Die Matheklausur

Säuberlich versuchte der Mathelehrer eine Tabelle mit geraden Linien an die Tafel zu zeichnen, in die er die Noten kritzelte. Der Notenspiegel. Er begann bei der schlechtesten Note. Es gab zwei Fünfen, Vierer und Dreier gab es am meisten, eine Zwei und eine Eins. Ein Raunen ging durch die Klasse, als der Mathelehrer die Kreide zurück  in den Kreidekasten an der Tafel legte.
Er begann mit dem Austeilen der korrigierten Klausuren und lief dabei kreuz und quer durch die Klasse. Je mehr verteilt wurden, desto lauter wurden die Schüler.
Kevin konnte Schimpfen und Kommentare zu den einzelnen Aufgaben aus dem Stimmengwirr wahrnehmen. Einige schienen erleichtert, andere enttäuscht zu sein.
Dann kam der Mathelehrer zu ihm, legte die Klausur auf den Tisch und sagte mit einem Grinsen: „Sehr gut. Nur Sie müssen an Ihrer mündlichen Mitarbeit arbeiten“ und ging zum nächsten Tisch.
Kevin schaute auf das Aufgabenblatt. Rechts oben in der Ecke stand die Note. Eine Eins. Eine schöne, glatte, mit rotem Stift geschriebene Eins sprang ihm entgegen. Es war die einzige Eins.
„Nicht schon wieder“, dachte er und setzte ein kurzes, schiefes Lächeln auf.
Klar war eine Eins gut. Und Kevin konnte auch stolz auf seine Leistung sein, doch richtig zufrieden war er damit nicht.
„Bringt mir sowieso nichts“, dachte er und stopfte die Klausur ohne sie genauer anzuschauen in seinen Block.
Das mit der mündlichen Mitarbeit, das geht eben einfach nicht. Es geht nicht. Alles ist an Kevin festgefroren. Die Hand, die man zum Melden braucht, lässt sich nicht in die Höhe strecken und die Lippen sind auch zusammen gefroren. Sogar die Stimmbänder in der Kehle sind es. Deswegen geht das nicht.
„Und was bringt schon eine Eins, wenn man mündlich eine Sechs hat“, überlegte Kevin. Gar nichts. Also sind Einsen überflüssig. Sie enttäuschen nur noch viel mehr, weil man daran erinnert wird, dass man niemals eine Eins auf dem Zeugnis haben kann. „Also will ich gar keine haben“, schwirrte in seinem Kopf umher. „Das zeigt mir nur immer wieder welch’ ein Versager ich bin.“
Nachdem der Mathelehrer alle Noten verteilt hatte, wurden die Aufgaben der Klausur besprochen.
„Hoffentlich ist die Stunde bald vorbei!“, dachte Kevin und versank weiter in Gedanken.

Die Integrative Mutismus-Therapie

Neben anderen Konzepten zur Behandlung von Mutismus gibt es die sogenannte Integrative Mutismus-Therapie (IMT), die für Kinder unter 10 Jahre entwickelt wurde und in Form von Einzelterminen stattfindet.

Zu Beginn dieser Therapieform steht im Vordergrund, dem Kind die Therapie überhaupt erst einmal zu ermöglichen. Dies bedeutet, dass die Angstminderung wichtig ist, sodass sich der Betroffene auf die Therapie einlassen kann und Vertrauen zum Therapeuten gewinnt. Aber nicht nur zu Beginn ist die Angstbehandlung ein zentraler Punkt, sondern auch während der gesamten Therapie. Unterstützend können Medikamente eingesetzt werden.
Für eine erfolgreiche Therapie ist zum einen eine angstfreie und kindgerechte Umgebung notwendig und zum anderen die Einbeziehung der Eltern sinnvoll. Vertraute Personen können zum Beispiel erst einmal beim Sprechen „helfen“. Zu Erleichterung können aber auch selbstgeschriebene Zettel verwendet oder Flüstern erlaubt werden.
Am Anfang der Therapie werden dem Kind leicht lösbare Aufgaben gestellt, sodass es mehr Selbstvertrauen gewinnt. Wichtig ist allerdings diese, neben den Hilfsmitteln für das Sprechen, zu erschweren bzw. zu verringern damit das Kind nicht auf dieser Stufe stehen bleibt, sondern weiter voran kommt.

Nachdem eine Grundlage geschaffen wurde, wird bei der IMT das Sprechen sozusagen wieder neu erlernt. So ist es ein Ziel die Mundmotorik zu trainieren und das Kind zum Laute sprechen – dem sogenannten Lautieren – zu ermutigen. Dies kann auf spielerische Art erfolgen, wie z.B. das Imitieren einer Lokomotive. Im Gegensatz zu anderen Therapieformen unterscheidet sich die IMT demnach durch logopädische Bestandteile.
Wichtig bei der Behandlung von Mutismus sind die Aufklärung und das Verstehen der eigenen Situation. Einige grundlegende Botschaften sind:

  • Mutismus ist eine Krankheit, bei der ein Therapeut helfen kann eine positive Änderung zu erreichen
  • Schweigen ist belastend und führt zu Verzweiflung
  • Angst kann das Sprechen verhindern
  • wichtig sind zuerst kleine Schritte

Oft ist der erste Schritt der schwerste, weswegen die Motivation bei Kindern besonders wichtig ist. Sträuben sich Kinder z.B. gegen eine Übung, muss eine Alternativübung gefunden werden. Daher sind sehr hohe Empathie und Aufmerksamkeit des Therapeuten wichtig, um das Kind nicht zu ängstigen. Kennzeichnend für eine Mutimustherapie ist auch, dass dem Kind längere Zeit zum Antworten gegeben wird.
Die Fortschritte in der Therapie werden anschließend auf weitere soziale Situationen und Personen übertragen und ausgebaut, sodass diese gefestigt und die Ängste schrittweise abgebaut werden.

Quelle: http://www.klinik-ellwangen.de/08_aktuelles/details.php?id=70

Der Begriff Mutismus

Zum ersten Mal wurde der selektive Mutismus 1877 unter dem Namen “aphasia voluntaria“  in Die Störungen der Sprache” von Adolf Kußmaul erwähnt. Kußmaul war ein deutscher Arzt und medizinischer Forscher. Eine Aphasie ist eine Sprachstörung und voluntaria bedeutet, dass diese eben vom Betroffenen freiwillig hervorgerufen wurde.

Moritz Tramer, ein Kinder- und Jugendpsychiater aus der Schweiz, führte 1934 den Begriff elektiver Mutismus ein, der international anerkannt wurde. Mittlerweile ist der Begriff elektiv veraltet und wird heute durch das Synonym selektiv ersetzt.

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Angst

Angst
Fehler zu machen
immerzu
Angst
enttäuscht zu werden
keine Ruh’

Gedanken
es richtig zu machen
allein
Gedanken
Leben zu meistern
Mein

Angst
für Gedanken zu groß
Tat nicht geschafft
Fehler
aus Angst
gemacht

(15. September 2003)

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