#59

Es geht nicht. Ich kann nicht ohne Schreiben leben. Immer wieder komme ich hier her. Immer wieder ende ich letztendlich hier. Vor meinem Notebook und auf dieser gottverdammten Seite, die mich schon beinahe 10 Jahre meines Lebens begleitet. Auch wenn ich mir in diesen Pausen hier genauso immer wieder sage, dass es einfach vorbei ist. Das Schreiben. Ich bin alt genug, als dass ich das Internet mit meinen kranken gedanklichen Ergüssen beglücken müsste. Aber das ist nicht so. Und das darf es nicht sein.

Vor einer ganzen Weile habe ich mir wieder die Arme aufgeschnitten. Das war tatsächlich eines der unerwachsesten Dinge, die ich tun konnte. Nicht das Schreiben. Es muss einfach sein. Es geht nicht ohne. Ich brauche Zeit für mich. Es muss wieder eine Sucht werden. Es muss meine Hausaufgabe werden. Meine Pflicht. Mindestens einmal in der Woche etwas für mich geschrieben zu haben. Ganz alleine für mich. Keine rotzbeschissenen Buchstaben für die Arbeit. Sondern rotzbeschissene Buchstaben, in denen in jedem einzelnen so viel scheißbeschissener Schmerz steckt, sodass es Jahre danach noch weh tut, weil der ganze rotzbeschissene Scheiß in diese Buchstaben gepresst ist. Für mich hier hin.

Ich versuche es hier also wieder. Mal wieder. Und ich hoffe, der ein oder andere von euch ist noch da nach all den Jahren.

Breton – Got Well Soon

#58

Die Firma spendet zu Weihnachten und jeder Mitarbeiter darf eine Spende verteilen. Ich habe ziemlich lange überlegt, welcher Verein meine Spende bekommt. War erst bei völlig normalen Dingen. Tierschutz. Allerdings regt mich das eher auf. Dieses ganze Tamtam um Haustierschutz, während andere Tiere gegessen werden, macht mich aggressiv. Dann war ich gedanklich bei meinem Ehrenamt von vor zwei drei Jahren, als mir zuhause die Decke auf den Kopf fiel, aber die Spende gab es so in etwa schon.

Ich habe also noch drei weitere Wochen nachgedacht und hin und her überlegt, ob ich die Gedanken der anderen zu meiner Spende haben möchte. Ja, möchte ich. Was soll’s auch. Meine Spende geht an psychisch kranke Kinder und Jugendliche. Am liebsten hätte ich dazu geschrieben, weil es sich lohnt. Ja, weil es sich scheißverdammtnochmal lohnt! Weil ich jeden Tag die Wohnung verlasse und abends wieder nach Hause komme. Weil ich jeden Monat all die Dinge bezahle, die ich als arbeitender Mensch bezahlen muss und mein Geld irgendwo hin trage, um Dinge zu kaufen, die ich nach meiner Meinung brauche oder mir eine Freude machen. So wie man das verlangt. Egal, wie es in mir aussieht. Ich tue es. Jeden Tag. Also lohnt es sich.

#57

Diese Woche war richtig schlimm. Es ist grad ohnehin alles nicht so einfach, aber diese Woche kamen noch zig Mutismusdinge dazu. Also war es Premiere, wie ich in normal schwierigen Momenten mit noch schwierigeren Scheißmomenten umgehen muss. Und das sogar jeden blöden Tag dieser Woche. Von Feedbacktelefonaten über Feedback in einer kleinen Riesengruppe bis hin zu Autofahren.

Und dann kam ich auch noch auf die Idee, einen Arzttermin in die Woche zu legen. Als gäbe es dafür keine anderen Wochen. Als müsste ich unbedingt jetzt einen neuen Arzt in der neuen Stadt ausprobieren. Und dann auch noch nach Feierabend ohne Urlaub, weil ich mir inzwischen zu fein bin, einzugestehen, dass ich vielleicht doch noch einen freien Tag für solche Anstrengungen brauche. Weil ich ihn einfach nicht brauchen will!

