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Aufhängen

Natürlich krieg’ ich das auch hin, würdet ihr jetzt sagen, wenn ich die Gedanken, die mir gerade im Kopf rumschwirren, aufschreiben würde. Natürlich schaffe ich das irgendwie und wenn nicht, dann ist es auch nicht so schlimm. Dann ist es kein Beinbruch. Dann ist es in Ordnung und dann gibt es andere Wege, Möglichkeiten, mit denen es mir besser möglich ist. Das ist alles vollkommen okay.
Aber was ist verdammt nochmal, wenn ich nicht immer alles IRGENDWIE schaffen möchte. Wenn ich keine Um- oder Auswege haben möchte?! Keine anderen Möglichkeiten und auch keine halben Sachen. Wenn ich alles so haben und können möchte, wie ich es mir in meinen Gedanken ausmale. Und das sind keine riesig monstermäßig großen Dinge. Kleine, normale Dinge für jedermann. Was ist, wenn man mit diesem gottverdammten Charakter auf die Welt kam, sich nicht damit zufrieden geben zu können, bestimmte Dinge eben nicht zu können?! Weil wenn man es doch will, es auch MACHEN will.
Dann hat man entweder die Möglichkeit sich aufzuhängen oder das ganze Leben ein kleines bisschen unglücklich zu sein. Weil man Dinge nie so haben wird, wie sie manchmal klitzeklein im Kopf sind. Oder auch Träume genannt. Klitzekleine Träume. Im Café de Paris einen Kaffee zu trinken. Oder eine Sonnenblume oder Narzissen kaufen zu können, weil man sie einfach hübsch findet. Und keinen Kaffee in einem Fastfoodrestaurant oder eine Rose, weil sie leichter zu kaufen ist, weil man dazu keinen Florist ansprechen müsste.
Manchmal bin ich sehr für aufhängen, wenn ihr mich fragt…

Café de Paris

Jeden Freitagmorgen, wenn ich zur Vorlesung gehe, laufe ich daran vorbei. Ein kleines, fast zu übersehendes Café an der Straßenecke mit dem Namen Café de Paris in alter Schrift auf der Fensterscheibe aufgedruckt. Von außen, im Vorbeigehen, sieht es gemütlich aus. Wenn das Licht innen an ist und es draußen noch dunkel ist. Geöffnet hat es aber um die Uhrzeit sicherlich noch nicht.
Ich mag die Einrichtung. Jedenfalls das, was man von draußen, im Vorbeigehen, sehen kann. Die weißen und die dunkelbraunen Wände. Mit den dunklen Bilderrahmen dran. Den Inhalt kann man nicht erkennen. Aber die Bilder müssen einfach schön sein, wenn sie im Café de Paris hängen. Ich mag auch den dunkelbraunen Tresen mit dem dunkelbraunen Regal dahinter. Und die vielen Flaschen sehen hübsch darin aus. Von draußen. Und im Herbst, als es noch ein bisschen wärmer war, da standen draußen Tische. Die mochte ich auch. Kleine gemütliche Tische. Hübsch und einfach dekoriert.
Von außen sieht das Café sehr klein aus. Vielleicht nicht mehr als fünf Tische. Irgendwie gemütlich eben. Aber vielleicht ist es auch größer.

Und dann denke ich, im Vorbeigehen, dass ich dort mal gern einen Kaffee trinken würde. Und dass er dort bestimmt gut schmecken muss. So hübsch, wie es Innen aussieht. Vielleicht auch noch etwas Süßes. Und dann könnte man vielleicht dort ein Buch lesen. Ein Gutes, was man extra ausgesucht hat, um es in so einem Café lesen zu können…
Aber bevor ich weiter denke, fällt mir ein, dass ich doch gar keine Zeit habe. Der viele Stress für die Prüfungsvorbereitungen eben. Und in den Ferien, da… Schnell versuche ich etwas zu finden, was ich dann machen muss. Weil Ausreden besser als ein Ich-kann-nicht sind. Auch, wenn man sich damit selbst belügt. Aber es ist vielmehr eine Überlebensstrategie für mich, finde ich. Mit Ich-habe-keine-Zeit kann ich umgehen. Mit Ich-will-doch-so-gern-aber-ich-kann-nicht aber nicht so gut. Das tut weh. Weil es mich traurig macht.

