wenn ich dabei bin oder draußen bleibe?“<br />
„Draußen bleiben“, antwortete Alena leise.<br />
„In Ordnung.“<br />
Herr V. drehte sich um und ging einige Schritte von ihr weg. Er tat so, als wäre er einer der Reisenden und würde warten. Auf irgendwas anderes und nicht auf sie, die gerade durch die Hölle ging. Herr V. ging bis zur großen Uhr und drehte sich um, um zurück zu schauen. Sie waren jetzt schon über eine halbe Stunde am Bahnhof. Alena verpasste gerade das Mittagessen und Herr V. würde sicher auch zu irgendwas zu spät kommen.<br />
Oh man, dachte Alena.<br />
Die Minuten vergingen, sie stand wie angewurzelt da. Sie hatte sich keinen Schritt bewegt. Irgendwann kam Herr V. wieder zurück.<br />
„Ich kann das nicht!“, Tränen quollen ihr aus den Augen hervor.<br />
Er schaute sie an und reichte ihr ein Taschentuch. Er wartete, bis sie sich wieder beruhigt hatte und legte seine Hand auf ihren Arm. „Soll ich noch mal weggehen?“<br />
„Ja“, flüsterte Alena und er drehte sich wieder um.<br />
Alena warf einen Blick hinter das Glas. Der Mann saß immer noch allein hinter dem Schalter und wartete auf Fragen. Für ihn war das völlig normal den ganzen Tag Fragen zu beantworten.<br />
Los jetzt! Gehen!<br />
Und sie ging hinein. Sie ging bis ans Ende der Schalter und auf den Mann zu, der sie wieder anschaute. Sie ging immer weiter bis sie vor ihm stand.<br />
„Was kann ich für Sie tun?“, fragte er.<br />
„Hallo“, sagte Alena leise mit zitternder Stimme. Und sie sagte auch das, was sie sich vorher überlegt hatte. Dann hörte sie das Klappern der Tastatur, als der Mann ihre Verbindung in den Computer eingab.  Plötzlich fragte er, wer  denn der Mann sei, der vor einigen Minuten auch da gewesen war. Ob es Alenas Onkel wäre.<br />
Oh nein. Das muss für Andere sicherlich komisch ausgesehen haben. Ein Mann, der auf ein junges Mädchen einredet, das absolut gar nicht glücklich aussieht.<br />
„Nein“, antwortete Alena und schwieg dann. Sie konnte doch dem Mann nicht sagen, dass das ihr Therapeut war und sie doch eigentlich gar nicht sprechen konnte und das gerade übte.<br />
Sie wartete bis die Verbindungen hin und zurück ausgedruckt waren und verabschiedete sich leise, um ganz schnell wieder aus dem Glaskasten zu verschwinden. Aber diesmal mit einem Zettel in der Hand.<br />
Herr V. stand vor ihr, als sie wieder in der Bahnhofshalle stand. Er lächelte sie an. Und Alena strahlte beinahe. Zwar sah man ihr den Kampf, den sie gerade durchstehen musste an und sie konnte es eigentlich noch gar nicht richtig glauben, was sie soeben getan hatte, aber sie hätte bis über beide Ohren strahlen können.<br />
„Wie war es?“, fragte Herr V. und Alena erzählte ihm von dem Mann, der fragte, wer er sei.<br />
Herr V. lachte: „Aber es ist ja nett von ihm, dass er nachfragt und sich Sorgen macht um ein Mädchen, das von einem Mann angequatscht wird.“<br />
Alena lächelte auch. Ja, das war es.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie schaute stolz auf ihren ergatterten Zettel. Oh, verdammt. Es war falsch! Es war die falsche Verbindung! Da wollte sie doch gar nicht hin. Nein, verdammt! Da musste irgendwas schief gegangen sein. Ein Missverständnis.<br />
Sie fluchte. Das bedeutete, dass das ganze noch mal gemacht werden musste. All der ganze Mist und nun trotzdem ohne Ergebnis. Am liebsten hätte sie den Zettel vor Wut zerrissen. Alles umsonst!<br />
„Aber du warst da. Du hast es gemacht“, erinnerte sie Herr V. stolz.<br />
„Ja, aber…“<br />
Ja, sie hatte es gemacht. Und wenn sie darüber nachdachte, hatte sie so etwas noch nie in ihrem Leben gemacht. Noch nie. Und eigentlich konnte man die Gespräche mit fremden Menschen auch an einer Hand abzählen. Hatte sie überhaupt jemals schon mit Fremden gesprochen?<br />
Ja, aber es war doch die falsche Verbindung…</p>
<p style="text-align: right;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://mutismusblog.de/fahrplanauskunft-ll/">Fahrplanauskunft II</a></span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.mutismusblog.de/fahrplanauskunft-l/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
