Mir ist noch etwas eingefallen, was an selektiven Mutismus positiv ist. Und zwar, wenn man nicht spricht, hat man jede Menge Zeit andere Menschen zu beobachten.
Mir geht es oft so, dass ich bei Unterhaltungen in einer Gruppe versuche angestrengt zuzuhören, sodass ich eventuell auch mal etwas dazu sagen kann. Am Anfang bin ich also oft mit mir selbst beschäftigt, denke darüber nach, was man dazu sagen könnte, was passt, versuche mich zu überwinden und und und.
Und irgendwann, wenn die schweigsamen Minuten immer mehr werden, geb’ ich auf. Dann hör’ ich auf darüber nachzudenken, was man wie wann und wo sagen kann, weil sonst würde der Frust, dass es nicht funktioniert immer größer werden.
Darum etwas Positives… Andere Menschen beobachten. Mit Absicht mach’ ich das nicht. Aber was soll man auch anderes machen, wenn sich alle unterhalten, außer zuhören und Menschen anschauen? Und dann weiß ich meist mehr über einen Menschen als alle anderen, die mit Sprechen beschäftigt sind. Es ist mir schon einige Male passiert, dass diejenigen, denen ich aufmerksam zugehört hab’, darüber erstaunt waren, dass ich soviel über sie weiß. Weil man mich oft vergisst und als Zuhörer nicht wahrnimmt.
Ich glaub’ ich hab’ ziemlich gute Menschenkenntnisse. Ich merk’, wenn sich jemand nicht wohl fühlt oder wenn es demjenigen nicht gut geht. Und ich weiß auch ziemlich schnell ob mir Menschen sympathisch oder unsympathisch sind. Also noch etwas Positives am Mutimsus ist, ein Gefühl für Andere zu haben.
12:21, 26. Juli 2010Aki /
Das finde ich eher positiv, als der Schutz durch’s Schweigen. Menschenkenntnis ist immer gut. Den Schutz durch’s Nichts-sagen sehe ich nämlich nur bedingt; schließlich sehen das einige Leute als Einladung, unschöne Dinge zu sagen, zu tun, wie auch immer.. Darf ich fragen, wie das bei dir ist? Schluckst du dann alles, sagst du doch etwas oder kotzt du dich später bei Vertrauten aus?
13:09, 26. Juli 2010Katinka /
So wie ich diese Krankheit bei dir sehe gibt es noch etwas positives:
Du hast die Gabe in deiner negativen Krankheit das Positive zu sehen und das allein ist schon posiitv (habe ich das Wort “positiv” zu oft verwendet?!?! keine Ahnung, ich hoffe du weißt was ich damit sagen will?)
Als ich in jungen Jahren regelmäßig mit dem Bus zur Arbeit fahren musste, ging es mir ähnlich wie dir. Da ich die anderen Fahrgäste nicht kannte, sprach ich natürlich nicht mit ihnen. Aber ich beobachtete sie, das fand ich immer sehr interessant.
Im Laufe der Zeit “lernte” ich dann zwangsläufig Menschen einzuschätzen. Diese Fähigkeit hat mir in vielen Situationen geholfen, die richtige Entscheidung zu treffen und hilft mir immer noch…
14:02, 26. Juli 2010Sab /
@ Aki: Das stimmt. Langfristig schützt Schweigen natürlich nicht, wenn es darum geht, dass man sich verbal nicht wehren kann. Aber in dem Moment des Schweigens schützt es vielleicht schon. Und wenn es nur darum geht sich vor Prügel zu schützen, weil man Worte besser nicht gesagt hätte…
Deine Frage find’ ich eine gute Frage für die Leserfragen und ich denke ich würde sie auch aufnehmen. Deshalb erstmal ganz kurz: das ist völlig unterschiedlich. Hängt mit den Menschen zusammen, die von dem Ärger betroffen sind. Manchmal kann ich das ganz gut äußern, wenn mir etwas gefällt. Und manchmal, gerade bei Menschen, die ich nicht so gut kenne, eher nicht. Dann erzähle ich davon eher Vertrauten.
@ Katinka: Naja, es hat lange gedauert, bis ich damit so umgehen konnte. Nicht immer konnte ich positive Dinge sehen. Ganz und gar nicht sogar…
Ja, ich glaub’, dass man das auch lernen kann, Menschen einzuschätzen…
19:57, 26. Juli 2010phasesoflife /
Ja, das würde ich auch wirkliche Vorteile an deiner Krankheit nennen. Auch dass Mutismus in einer gewissen Art und Weise schützt. Das wünscht man sich ja manchmal sehr als normal Redender.
Liebe Grüße :)
18:33, 18. September 2010rena /
Schweigen
wenn die Worte fehlen
die man nicht hört
wie sie kommen würden
somit schweigt man
wenn nicht allein