Im Focus Nummer 18, also von Anfang Mai 2010, war eine Reportage über Zwillinge, die an selektiven Mutismus leiden. Dummerweise hatte ich den Artikel verpasst, sodass ich mir den Focus weder kaufen, noch euch bescheid sagen konnte. Ärgerlich!
Zum Glück hat focus.de die Reportage aber auch online gestellt, sodass ihr sie hier ansehen könnt. Der Artikel hat mehrere Teile und die jeweiligen Links sind unten auf der Seite zu finden.
Und naja, was soll ich dazu schreiben? Ich find’ es mal wieder gut, dass es eine Reportage über selektiven Mutismus gibt und hoffe, dass ganz viele Menschen sie gelesen haben. Auch gut finde ich, dass es diesmal um zwei Jugendliche geht und ein bisschen deutlich wird, welche Probleme Mutismus im Alltag machen kann, wenn er nich im Kindesalter behandelt wird (Einkaufen, Schulabschluss, Beruf…).
18:27, 4. Juni 2010Gondlir /
Danke für den Hinweis auf den Artikel! Das erinnert mich sehr an ein schönes Praktikum in einem Sprachheilkindergarten. Nur daß die Zwillinge dort erst fünf Jahre alt waren. Aber sie hatten auch eine “dominante” und fürsorgliche Mutter, die umso mehr redete.
Interessant fand ich, daß die beiden Mädchen sich untereinander weitgehend mit Blicken und Gesten verständigen konnten. Ich hörte damals sogar von Fällen, wo Zwillinge eine Art “Geheimsprache” entwickelten.
Bei diesen Mädchen half es übrigens, sie im Kindergarten in zwei verschiedene Gruppen zu stecken. Außerdem kamen sie nach einiger Zeit auch getrennt zur Sprachtherapie, nachdem sie anfangs nur zu zweit daran teilnahmen.
Im Übrigen mußte die Mutter angeleitet werden, nicht ständig für die Mädchen zu sprechen, und sie einfach mal zu Wort kommen zu lassen. Nachdem sie anfangs gar nicht sprachen, konnte man die Zwillinge am Ende meines Praktikums kaum noch von anderen, schüchternen Kindern unterscheiden.
21:18, 4. Juni 2010Fischkudder /
Yup, ich könnte jedes Mal Watschen verteilen, wenn ich mir einer erzählt, ich solle mich nicht so anstellen, weil jeder mal einen schlechten Tag hätte.
Ich lebe seit 20 Jahren mit Mutismus, seit 15 Jahren mit chronischen Depressionen, hatte zeitweise sehr ausgeprägte soziale Phobie und muss mir ständig den Arsch aufreißen, um einigermaßen durch den Alltag zu kommen.
*dampfablass*
Aber gut, ich habe inzwischen einige Hilfsmittel aus diversen Therapieansätzen, mit denen ich ganz gut über die Runden komme.
Lust, ein bisschen Erfahrungen per Email auszutauschen?
Liebe Grüße,
Fk
23:24, 4. Juni 2010khadi /
hast du den artikel wirklich gelesen?
ich find den schrecklich!
im allgemeinen ist es gut, wenn dieses thema aufgegriffen wird, das dient der aufklärung die wirklich bitter nötig ist.
aber 1. ist der bericht total schlecht und abwertend geschrieben
und 2. könnte ich ausrasten, wenn ich höre wie die mutter die beiden behandelt. ( siehe letzten absatz, teil 4 )
und irgendwie ist es komisch, dass sie auf dem bild posieren und ”flirten” , andererseits kein wort rausbringen.
ich finde der artikel bzw die geschichte weckt den anschein als wenn die beiden nur schweigen würden um aufmerksamkeit zu bekommen.
was meiner meinung nach fatal ist und mich schon wieder zum ausrasten bringen könnte, da es nunmal wirklich menschen gibt die darunter sehr leiden.
alles in allem find ich den artikel gar nicht gut und hoffe es wird bald mal einer veröffentlicht der sachlich geschrieben ist und auf ein schicksal eingeht was man auch ernst nehmen kann.
leibe grüße, khadi.