Ich kann nicht, weil ich noch nie allein in einem Café war. Weil es viel zu kompliziert ist allein den Raum zu betreten, angeschaut zu werden, sich einen Platz zu suchen, zu bestellen und am Ende zu bezahlen. Aber vielleicht ist Ich-kann-nicht auch zu übertrieben. Sicherlich würde ich es können. Wenn es müsste. Aber, wenn es müsste, bräuchte ich keinen leckeren Kaffee, nichts Süßes und auch kein gutes Buch. Weil dann hätte ich Angst, Herzrasen, würde aushalten und überstehen. Eben überleben, wie immer. Und während dem Überleben wäre das Café de Paris sicherlich alles andere als schön und gemütlich. Dann wäre es ein Ort, an dem ich nicht sein möchte.
Also gehe ich nicht hin. Ins Café de Paris. Und ich werd’s auch nicht. Ich werde nur weiter daran denken, wie es wäre dort an einem gemütlichen, kleinen Tisch zu sitzen. Mit dem Kaffee und dem Süßen und dem Buch.

Präsentation

Ich wurde ausgelost eine Präsentation zu halten. Und irgendwie, innendrin, hab’ ich’s ganz genau gefühlt, dass es mich trifft. Und – es mag albern klingen – aber ich glaub’ dran, dass es der Weltbeste so eingerichtet hat. Weil er immer noch da oben ist und runterschaut und weil er weiß, dass es mir gut tut. Auch wenn ich höllisch schimpfe, die ganze Welt mal wieder unfair finde und ich mich mit meiner, eigentlich gar nicht vorhandene Pechsträhne, bemitleide.
Weil er weiß, dass es mir hilft und mich vorwärts bringt. Und weil er weiß, dass ich das kann. Ich glaub’, er hat’s gemacht. Weil er noch da ist…

Gruppenarbeit

Ich glaub’, ich hab’ in diesem Semester meine erste richtige negative Erfahrung bei Gruppenarbeiten in meiner bisherigen Studienlaufbahn gemacht. Aber so richtig. Es kann ja immer irgendwie schwerer oder leichter sein, weil die Zusammenarbeit besser passt oder eben nicht. Aber trotzdem konnte man gewisse Grundzusammenarbeitsregeln immer einhalten. Diesmal funktioniert das irgendwie nicht, weil zwei Expertinnen dazu irgendwie nicht in der Lage sind. Vielleicht haben sie beim Bachelor nicht aufgepasst oder ihn im Glücksspiel gewonnen. Ich weiß es nicht. Die fangen einfach an, ohne Absprachen und Aufteilungen und dann ist es aufeinmal fertig und der Rest der Gruppe wird zum Vortragen verdonnert. Weil sie ja absolut nichts gemacht haben und furchtbar faul sind. Gezwungenermaßen. Und dann fehlen auch noch Ergänzungen, die diskutiert werden sollten und keiner fühlt sich verantwortlich das zu tun, weil es sie ja nicht mehr betrifft. Sie müssen ja nicht vortragen. Das ist dann wunderbare Gruppenarbeit.
Und nun würd’ ich mich nicht nur gern mit meiner Gleichgesinnten laut aufregen und unsichtbar lästern, sondern auch in Anwesenheit der beiden Expertinnen. Gerade in solch’ einer Situation hätte ich gern gelernt schlagfertiger und lauter zu sein. Unabhängig von Mutismus. Hätte gern eine Meinung, die ich klar und deutlich äußern könnte, ohne in totale Gefühlausbrüche zu verfallen und, wie es eine der Expterinnen immer tut, wild rumzuzicken. Gerade hierbei wäre ich gern alles andere als wortlos, um die Welt ein bisschen fairer zu machen. Ich hätte es gern gelernt und wäre es gern. Bin es aber nicht.

Die Sache mit der Anzeige V

Die hab ich ja irgendwie mit dem Umzug ganz vergessen. Aber eigentlich ist auch nichts Großartiges passiert. Oder es ist das passiert, was zu hoffen und zu erwarten war. Die ganze Geschichte wurde an das Amtsgericht weiter geleitet und irgendwann bekam ich Post, dass das Verfahren eingestellt wurde, die entstandenen Kosten aber nicht getragen werden. Der Anwalt schrieb einen Widerspruch, dass der linke Nachbar nicht beweisen kann, dass das Stimmgewirr tatsächlich von mir stammt und deswegen trägt der Staat nun die Kosten. Besser wäre der Nachbar gewesen, aber die blöde Stadt da hätte ja auch nicht einfach – ohne weitere Zeugen – ein Bußgeld erheben müssen. Also selbst Schuld.
Jetzt gibt es nur noch kleine Anwaltskosten, die übrig sind und nicht zu dem Verfahren gehören. Und ich muss entscheiden, was damit passiert. Könnte man wohl dem linken Mensch aufdrücken. Genaueres weiß ich aber noch nicht, weil der Anwalt letztes Jahr so viel zu tun hatte und das neue Jahr vorschlug. Also demnächst…

Jahresrückblick 2011

Um die Tradition irgendwie fortzuführen, gibt es auch dieses Jahr einen kleinen Jahresrückblickseintrag. Und eigentlich kann ich nur sagen, dass meins ein gutes Jahr war. Natürlich nicht immer, so im Großen und Ganzen aber. Weil ich wieder zusammen passe und mich wieder gefunden habe. Mehr denn je. Weil ich sein kann und nicht mehr sein muss. Das ist das Wichtigste. Ich bin wieder jemand und habe einen Platz, an dem ich bis zum Schluss bleiben möchte. So innendrin.

