Ich glaub’, ich hab’ in diesem Semester meine erste richtige negative Erfahrung bei Gruppenarbeiten in meiner bisherigen Studienlaufbahn gemacht. Aber so richtig. Es kann ja immer irgendwie schwerer oder leichter sein, weil die Zusammenarbeit besser passt oder eben nicht. Aber trotzdem konnte man gewisse Grundzusammenarbeitsregeln immer einhalten. Diesmal funktioniert das irgendwie nicht, weil zwei Expertinnen dazu irgendwie nicht in der Lage sind. Vielleicht haben sie beim Bachelor nicht aufgepasst oder ihn im Glücksspiel gewonnen. Ich weiß es nicht. Die fangen einfach an, ohne Absprachen und Aufteilungen und dann ist es aufeinmal fertig und der Rest der Gruppe wird zum Vortragen verdonnert. Weil sie ja absolut nichts gemacht haben und furchtbar faul sind. Gezwungenermaßen. Und dann fehlen auch noch Ergänzungen, die diskutiert werden sollten und keiner fühlt sich verantwortlich das zu tun, weil es sie ja nicht mehr betrifft. Sie müssen ja nicht vortragen. Das ist dann wunderbare Gruppenarbeit.
Und nun würd’ ich mich nicht nur gern mit meiner Gleichgesinnten laut aufregen und unsichtbar lästern, sondern auch in Anwesenheit der beiden Expertinnen. Gerade in solch’ einer Situation hätte ich gern gelernt schlagfertiger und lauter zu sein. Unabhängig von Mutismus. Hätte gern eine Meinung, die ich klar und deutlich äußern könnte, ohne in totale Gefühlausbrüche zu verfallen und, wie es eine der Expterinnen immer tut, wild rumzuzicken. Gerade hierbei wäre ich gern alles andere als wortlos, um die Welt ein bisschen fairer zu machen. Ich hätte es gern gelernt und wäre es gern. Bin es aber nicht.
Gruppenarbeit
Essengehen
Sie saß auf ihrem Stuhl und schaute panisch in die Speisekarte. Es war nämlich schon ein bisschen Zeit vergangen, nachdem sie zusammen das Restaurant betreten hatten und die Bedienung würde sicherlich bald kommen und die Bestellung aufnehmen wollen. Und es wäre zu kompliziert gewesen, wenn Alena gesagt hätte, dass sie sich noch nicht entschieden hatte, wenn alle anderen schon soweit waren. Denn aus der Reihe springen und so Aufmerksamkeit erzeugen, das ging gar nicht. Also musste sie sich schnell etwas aussuchen. Nur was?
Es musste etwas sein, was sie aussprechen konnte. Leider hatten die Gerichte auf der Speisekarte keine Nummern. Schön, für die Genussmenschen, wie sie mal irgendwo auf einer Speisekarte gelesen hatte, auf der ein Restaurant damit warb, dass sie ihren Gerichten keine unpersönlichen Nummer, wie bei einem Schnellimbiss geben, aber blöd für Mutisten. Für Alena war es nämlich leichter einfach eine Zahl zu sagen, als den Namen des Gerichts. Was wohlmöglich nicht unbedingt leicht auszusprechen war und natürlich auch viel länger und mehr Worte kostete als eine Zahl. Das war anstrengender. Deswegen konnte sie nur das bestellen, wo sie sich auch hundertprozentig sicher war, wie man es aussprach. Denn Versprechen ging überhaupt nicht. Sie war froh, wenn sie überhaupt etwas sagen konnte. Da musste es einfach sein. In einem Restaurant mit typisch deutschen Gerichten war es leichter. Aber zum Beispiel beim Chinesen oder Inder, wie heute, eben absolut nicht. Da war es eine kleine riesen Katastrophe.
Aufgeben II
Eigentlich könnte ich gerade jeden Tag schreiben, wie gern ich alles hinwerfen würde und vielleicht sollte ich deswegen momentan einfach gar nichts schreiben. Bis ich die Bachelorarbeit abgegeben habe. Manchmal gibt es auch Momente, in denen alles wieder gut ist. Ich fühle mich, als sei ich manisch-depressiv, obwohl ich gar nicht weiß, wie sich das anfühlt. Ich will aussteigen und weitermachen, weil ich schon immer weiter gemacht habe. Und aussteigen will ich, weil ich immer weitermachen muss. Weil es immer schwierig sein wird. Aber:
KÄMPFEN, KÄMPEN, KÄMPFEN.
IMMER WEITER KÄMPFEN!
Aufgeben I
Momentan fehlt mir ein bisschen die Motivation. Ein bisschen viel vielleicht sogar. Und eigentlich liegt es an der Bachelorarbeit. Weil so ein Ding ein Arschloch sein kann, was vielleicht jeder weiß, der eine geschrieben hat. Das ist eigentlich kein richtiges Mutismusthema, sondern normal. (Wobei mir eigentlich egal ist, was normal ist und was nicht.) Aber der Mutismus nimmt ein bisschen die Motivation. Denn es wäre leichter, wenn ich wüsste, dass es mir etwas bringt. Die Bachelorarbeit. Ein beendetes Studium. Aber das weiß ich nicht. Ich kann mich nicht verkaufen. Bin nicht selbstbewusst und auch nicht von mir überzeugt. Und eigentlich studiere ich nur, weil ich als schweigender Mensch keine Ausbildung bekommen habe. Und ich befürchte nach dem Studium nichts anderes. Keinen Job. Und das macht das Weitermachen schwer. Und dann will ich natürlich nicht nur die Bachelorarbeit aufgeben, sondern alles. Weils nicht aufhören wird mit dem Schwierigsein. Und irgendwie sehe ich auch da keine Motivation. Wofür auch? Für’s weiter Schwierigsein? Das kann nicht motivieren.
Dabei gibt es einerseits auch so viele neue Dinge danach, die auf mich warten werden. Auf die ich mich freue. Sehr sogar. Nur da wird eben auch einiges schwierig sein. Und wie soll man sich da so richtig tief innendrin motivieren können? Wenn alles schwierig ist. Ich hab’s grad ein bisschen verloren. Ich wär’ gern wieder die Kämpferin, die wirklich innendrin fühlen könnte, wie blöd das wäre jetzt das Studium aufzugeben, wo man doch bald fertig ist. Mit der Ausrede, dass man eventuell keinen Job finden könnte. Ich hätte sie wirklich gern wieder die Kämpferin. Nur momentan bin ich irgendwo dazwischen. Mehr beim Aufgeben. Obwohl ich eigentlich gar nicht so genau weiß, weswegen. Denn ich hab’ momentan ein Ich-weiß-wie’s-weitergehen-kann. Also ein Ziel. Einen Lebensplan. Das hab’ ich nicht oft. Vielleicht bin ich müde. Zu sehr müde, um mich von etwas motivieren lassen zu können, was immer gleichzeitig auch schwierig sein wird. Denn mein ganzes Leben ist und bleibt schwierig.
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