15:23, 5. Juni 2010Sab /
@ Gondlir: Ja, ich glaube das ist oft so, dass Mütter dann einfach gern das Sprechen übernehmen und ihre Kinder somit verhätscheln. Ich glaube auch, dass es für Eltern schwierig ist, wenn ihre Kinder im ersten Moment leiden, wenn sie wie bei deinem Beispiels in getrennte Kindergartengruppen müssen. Aber im Nachhinein ist es die einzige Möglichkeit, wie es besser wird. Und je früher, desto leichter und schneller kann es besser werden…
Schön, dass die Mädels dann genauso, wie schüchterne Kinder waren. :)
@ Fischkudder: Ja, das kann ich sehr gut verstehen. Andere können das mit dem Mutismus schwer verstehen, weil man kann ja sprechen… Schlimm finde ich auch die Worte “versuch’s doch einfach”. Achja? Das macht man doch ständig, weil wer will schon freiwillig nicht sprechen können?
Jap. Gern. sab[at]mutismusblog.de ;)
@ khadi: Danke für deinen Kommentar und deine Meinung zu dem Artikel. :)
Ja, ich habe den Artikel komplett und nicht nur einmal gelesen und ich finde ihn persönlich nicht abwertend geschrieben. Klar stellt sich immer die Frage, wieweit Nicht-Betroffene die Problematik verstehen und was sie aus solch einem Artikel mitnehmen. Ich glaube, dass es auch generell furchtbar schwierig ist, Mutismus zu erklären. Ich habe sogar oft das Gefühl, dass mir das selbst hier im Blog nicht so gut gelingt. Ja, vielleicht gibt es bessere Artikel und hoffentlich wird es die auch geben, aber ich denke selbst ein nicht guter Artikel ist besser als keiner. Ich denke, wenn Betroffene selbst sagen, dass sie nicht sprechen können, ist das anders, als ein Artikel im Focus. Denn dann muss es ja offensichtlich ein “echtes” Problem sein, worüber auch die Medien berichten. Und zum Thema Aufmerksamkeit, hm ja, das kann man vielleicht wirklich deutlicher ausdrücken, dass dies nicht so ist. Dennoch denke ich, dass das Thema Aufmerksamkeit auch ein sekundärer Krankheitsnutzen sein kann und es der Mutist vielleicht in dem Moment gar nicht immer so schlecht findet, Aufmerksamkeit zu bekommen. Jeder mag es, wenn man sich um einen kümmert…
Zu deinem 2. Punkt: Naja schon. Aber ich denke, dass das eben nicht so unrealistisch ist, dass Mütter ihre mutistischen Kinder bemuttern und alles für sie übernehmen, wenn nicht sogar eine Ursache. Klar ist das nicht toll, aber deswegen macht es den Artikel in meinen Augen nicht schlecht, sondern ich denke, dass es so sein kann (bzw. weiß es teilweise auch)…
Und zum Thema “posieren”, “stylen” etc.: Ich finde nicht, dass Mutismus bedeutet, dass die Beiden das nicht auch tun können. Ich denke auch nicht, dass Mutisten zwangsläufig ein Problem damit haben, gesehen zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen. Ich würde am liebsten immer sagen, wenn jemand das Wort schüchtern mit mir in Verbindung bringt, dass ich nicht schüchtern bin, sondern “gehandicapped” und es nicht unbedingt, um das Trauen oder nicht Trauen geht, sondern um die innere Sprechblockade.
00:52, 6. Juni 2010khadi /
liebe sab,
danke für deinen ausführlichen kommentar, grade deine aussage das du dich eher gehandicapped fühlst, macht das alles viel verständlicher.
denn es ist wirklich so, dass man denkt mustisten müssen auch schüchtern sein, dank dir weiß ich nun das es nicht so ist :)
ich bin auch der meinung, das ein schlechter artikel besser als keiner ist.denn wie gesagt, es gibt wenige die diese krankheit oder dieses handicap kennen und somit mit totaler verständnislosigkeit reagieren.
ich finde den artikel abwertend geschrieben, weil ich als leser das gefühl hatte, der journalist würde diese krankheit nicht ernst nehmen. genauso wenig wie die mädchen.
z.b seine aussage über das tippen mit den rosa aufgeklebten fingernägeln, ich finde das gehört da nicht rein und beim lesen kam es mir eben so vor als wenn er ihre krankheit auf grund ihres aussehen nicht ernst nehmen würde.
und zum thema mutter. das meinte ich ja, ich finde es einfach nicht angebracht, wenn ihre kinder doch reden müssen und sie es doch immer wieder für sie tut. vielleicht meint sie es nur gut, doch ich finde sie müsste es besser wissen.
