Archiv für die Kategorie „Leben“

Gruppenarbeit

Freitag, 20. Januar 2012

Ich glaub’, ich hab’ in diesem Semester meine erste richtige negative Erfahrung bei Gruppenarbeiten in meiner bisherigen Studienlaufbahn gemacht. Aber so richtig. Es kann ja immer irgendwie schwerer oder leichter sein, weil die Zusammenarbeit besser passt oder eben nicht. Aber trotzdem konnte man gewisse Grundzusammenarbeitsregeln immer einhalten. Diesmal funktioniert das irgendwie nicht, weil zwei Expertinnen dazu irgendwie nicht in der Lage sind. Vielleicht haben sie beim Bachelor nicht aufgepasst oder ihn im Glücksspiel gewonnen. Ich weiß es nicht. Die fangen einfach an, ohne Absprachen und Aufteilungen und dann ist es aufeinmal fertig und der Rest der Gruppe wird zum Vortragen verdonnert. Weil sie ja absolut nichts gemacht haben und furchtbar faul sind. Gezwungenermaßen. Und dann fehlen auch noch Ergänzungen, die diskutiert werden sollten und keiner fühlt sich verantwortlich das zu tun, weil es sie ja nicht mehr betrifft. Sie müssen ja nicht vortragen. Das ist dann wunderbare Gruppenarbeit.
Und nun würd’ ich mich nicht nur gern mit meiner Gleichgesinnten laut aufregen und unsichtbar lästern, sondern auch in Anwesenheit der beiden Expertinnen. Gerade in solch’ einer Situation hätte ich gern gelernt schlagfertiger und lauter zu sein. Unabhängig von Mutismus. Hätte gern eine Meinung, die ich klar und deutlich äußern könnte, ohne in totale Gefühlausbrüche zu verfallen und, wie es eine der Expterinnen immer tut, wild rumzuzicken. Gerade hierbei wäre ich gern alles andere als wortlos, um die Welt ein bisschen fairer zu machen. Ich hätte es gern gelernt und wäre es gern. Bin es aber nicht.

Die Sache mit der Anzeige V

Sonntag, 1. Januar 2012

Die hab ich ja irgendwie mit dem Umzug ganz vergessen. Aber eigentlich ist auch nichts Großartiges passiert. Oder es ist das passiert, was zu hoffen und zu erwarten war. Die ganze Geschichte wurde an das Amtsgericht weiter geleitet und irgendwann bekam ich Post, dass das Verfahren eingestellt wurde, die entstandenen Kosten aber nicht getragen werden. Der Anwalt schrieb einen Widerspruch, dass der linke Nachbar nicht beweisen kann, dass das Stimmgewirr tatsächlich von mir stammt und deswegen trägt der Staat nun die Kosten. Besser wäre der Nachbar gewesen, aber die blöde Stadt da hätte ja auch nicht einfach – ohne weitere Zeugen – ein Bußgeld erheben müssen. Also selbst Schuld.
Jetzt gibt es nur noch kleine Anwaltskosten, die übrig sind und nicht zu dem Verfahren gehören. Und ich muss entscheiden, was damit passiert. Könnte man wohl dem linken Mensch aufdrücken. Genaueres weiß ich aber noch nicht, weil der Anwalt letztes Jahr so viel zu tun hatte und das neue Jahr vorschlug. Also demnächst…

Jahresrückblick 2011

Freitag, 30. Dezember 2011

Um die Tradition irgendwie fortzuführen, gibt es auch dieses Jahr einen kleinen Jahresrückblickseintrag. Und eigentlich kann ich nur sagen, dass meins ein gutes Jahr war. Natürlich nicht immer, so im Großen und Ganzen aber. Weil ich wieder zusammen passe und mich wieder gefunden habe. Mehr denn je. Weil ich sein kann und nicht mehr sein muss. Das ist das Wichtigste. Ich bin wieder jemand und habe einen Platz, an dem ich bis zum Schluss bleiben möchte. So innendrin.