Es gab zwar ziemlich viele Tränen, einfach weil es so musste, aber jetzt ist hoffentlich einfach Ruhe. Drei endlos lange Tage Ruhe.

#56

Momentan stimmt mal wieder gar nichts. Ich möchte mir dir Finger wund tippen – weil es gibt nichts Schöneres, als das Tippen – aber mir fehlen die Buchstaben und ich habe Angst, dass genau das passiert ist. Vielleicht habe ich in den letzten Jahren aber auch einfach vergessen, wie es geht, Dinge zu benennen. Denn ich funktioniere nur noch. Und ehrlich gesagt erschreckt mich das ziemlich. Denn all das, was mich ausgemacht hat, ist irgendwie verschwunden. Vom Alltag verschluckt worden.

Ich weiß gar nicht mehr, welche Musik ich mag. Ich habe schon seit Ewigkeiten nicht mehr einfach nur dagelegen, an die Decke gestarrt und alles wieder in Ordnung gedacht. Ich habe keine Zeit mehr. Ich weiß nicht, wie ich diesen Blog in meinen Alltag integrieren soll. Und genauso weiß ich nicht, wann ich das letzte Mal nur mit mir und meinem Kopf beschäftigt war.

Einerseits ist das gut. Ich muss nicht immer alles bis ins Detail wegdenken und ich freue mich jeden Tag über meinen Alltag. Darüber, dass ich es geschafft habe und so wie ich bin, fertig bin – egal, was irgendwem noch fehlt. Mir fehlt überwiegend nichts. Und ich hätte nie gedacht, dass ich da mal hinkomme. Aber andererseits ist das nicht gut. Das war immer so wichtig und gut, einfach stundenlang irgendwohin abtauchen zu können und es hat mich ja auch immer weitergebracht.

Ich überlege seit Tagen, ob ich wieder Bahn fahren sollte. Kopfhörer, Smartphone und wie ein Weltmeister nachdenken und tippen. Mir fehlt allerdings noch eine gesellschaftlich akzeptierte Erklärung dafür. Ich fahre Bahn, weil ich nachdenken will? Ich amüsiere mich zwar häufig selbst über meine Eigenarten, aber dafür fehlt mir der Witz.

Es fehlt einfach momentan so viel und ich habe keine Zeit, es zu beschaffen.

Aesthetic Perfection – Architect

#55

Ich hatte letztens diese eine krasse Mutismussituation. Nicht diese hier, sondern eine noch schlimmere. Die ich zwar im Endeffekt genauso – also gut – gemeistert habe, aber sie war krass. Sehr krass, denn ich hatte arg zu kämpfen. Mit mir. Aber eigentlich wollte ich nicht erzählen, wie krass sie war. Ich muss nur etwas ausholen.

Ich wurde nämlich gefragt, was los war. Denn alles an mir kann zwar furchtbar gut erstarren, meine Mimik und meine Augen offensichtlich nicht. Das sagten früher schon immer alle, in Mutismushochzeiten. Also wird es wohl so sein und deshalb wurde ich von meinem Chef gefragt, was los war. Überrumpelt wurde ich zwar nicht. Ich habe damit gerechnet. Aber ich hätte mich natürlich gefreut, wenn es anders gekommen wäre. Nun gut, dachte ich.

Ich hatte keine Lust, mir etwas auszudenken. Was auch? Ich habe Kopfschmerzen? Passte nicht. Er sagte nämlich, ich hätte einen verärgerten Eindruck gemacht. Offensichtlich gar nicht so ungut im Gefühle aus dem Gesicht lesen, der Mann. Was hätte mich also ärgern sollen? Das Wetter? Albern konnte ich ja schließlich nicht sein. Also habe ich die Wahrheit gesagt. Natürlich, ohne weit auszuholen und ohne all das hier. Aber ich habe ganz klar und deutlich gesagt – ja, ich habe mich geärgert. Und zwar über mich selbst. Und warum.