ich habe ja auf den letzten absatz hingewiesen, wo die zwillinge etwas erzählen und die mutter sie anscheinend nicht ernst nimmt
und genau das war, was mich so wütend gemacht hat beim lesen.
ihre kinder reden selten und wenn sie es tun glaubt ihnen die eigene mutter nicht bzw verleugnet sie.
total unglaublich…
09:12, 6. Juni 2010Sab /
@ khadi: Naja, wenn man einen Mutisten sieht, hat man wahrscheinlich auch wirklich das Gefühl, dass er schüchtern ist und vielleicht gibt es auch Mutisten, die schüchtern sind, aber mir geht sowas immer gegen den Strich. Kann es leider nicht gut erklären, aber für mich ist Schüchternheit irgendwie anders. Menschen, die nicht auffallen wollen… Und als Mutist fällt man ja nun total auf, wenn man angesprochen wird und schweigt…
Nagut, ob der Artikel nun abwertend geschrieben ist oder nicht, lässt sich diskutieren ;) Ich nehme an du hast noch nicht viel über Mutismus gehört? Und ja klar, ist dein Eindruck… Ich selbst würde mir auch wünschen, dass die Gefühle und der innere Kampf bei sowas viel mehr deutlich wird. Allerdings weiß ich auch nicht, wie das gehen soll. Da kommt ein Journalist in die Familie und der schreibt natürlich nur das, was er beobachten kann und sowas kann man eben realistisch beobachten… Hier ist noch ein Artikel über eine junge erwachsene Frau mit Mutismus. Vielleicht ist er dir sympathischer ;)
Ja, das stimmt. Das sollte die Mutter nicht tun. Und ich weiß auch nicht, wieweit sie aktiv an der Therapie mitmacht und lernt, dass nicht zu tun. Mir kam es im Artikel so vor, als hätte sie selbst psychische Probleme und sollte eine Therapie machen… Daher denke ich auch, dass es für die Mutter nicht einfach ist. Sie wird ihr Verhalten genaus über Jahre gelernt haben, wie ihre mutistischen Kinder. Irgendwie wird ihr Verhalten entstanden sein und daraus dann der Mutismus der Kinder.
Ich will die Mutter nicht in Schutz nehmen, aber sie wird genauso ihren Rattenschwanz an Problemen haben, wie andere. Ich denke auch nicht, dass sie es böse meint. Sie wird es nicht besser wissen. Ich denke die Ursachen von Mutismus sind in den meisten Fällen in der Familie zu finden und ohne nun über die Ursachen von meinem Mutismus zu schreiben (das möchte ich hier nicht öffentlich im Blog, wenn dich das Thema aber interessiert, kannst du mir gern eine E-Mail schreiben), weiß ich, dass es da Dinge gibt, die dich (als normaldenkender Mensch) noch komischer gucken lassen würden…
10:52, 6. Juni 2010phasesoflife /
Toller Bericht. Vor allem überrascht es mich, wie das Äußere der beiden ihrem Inneren so widerspricht. Da kann man nur hoffen, dass sie wirklich nicht eines Tages vergewaltigt o.Ä. werden, weil sie sich nicht wehren können …
Liebe Grüße
22:15, 6. Juni 2010Verena /
ich hatte, bis ich letztens deinen Blog gefunden habe, noch nie etwas von Mutismus gehört. Den Artikel habe ich gelesen. Wie phasesoflife bin ich auch überrascht, dass das Äußere der beiden Mädels nicht zu ihrem Inneren passt. Aber eigentlich muss das Äußere und das Innere ja auch nicht immer zusammen passen.
Was das “Reiß dich doch mal zusammen” betrifft, kenne ich das nur von mir selber. Ich leide seid 10 Jahren an Angst und Panikattacken und ich habe oft genug gehört, ich soll mich doch zusammenreißen. Als könnte man seine “Krankheit” einfach so abstellen…
17:49, 7. Juni 2010Sab /
@ Verena: Willkommen hier im Blog :)
Oh ja. Wenn das Zusammenreißen oder Überwinden nur so einfach wäre… Als könnte man seine “Krankheit” mal so eben abstellen, als wäre sie ausgedacht, nur weil es für andere Menschen vielleicht so geht…
18:27, 7. Juni 2010khadi /
liebe sab,
ich würde mich über einen e-mail austauschen freuen.
soll ich mich an diese adresse richten?
info[at]mutismusblog.de
und danke für den artikel, denn der gefällt mir wirklich besser!