Und außendrumherum bin ich jetzt eine fertig Studierte, was das Näschen vor all den Menschen, die mal gemobbt, getriezt und gezweifelt haben, beachtlich in die Höhe treibt. Vorallem vor denjengigen, die jetzt 24 sind und vier Kinder von drei verschiedenen Männern haben. Auch hab’ ich außen nun ein Master-Studium angefangen. An einer Universität, in einer Studentenstadt. Wie das geht, weiß ich aber erst nächstes Jahr. Und ich bin mit dem HERZMENSCH zusammengezogen. Und ich hoffe, dass ich da auch bleiben darf. Das nächste Jahr und die Jahre danach.
Ansonsten hatte ich noch einen Nebenjob und das ist auch irgendwie wichtig für mich, weil ich das noch nie hatte. Und vorher noch nie konnte. Und das waren eigentlich auch schon die wichtigsten Außensachen.

Ich hoffe Euer Jahr war auch ein bisschen gut. Oder vielleicht sogar ein bisschen mehr.
Ich wünsche Euch einen tollen Jahreswechsel mit lieben Menschen und kommt gut an, im neuen Jahr. Und dann wünsche ich Euch alles Liebe und Gute für das neue Jahr und nicht so ein schlimmes ARSCHLOCH-Jahr.

Eingelebt

Donnerstag, 3. November 2011

Nun bin ich schon einen Monat in der neuen Stadt und seit knapp drei Wochen mit dem neuen Studium beschäftigt. Die neue Stadt und die neue, gemeinsame Wohnung gefallen mir gut. Alle sagen zwar, die Stadt ist hässlich, aber irgendjemand sagte bei der offiziellen Studentenbegrüßung, dass sie auf den zweiten Blick schön sei. Den Satz mochte ich, weil es irgendwie stimmt.
Und das Studium ist auf den zweiten Blick auch schön. Auf den ersten, wie immer, anstrengend. Ob es anstrengender ist, als das alte weiß ich noch nicht. Bisher gibt es in diesem Semester weniger Gruppe- und Referatskrempel. Weil es einfach zu viele Studenten sind. Ist eben alles größer, in einer Studentenstadt mit fünstelligen Zahlen. Und inhaltlich weiß ich nicht. Vielleicht ein bisschen anspruchsvoller, weil es eben nun eine Universität ist und keine Hochschule mehr. Aber genau, weiß ich das wohl nach den Prüfungen. Aber das Universitätsstudentenleben mag ich. So riesig, so viele Sachen, so viele Möglichkeiten. So universitätsmäßig eben.
Nur mit den Menschen ist’s ein bisschen blöd. Ich habe zwar zwei Menschen, die an der gleichen Hochschule studiert haben und die ich deswegen kenne und Gesichter, die ich aus der Einführungswoche kenne, weil alle, die von anderen Hochschulen kamen, zusammen waren, aber Freunde werden wir wohl nicht. Eine Lieblingskommilitonin fehlt mir. Aber vielleicht gibt es die auch nicht. In den Vorlesungen sieht man jeden Tag neue Gesichter, weil es eben so viele sind und der Fachbereich recht groß ist. Und die Hochschule war eben, wie eine große Schulklasse. Jetzt ist’s eben unimäßig. Da ist es mit den Menschen schwieriger…

Neu

Montag, 10. Oktober 2011

Alles ist neu. Ich bin umgezogen. Neue Stadt. Neue Wohnung. In ein paar Tagen gehen die neuen Vorlesungen los. Neue Menschen. Und ich bin am Atmen. Am Stehenbleiben. Am Aushalten. Am Durchhalten. Am Leben. Vor Angst.

Und man kann auch…

Mittwoch, 28. September 2011

… mit selektivem Mutismus einen Studentennebenjob haben, den man sich selbst gesucht hat. Und bei dem man mit einer gefühlten riesen Gleichaltrigenschar im Team arbeitet. (Normalerweise hasse ich Gruppen von Gleichaltrigen am meisten, weil es da so schwierig ist mit dem Sprechen.) Das kann man. Und das kann man am Ende sogar so gut, sodass man traurig ist, dass es vorbei ist, auch wenn man sich die ersten Monate dort mit dem üblichen Angstkrempel hinquälen musste. Und man kann mit selektivem Mutismus sogar dort von einem Mitarbeiter angesprochen werden und lernen so schlagfertig zu sein, sodass man es schafft eine Abfuhr zu erteilen. Kann man auch. Man kann also einen Studentennebenjob haben. Oder ich kann.

