Was man mit selektiven Mutismus alles machen kann I…

  • einen Realschulabschluss machen, indem man die schlechten mündlichen Noten durch sehr gute Schriftliche ausgleicht
  • die Fachhochschulreife erlangen und sich auch da irgendwie durchbeißen (inklusive mündlicher Abschlussprüfung)
  • zwei längere Praktika im medizinischen Bereich machen, bei denen man sehr stark (eigentlich sogar nur) mit Menschen arbeitet

zu Teil II

Google: Mutismus Referat

Ich find’ es immer ziemlich amüsant, wenn ich in Blogs lese, wie darüber geschrieben wird, nach was bei Google gesucht wird und wie man auf die Blogs kommt. Nur leider hab’ ich in diesem Punkt (noch?) nichts Amüsantes zu bieten. Zwar einige Suchebgriffe, die etwas merkwürdig sind, aber dennoch nicht unbedingt erwähnenswert.
Aber was mich brennend interessieren würde, wäre das “Mutismus Referat“. Das wird nämlich ziemlich oft gegoogelt und es ist nach “Mutismus Blog“, “Mutismus” “selektiver Mutismus” weiter oben.

Und dann hätte ich eventuell noch gern gewusst, wie ihr – wenn ÜBER – auf das Thema gekommen seid und wenn ihr eines MIT Mutismus macht, dann wünsch’ ich euch ganz viel Kraft…

Danke :D

† 07. Juni 2009

Heute, da brennt bei mir überall eine Kerze für den Weltbesten

Focus Reportage: “Zwei, die schweigen”

Im Focus Nummer 18, also von Anfang Mai 2010, war eine Reportage über Zwillinge, die an selektiven Mutismus leiden. Dummerweise hatte ich den Artikel verpasst, sodass ich mir den Focus weder kaufen, noch euch bescheid sagen konnte. Ärgerlich!

Zum Glück hat focus.de die Reportage aber auch online gestellt, sodass ihr sie hier ansehen könnt. Der Artikel hat mehrere Teile und die jeweiligen Links sind unten auf der Seite zu finden.

Und naja, was soll ich dazu schreiben? Ich find’ es mal wieder gut, dass es eine Reportage über selektiven Mutismus gibt und hoffe, dass ganz viele Menschen sie gelesen haben. Auch gut finde ich, dass es diesmal um zwei Jugendliche geht und ein bisschen deutlich wird, welche Probleme Mutismus im Alltag machen kann, wenn er nich im Kindesalter behandelt wird (Einkaufen, Schulabschluss, Beruf…).

Das erste Mal

(und hier das letzte Mal)

Alenas Mutter setzte den Blinker und bog rechts in die Straße ein. Die Straße war durch die vielen Bäume ziemlich dunkel. Fast schon düster wirkte sie. Alena kniff die Augen zusammen. Die Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen, weil über den großen, dicken Bäumen die Sonne vom Himmel schien.
Dafür wirkte das Gebäude der psychiatrischen Klinik umso heller. Es war ein grelles Gelb, das da hinter den Bäumen hervor sprang.
Ihre Mutter parkte das Auto und zusammen gingen sie zur Klinikanmeldung, die in einem weißen Gebäude nebenan war. Die Frau hinter dem Tresen sagte, es dauerte noch einen Moment, sie würde auf der Station bescheid geben, dass Alena da wäre.
Warten. Gut, also warten.

Nach einer Weile kam ein großer, ein bisschen schlaksiger Mann durch die Glastür am anderen Ende des Warteraums. Er lächelte freundlich und fragte, ob sie Alena sei.
Sie nickte.
Er streckte ihr die Hand hin, die sie entgegen nahm.
„Hallo, ich bin Herr V.“, sagte er. „Der behandelnde Psychotherapeut der Station 3.“
Er schüttelte auch Alenas Mutter die Hand und bat ihm zu folgen.

Sie gingen in sein Büro.
Das Büro lag im zweiten Stock des gelben Gebäudes.
Herr V. schloss die Tür auf und bot ihnen einen Sitzplatz an. Rechts, in der Ecke seines Büros stand ein runder, heller Tisch. Drumherum vier genauso helle Stühle mit einem blaugrauen Sitzpolster.
Alena setzte sich direkt an die Tür. Das fühlte sich besser an. So hätte sie einfach wieder gehen können. Ihre Mutter rechts und Herr V. links neben ihr. Oder besser gesagt, saß er ihr schon fast gegenüber.
Hinter Herr V. war sein Schreibtisch und dahinter, da war das Fenster. Links war ein großer Bücherschrank, genauso hell, wie die anderen Möbel und rechts war auch schon die Wand. Das Büro war also nicht sehr groß.

Herr V. hatte mittlerweile das Gespräch begonnen. Er hatte sich noch einmal genau vorgestellt und sagte, dass er das Aufnahmegespräch führte.

Warum möchtest du hier eine Therapie machen, Alena?”
Pah! Wollen?! Hab’ ich denn eine andere Wahl, wenn man so, wie es ist nicht mehr klar kommt? Man will keine Therapie machen. Eine Therapie muss man nur machen wollen, damit es besser wird. Hätte ich irgendwas gewollt, dann wäre das ein anderes Leben! Und keine Therapie!
“Alena?”
Schweigen.
Ja, weil das war ja das Problem, dachte sie und schwieg.
Irgendwann antwortete ihre Mutter “weil sie nicht spricht” und dann beantwortete sie eigentlich auch die ganzen anderen Fragen, die Herr V. für die Anamnese stellte.
Das einzige, was Alena sagte war  “siebzehn”. Siebzehn, weil sie siebzehn Jahre alt war.

Der Boden war hässlich. Er stach einem, in diesem Büro, eigentlich sofort ins Auge. Viel zu dunkel und blau. Und viel zu gepunktet auch. Schlimm.
Und Herr V., der war auch irgendwie komisch. Freundlich war er, aber irgendwie war er eigenartig. Sie wusste nicht warum, aber wenn Psychologen komisch waren, dann war er eben ein Psychologe und einfach nur komisch. Von seiner Art.

Das Gespräch machte sie wütend. Ihre Mutter erzählte und erzählte. Erzählte vom Kindergarten, von der Schule und von zu Hause. Und eigentlich erzählte sie alles falsch! Jedenfalls nicht so, wie es Alena selbst erzählt hätte, weil es für sie eben ganz anders war!
Herr V, er hätte es spüren müssen, dass alles ganz falsch war!
Nein, eigentlich hätte sie alles selbst erzählen müssen! Und natürlich konnte sie mal wieder nicht sprechen. Was auch sonst?!
Der Kopf war voll mit Gedanken, nur die Worte im Mund dazu fehlten. Da war nichts! Keine drin! Wie immer eben.
Scheiße, war alles!

Das Gespräch dauerte nicht lange. Zum Schluss fragte Herr V., ob Alena sich denn eine stationäre Therapie hier  und ihn als Einzeltherapueten vorstellen könnte.
Ja, eine andere Wahl hatte sie doch nicht oder? Vielleicht würde es durch eine Therapie besser werden. Ja, vielleicht.
Also dann. Willkommen in der Klapse und hallo Herr V.

Alena nickte.

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