Ich guckte. Er guckte. Und das ziemlich verdutzt. Dann sprach er und zwar in einem Ton, als müsse er die Ernsthaftigkeit meiner Worte anzweifeln. Oder wie „Na, wenn’s nur das ist. Ich dachte schon an was weiß ich“. Muss ich nicht. Das, was mich grün und blau ärgerte, verlangt keiner von mir. Dabei zog er die Worte so komisch lang. Ja doch, ich. Habe ich geantwortet. Er guckte noch genauso. Ja, was will ich machen. So bin ich. Und nun weiß ich auch nicht mehr.

Damit habe ich nicht gerechnet. Auch wenn ich gar nicht weiß, mit welcher Reaktion ich gerechnet habe. Nur damit nicht. Ist das alles nur noch ein Problem in meinem Kopf? Nein, eigentlich nicht. Denn irgendwie begegnet es mir ja doch noch fast täglich. Heute zum Beispiel auch. Es merkt nur keiner. Und offensichtlich so wenig, sodass die Wahrheit die verrückteste Erklärung auf seine Frage war. Nagut. Also bin ich für die Antwort dankbar. Muss ich nicht. Ich muss mir keine Sorgen machen. Alles ist prima. Und die Reaktion finde ich auch mehr als Interessant. Da musste ich erst einige Tage drüber nachdenken. So faszinierend. Wie passt das? Das für mich Offensichtlichste ist jetzt das Verrückteste? Wie ist das passiert? Es war doch immer so klar. Meine Güte. Ich musste aufpassen, dass ich nicht mindestens genauso dort stand wie er.

Und als meine eigene innerliche Wiedergutmachung für die Wut über mich selbst stand mein Chef einige Tage danach bis über beide Ohren lächelnd in der Bürotür und sagte, er ist richtig froh, mich gefunden zu haben.

#54

Da habe ich mich doch im letzten Blogeintrag so sehr damit beschäftigt, was eh und je Thema meines Personalgesprächs sein wird, sodass ich ganz vergessen habe, was neu ist. Neu ist nämlich, dass ich mich offensichtlich gut verteidigen kann. Dass ich mir das hole, was ich brauche und, noch viel besser, dass ich sage, wenn mich etwas stört. Vorausgesetzt es stört mich schlimm. Und noch viel besser daran ist, Menschen sehen das tatsächlich auch. Das ist neu. Natürlich ist alles eine Kosten-Nutzen-Sache. Was kostet es mich und wie gut ist das Ergebnis. Aber ja, ich kann’s, wenn ich den Nutzen als hoch einschätze und das ist toll. Und genauso toll ist, dass es auffällt. Dass es diesen Kontrast gibt. Dass der liebe, stille Mensch nicht nur so dahin plätschert, sondern dass er eben auch kann. Das ist neu.

#53

Vor einigen Tagen hatte ich mein Personal- und Feedbackgespräch. Und wie sollte es anders sein, ein Ergebnis ist, ich bin zu still. Das waren zwar nicht direkt die Worte von meinem Kollegen und auch nicht von meinem Chef, aber es war die Aussage ihrer Worte. Sie sagten, ich darf gerne meine Meinung sagen und dass sie sich wünschen, dass ich mich von mir aus mehr einbringe. Ist zwar netter formuliert, aber die Aussage ist die gleiche. Ich bin zu still.

Aber ehrlich gesagt, habe ich keine Lust mehr. Ich habe keine Lust, mich damit zu beschäftigen. Ich habe noch nicht mal mehr Lust, ihre Worte zu hassen. Denn seit Jahren höre ich nichts anderes. Mal netter ausgedrückt, mal weniger. Und deshalb habe ich keine Lust mehr. Ich bin dreißig Jahre alt und es reicht einfach. Es interessiert mich nicht mehr, wie ich das schaffen kann, was sie wollen. Ich schaffe es so sowieso nicht so, wie sie sich das denken. So wird es einfach nie sein und deshalb habe ich keine Lust mehr. Es ist einfach so wie es ist. Und zwar stiller. Ich werde nie in einer großen Gruppe über Dinge diskutieren, über die ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht habe. Oder zu denen ich mich nicht auskenne. Werde ich nicht. Vielleicht werde ich ab und an zwei, drei, vier oder auch fünf Sätze sagen können. Aber zu still werde ich eh und je sein. Ich bin so nicht und habe auch einfach keine Lust mehr, so sein zu wollen.