Man kann…

Montag, 5. September 2011

… mit selektivem Mutismus studieren. Eigentlich dachte ich bis vor kurzem immer das geht nicht und irgendwas wird es geben, woran ich letztendlich scheitere. Oder weswegen ich aufgeben muss. Und eigentlich hab’ ich das Studium auch nur mit diesem Gedanken begonnen. Dass es irgendwann eine Mauer gibt, die zu groß ist. Ich bin ausgezogen und so eingezogen, sodass man alles schnellstmöglich kündigen, beenden und einfach wieder zurück kann. Habe fest damit gerechnet, dass das nichts für mich ist. Studieren. Nicht unbedingt, weil es wissenstechnisch nicht funktioniert, sondern vielmehr wegen der ganzen Sprecherei. Mündlichen Kram, Kontakt mit anderen Studenten und die Organisiererei. Aber irgendwie habe ich mich immer durchgebissen und nun muss ich am Ende doch irgendwie zugeben, dass ich studieren kann, weil ich nun fertig bin. Mit dem Bachelor. Kann nicht mehr sagen “ich kann das nicht”, weil ich fertig bin und es kann.
Und nun habe ich mich dazu entschieden weiter zu studieren, also den Master zu machen. Und innendrin beginne ich das genauso. Sekptisch und mit “ich kann das sicherlich nicht”. Nur sind die Zweifel jetzt ein bisschen größer. Weil ich von einer kleinen Hochschule in eine Universitätsstadt wechsele. Ob das funktioniert, weiß ich nicht. Aber das wusste ich vor dem ersten “ich kann das sicherlich nicht” auch nicht. Vielleicht funktioniert es, vielleicht nicht. Aber selbst, wenn es nicht funktioniert, finde ich das nicht schlimm. Weil ich mir mit einem Bachelor-Hochschulabschluss schon mehr bewiesen habe, als ich jemals gedacht und geglaubt hätte. Deswegen ist es in Ordnung, wenn es diesmal nicht funktioniert. Auch wäre es dann irgendwie ein normales Nichtfunktionieren. Denn wenn es nicht klappt, wäre es, weil es vielleicht zu viel, zu kompliziert, zu hoch ist und nicht weil ich Mutismus habe und aus diesem Grund nicht studieren kann. Deswegen ist es in Ordnung. Und wenn es nicht klappt, dann war es der falsche Weg. Dann gibt es einen anderen. Weil ich es kann.

Fertig

Mittwoch, 24. August 2011

Die Sache mit der Anzeige IV – Nachtrag

Freitag, 5. August 2011

Der Postmensch klingelte gestern bei mir und gab mir eine Sendung für die beiden “lieben” Studentinnen nebenan, da sie nicht da waren. Das kam wie gerufen für mich. Weil der Nachbar erst gestern von ihnen erzählte und ich doch nicht einfach bei ihnen klingeln konnte und fragen konnte, ob sie auch Stimmgewirr hören. Mutismusmäßig halt. Und mit Post in der Hand geht es leichter, weil ich so einen Grund für’s Klingeln hatte. Hab’ ich also gemacht und gefragt. Und nein sie hören kein Stimmgewirr in der gesamten Nacht. Dabei müsste die einen das aber tun, da sie direkt neben meinem Wohnzimmer schläft. Wo das Stimmgewirr ja her kommen soll. Auch sie sagte, manchmal müsse sie zur Toilette in der Nacht und würde überhaupt nichts hören. So wie ich. Nichts. Und dann sagte sie, dass ich doch auch oft gar nicht da bin und sie überhaupt nichts von mir hört. Komisch, dass der Nachbar gestern bei dem Schiedsverfahren aber sagte, dass sie sagte, dass es leiser geworden ist. Ja. Und dann erzählte sie mir noch Geschichten, die der Nachbar fabriziert hatte. Zum Beispiel wurde einmal die Polizei wegen ihm gerufen und dann standen sie brüllend im Treppenhaus. Und er ist der Meinung jemand macht ihm Dellen ins Auto usw. Ich hab gefragt, ob ich meinem Anwalt davon erzählen darf und sie sagte, dass sie das auch so aussagen würde. Ich glaub’ die Gerichtsverhandlung wird sehr spaßig..