Und außendrumherum bin ich jetzt eine fertig Studierte, was das Näschen vor all den Menschen, die mal gemobbt, getriezt und gezweifelt haben, beachtlich in die Höhe treibt. Vorallem vor denjengigen, die jetzt 24 sind und vier Kinder von drei verschiedenen Männern haben. Auch hab’ ich außen nun ein Master-Studium angefangen. An einer Universität, in einer Studentenstadt. Wie das geht, weiß ich aber erst nächstes Jahr. Und ich bin mit dem HERZMENSCH zusammengezogen. Und ich hoffe, dass ich da auch bleiben darf. Das nächste Jahr und die Jahre danach.
Ansonsten hatte ich noch einen Nebenjob und das ist auch irgendwie wichtig für mich, weil ich das noch nie hatte. Und vorher noch nie konnte. Und das waren eigentlich auch schon die wichtigsten Außensachen.

Ich hoffe Euer Jahr war auch ein bisschen gut. Oder vielleicht sogar ein bisschen mehr.
Ich wünsche Euch einen tollen Jahreswechsel mit lieben Menschen und kommt gut an, im neuen Jahr. Und dann wünsche ich Euch alles Liebe und Gute für das neue Jahr und nicht so ein schlimmes ARSCHLOCH-Jahr.

Eingelebt

Nun bin ich schon einen Monat in der neuen Stadt und seit knapp drei Wochen mit dem neuen Studium beschäftigt. Die neue Stadt und die neue, gemeinsame Wohnung gefallen mir gut. Alle sagen zwar, die Stadt ist hässlich, aber irgendjemand sagte bei der offiziellen Studentenbegrüßung, dass sie auf den zweiten Blick schön sei. Den Satz mochte ich, weil es irgendwie stimmt.
Und das Studium ist auf den zweiten Blick auch schön. Auf den ersten, wie immer, anstrengend. Ob es anstrengender ist, als das alte weiß ich noch nicht. Bisher gibt es in diesem Semester weniger Gruppe- und Referatskrempel. Weil es einfach zu viele Studenten sind. Ist eben alles größer, in einer Studentenstadt mit fünstelligen Zahlen. Und inhaltlich weiß ich nicht. Vielleicht ein bisschen anspruchsvoller, weil es eben nun eine Universität ist und keine Hochschule mehr. Aber genau, weiß ich das wohl nach den Prüfungen. Aber das Universitätsstudentenleben mag ich. So riesig, so viele Sachen, so viele Möglichkeiten. So universitätsmäßig eben.
Nur mit den Menschen ist’s ein bisschen blöd. Ich habe zwar zwei Menschen, die an der gleichen Hochschule studiert haben und die ich deswegen kenne und Gesichter, die ich aus der Einführungswoche kenne, weil alle, die von anderen Hochschulen kamen, zusammen waren, aber Freunde werden wir wohl nicht. Eine Lieblingskommilitonin fehlt mir. Aber vielleicht gibt es die auch nicht. In den Vorlesungen sieht man jeden Tag neue Gesichter, weil es eben so viele sind und der Fachbereich recht groß ist. Und die Hochschule war eben, wie eine große Schulklasse. Jetzt ist’s eben unimäßig. Da ist es mit den Menschen schwieriger…

Neu

Alles ist neu. Ich bin umgezogen. Neue Stadt. Neue Wohnung. In ein paar Tagen gehen die neuen Vorlesungen los. Neue Menschen. Und ich bin am Atmen. Am Stehenbleiben. Am Aushalten. Am Durchhalten. Am Leben. Vor Angst.

Und man kann auch…

… mit selektivem Mutismus einen Studentennebenjob haben, den man sich selbst gesucht hat. Und bei dem man mit einer gefühlten riesen Gleichaltrigenschar im Team arbeitet. (Normalerweise hasse ich Gruppen von Gleichaltrigen am meisten, weil es da so schwierig ist mit dem Sprechen.) Das kann man. Und das kann man am Ende sogar so gut, sodass man traurig ist, dass es vorbei ist, auch wenn man sich die ersten Monate dort mit dem üblichen Angstkrempel hinquälen musste. Und man kann mit selektivem Mutismus sogar dort von einem Mitarbeiter angesprochen werden und lernen so schlagfertig zu sein, sodass man es schafft eine Abfuhr zu erteilen. Kann man auch. Man kann also einen Studentennebenjob haben. Oder ich kann.

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