18:45, 7. Juni 2010Sab /
@ khadi: Jap, kannst du machen. Oder, wie weiter oben geschrieben, sab[at]mutismusblog.de :)
Gern.
21:03, 7. Juni 2010bea /
ich finde der artikel stellt eher die mutter als ihre töchter in den mittelpunkt. man erfährt von den mädchen kaum mehr, als dass sie nicht reden, aber von der mutter gibts vielerlei (auch) unterschwellige infos auf die augen. dabei interessiert mich nun nicht, was die frau für innerfamiliäre bindungsprobleme hat, sondern wie so ein mutistischer teenager seinen alltag bewältigt.
aber wohl muss man auch hier mal wieder feststellen, dass falsche oder einseitige darstellung immer noch besser ist als gar keine.
14:38, 12. Juni 2010Pegg /
So finde ich den Artikel auch nicht schlecht, ich finde nur dass über Mutismus zu negativ geschrieben wurde, so nach dem Motto, die blöden Mutisten wollen ja nicht reden und erpressen ihre Eltern. Bei mir war es so, dass mene Mutter nur dann geredet hat für mich wenn Ärzte nicht mehr weiter wussten und mein Mutter darum gebeten haben zu reden. Eis bestellen war für mich nie ein Problem. Irgendwie ging es in der Schule nicht, bei Fremden, wo ich persönliche Dinge sagen musste und ganz besonders Therapeuten und Ärzte wo die Ängst stärker war. Ich finde es blöd nur den Eltern und den Betroffenen so zu sagen den Finger zu zeigen, weil sie es nicht besser wissen. Ätzte und Therapeuten sind genauso mit an der Aufrechterhaltung verantwortlich wie die Eltern in meinen Augen, Natürlich nur unbewusst. Deswegen finde ich die Schuldfragen und die Suche nach der Ursachen-Aufrechterhaltung ziemlich daneben. Tyrannen gibt es auch als gesunde Kinder häufiger, dass ist einfach ein generelles Problem heute und kein Mutismusspezifisches Problem.
Durch solche Aussagen trau ich mir meine Meinung nicht mehr mitzuteilen, jedenfalls nicht mehr müdlich.
Ein Leihe wird den Bericht auf jeden Fall falsch verstehen, so nach dem Motto sie wollen nicht reden, sind blöd, darf man nicht ernst nehmen und erpressen ihre Eltern. So würde ich das als Leihe sehen.
Es sind nicht viele Punkte in dem Artikel, aber die paar haben es in sich. Für einen Leihen würde ich den Artikel jedenfalls nicht empfehlen, weil es den Mutismus im Allgemeinen falsch dastellt.
Es gab auf jeden Fall schon bessere Artikel und dass die Zwillinge so schlecht sein sollen wie sie dagestellt wurden glaube ich nicht.
Mir wurde oft der Mund verboten, später auch das weinen, heute habe ich kein vertrauen mehr besonders zu Therapeuten und wenn dann nur mit Hindernissen.
Unsinn habe ich meistens nur genamcht mit anderen Kindern zusammen, alleine habe ich mich nie getraut.
Jedenfalls ist jeder Mutist anders wie jeder Mensch, es gibt nicht den einen Mutisten, sondern die Mutisten und so sollte es auch erwähnt werden wenn man einen einseitigen Mutismusbeitrag veröffentlicht, wenn man von die Mutisten spricht im allgemeinen sollte beim nächsten Beitrag darauf geachtet werden, dass es nicht den einen Mutisten mit den Macken gibt, sondern bei jedem unterschiedlich ist.
Das es Mutismus gibt ist das einzige was der Leihe halbwegs daraus lernt und wie es sich in etwa äußern kann. Deswegen ist der Artikel auch nicht schlecht.
Vielleicht gibt es bald einen besseren Artikel! Ich würde mich bereit erklären, so wie als TV-Beitrag, bis jetzt ist das an meine Komplexibilität, meinem Alter (weil meistens nur Kinder gesucht werden, schade eigentlich) und der vielen Probleme gescheitert. Ich würde es als Aufklärung machen, auch wenn ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe, aber es wäre mal aus einer erwachsenen Perspektive/ aus betroffenen Sicht und mal etwas anderes. Mitlerweile kann ich reden auch wenn das noch sehr gehemmt ist und ich zeitweise ruhiger werde.
Mutismus ist ein schwieriges Thema!
liebe Grüße
Pegg