Die Sache mit der Anzeige IV

Freitag, 5. August 2011

Gestern war das Schlichtungsverfahren und zusammenfassend war es mehr lustig als alles andere und besser als Fernsehen. Es fing damit an, dass wir (HERZMENSCH und ich) im Hof des Ortes standen, an dem der Termin statt fand. Der Nachbar lief schon an uns vorbei, ging die Gebäude mit Hemd und brauner Aktentasche ab, weil er den richtigen Eingang suchte, während der Anwalt geradewegs auf uns zu kam. Er zeigte mit dem Finger auf den Nachbarn, obwohl zig andere Menschen im Hof waren und schaute fragend und grinsend locker. Wir beide nickten. Als er uns begrüßte sagte er, dass er ihn sich genau so vorgestellt habe. Er ist über 70 und sieht eben auch so aus, als würde er Menschen anzeigen.
Drin. Begrüßung. Dem Schiedsmensch die Hand schütteln, Personalausweis zeigen und los gehts. Nachbar trägt vor, danach bin ich dran. Ich streite ab, dass ich jede Nacht von 0:30 Uhr bis morgens Stimmgewirr mache und beantworte die Frage vom Schiedsmensch, ob ich Lärm höre mit nein. Und schon bald beschimpft mich der Nachbar als Lügner und wird laut. Anwalt schreitet ein und sagt ihm, dass es rechtliche Konsequenzen für ihn haben wird, wenn er das weiter macht. Nachbar sagt, machen Sie doch. Und schreit weiter. Anwalt spricht die Vormieterin an, weil sie auch einen Brief vom Nachbar wegen nächtlicher Ruhestörung bekommen hat, aber Nachbar streitet es laut ab. Nein habe ich nicht! Anwalt sagt, Herr Nachbar, ich habe den Brief in der Tasche. Nachbar, nein habe er nicht. Schreiend natürlich. Anwalt holt Brief aus seiner, im Vergleich zu Nachbars Aktentasche, schäbig aussehende Tasche raus und zeigt Nachbar seine Unterschrift, damit er sich wieder erinnern kann. Doch hat er! Nachbar fragt wieder schreiend, wo er den Brief her habe und stellt seine Verschwörungstheorie weiter vor: Die Vermieter wollen, dass er früher ins Grab kommt. Er hatte einen Herzinfarkt und 4 Bypässe und nun machen ihm die Vermieter Ärger, damit er weg ist. Weil sie mich und die Vormieterin ja dazu angestiftet haben. Und dann konspiriere ich ja auch noch mit anderen Nachbarn. Ich zitiere. “Mit einer Frau aus der DDR, ihrem Kind und einem Ausländer”, die in einer Wohnung wohnen. Lustig war auch, dass die Vermieterin wohl schonmal mit ihm Kontakt mit einem Anwalt hatte, mit dem mein Anwalt eine Bürogemeinschaft führt. Deswegen hat mich die Vermieterin natürlich da hin geschickt und ich war überhaupt nicht bei der Rechtsberatung in der Hochschule. Nachbar fragte also, wie ich zum Anwalt gekommen bin und dieser antwortete mit dem Auto oder mit dem Bus und ab da war’s dann vorbei mit ernst in dieser Situation. Der Schiedsmensch versuchte inzwischen die Lärmursache zu finden und fragte nach. Ich mache keinen Lärm. Nachbar, sie lügt. Auch ist er der Meinung, dass mein Partner jede Nacht um 0:30 Uhr zu mir kommt und ich in “voreilendem Gehorsam die Musik anstelle”. Natürlich. Mein Partner wohnt unter der Woche woanders und tut es wie der ehemalige Partner. Der kam damals nämlich auch schon immer nachts zu mir. Wisst Ihr, ich suche meine Partner danach aus. Irgendwann erklärte der Schiedsmensch dem Nachbar, dass sich Lärm ausbreiten würde und der Anwalt sprach an, dass es Krankheiten gibt, die Stimmgewirr verursachen und Schiedsmensch stimmt zu. Erzählt von einem Fall, in dem ein Nachbar der Meinung war, der Nachbar würde weißes Zeug durch die Decke schütten. War nicht so. Nachbar sitzt da mit rotem Kopf und brüllt weiter. Schiedsmensch fragt, warum er so schreit, ob er denn schlecht hören würde und haut raus: “Wer laut wird, der lügt”. Nachbar sprachlos. Schiedsmensch muss selbst grinsen und verdrehte auch irgendwann die Augen. Nachbar sagt, dass es die beiden anderen Studentinnen nebenan nicht sind, weil sie lernen und Lehrerin werden wollen. Aha? Und ich will mein Studium nicht beenden? In meinem Kopf überlegt es. Lehrerin? Hier kann man doch nicht auf Lehramt studieren?! Aber gesagt hab’ ich’s nicht, weil ich eigentlich nur sprach, wenn ich gefragt wurde. Mutismus eben. Aber traurig bin ich nicht drum, weil so das ganze vielleicht noch absurder wirkt. Ein mich beschimpfender Nachbar und eine eingeschüchterte junge Frau. Da bin ich vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben dankbar für den Mutismus. Weil jeder natürlich gleich sieht wie furchtbar laut und böse ich bin.
Weiter gehts. Nachbar ist irgendwann der Meinung, dass mir die Vermieter kündigen müssen. Anwalt erzählt ihm Paragraphen und sagt, Herr Nachbar, das müssen sie in ihrer Ausbildung doch auch gelernt haben, dass das so nicht geht (er war Rechtspfleger). Am Ende meint Schiedsmensch, dass wir dann alle mal nachts in der Wohnung hören müssen. Anwalt sagt was von Feierabend und Sonderzuschlag, Schiedsmensch sagt, dass zahlt die Mandantin dann und Anwalt sagt “Nein, die zahlt nichts, das zahlt alles Herr Nachbar”. Ich schaue Nachbar das einzige und erste Mal an. Puderrot und sprachlos. Das gefällt mir.
Protokoll unterschreiben, dass es zu keiner Einigung kam und aus. Nachbar steht auf, will sich gerade beschweren, dass der Schiedsmensch den Namen vom HERZMENSCH nicht ins Protokoll aufgenommen hat. Hat er vergessen. Und Anwalt sagt leise, schnell weg hier, denn Nachbar will das Protokoll noch anfechten. Wir stehen draußen. Anwalt grinst und freut sich. Und erzählt mir noch, dass er mit den Vermietern telefoniert hat. Die sollen und wollen nach der ganzen Sache dann mal zu ihm kommen. Um zu gucken, wie es mit dem linken Nachbarn weiter geht. In diesem Haus. Dann wünscht er mit weiterhin viel Erfolg bei meiner Bachelorarbeit und sagte, ich solle mich keine Sorgen machen. Er regelt das alles. Ein bisschen Entspannung breitet sich aus.

Die Sache mit der Anzeige III

Montag, 1. August 2011

Inzwischen kenne ich die Anzeige gegen mich, weil der Anwalt mir eine Kopie zugeschickt hat und mittlerweile sind aus einer Anzeige sogar drei geworden, wie er mir bei einem Besprechungstermin sagte. Weil ich ja so furchtbar schlimm und laut bin. Am Anfang war mir bei der ganzen Sache noch sehr mulmig und panisch zu mute. Nun nicht mehr, weil’s lächerlich und absurd ist. Denn der Nachbar ist der Meinung, dass ich seit eineinhalb Jahren fast jede Nacht ab 0:30 Uhr Stimmgewirr mache und hält mich als Studentin für “beschäftigungslos“. Die dritte Anzeige enthält eine Liste mit Zeiten, in denen ich laut war und das war ich nicht. Die Vormieterin ist dabei, denn die bestätigt ähnliche Probleme und um das ganze noch zu toppen, ist der Nachbar jetzt der Meinung, dass die Vermieter mich dazu angestiftet hätten den Lärm zu machen, da sie – haltet Euch fest – in einem Schreiben an mich die Worte “ganz herzliche Grüße” schrieben. Am Anfang dachte ich tatsächlich er hört vielleicht irgendwo, irgendwas. Aber nun sollte der Nachbar vielleicht mal einen Arzt aufsuchen, um zu überprüfen, ob die Stimmen nicht aus dem Kopf kommen. Und falls ja sollte er schleunigst abgeholt werden. Von Männern mit weißen Jacken.
Einen Schlichtungstermin gibt es diese Woche übrigens auch noch, da der Nachbar ein Schiedsverfahren eröffnet hat, weil drei Anzeigen ja nicht ausreichen. Der Anwalt regt sich über den Schlichter auf, weil dieser den Termin nicht absagen wollte (der Anwalt hielt es für sinnvoll erst eins nach dem anderen zu machen) und der Schlichter wollte den Anwalt ausladen, darf er aber nicht, weil ich das Recht drauf hab’. Dann gibt es also einen wütenden Anwalt, einen komischen Schlichter, ein stimmenhörender Nachbar und ich – eine Mutistin, die seit eineinhalb Jahren jede Nacht Stimmgewirr macht. Prima. Kann man damit ins Fernsehen?

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