Vielmehr habe ich Lust, mich darauf zu konzentrieren, was ich kann. Nämlich darauf, dass ich es bin, die in einer Schulung zum Werbetexten sitzt und am liebsten im Boden versinke würde, weil wir Werbematerialien durchsprechen, die nicht gut sind, bis der Dozent plötzlich etwas gut findet und es von mir ist. Ich möchte mich darauf konzentrieren, zu akzeptieren, dass genau ich das bin, die das geschrieben hat. Und nicht darauf, wie ich Kreativübungen in großer Runde bewerkstelligen kann. Ich kann’s nämlich nicht. Ich möchte mich damit beschäftigen, wie ich es organisiert bekomme, Untermeetings zu führen, um in einer kleiner Gruppe kreativ zu sein. Das kann ich. Ich habe keine Lust, mich anzupassen. Ich will alles andere anpassen. Alle Umstände so machen, sodass es für m i c h passt. Ich kann in Gruppen mit mehr als fünf, sechs, sieben Menschen nicht gut. Und dann ist das eben so. Entweder sie haben ein scheißverdammtes Plappermaul oder sie haben mich. Entweder das eine oder das andere. Punkt. Aus. Zu Ende.

Herr V.’s Lächeln würde sich jetzt wahrscheinlich nicht mehr einkriegen. Oder es würde Kreise grinsen in seinem Gesicht, weil er sich an meiner großartigen psychischen Gesundheit erfreut. Während er mir so unglaublich fehlt und ich nicht weiß, ob das so alles richtig ist. So sehr fehlt er mir, dass es  mal wieder weh tut, weil er nicht da ist zum Teilen und auch eigentlich schon lange nicht mehr für mich da wäre, wenn er noch leben würde. Mit meinen dreißig Jahren und der Lust alles andere an mich anzupassen. Nicht umgekehrt.

#52

Ich mache wahrscheinlich Yoga. Zumindest habe ich zugesagt. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das tun soll, aber ja, ich habe zugesagt. Eine meiner Kolleginnen hat vor kurzem nämlich ihre Yogalehrerausbildung beendet und schlug vor, einen Kurs vor oder nach der Arbeit anzubieten. Einige interessierten sich dafür und auch ich finde, dass es gar nicht so unübel klingt und naja – ich bin dann wohl dabei.

Manchmal vermisse ich mein früheres Ich. Das Ich, das ständig alles genau Überdenken muss. Natürlich denke ich heute genauso über zig Dinge viel zu genau nach. Aber eben nicht immer. Über Yoga zum Beispiel nicht. Ich sitze ohnehin den ganzen Tag auf den Stuhl, müsste mich mehr bewegen, bin ohnehin auch gestresster als andere Menschen und ein Sportkurs klang schon immer ganz interessant. Dann habe ich noch gedacht, du kennst die Leute und das war’s. Mehr nicht. Und auch denke ich nicht immer nach, wenn ich mit den Lieblingskollegen rede.

Wahrscheinlich hätte ich sowieso mitgemacht. Ich hätte eben nur ein bisschen länger überlegt und wäre nicht sofort dabei gewesen. Ich hätte einfach genauer überlegt, ob ich mir es vorstellen kann. Und mit Sicherheit wäre ich auch zum gleichen Ergebnis gekommen, sodass es kaum einen Unterschied gibt zwischen dem früheren Ich und dem heutigen. Aber ein bisschen Angst macht es mir schon. Wohin führt das noch? Als nächstes organisiere ich das nächste Firmenevent, ohne vorher ausreichend überlegt zu haben, ob das überhaupt funktionieren wird.

#51

Und manchmal ist doch alles wieder näher als mir lieb ist. Ein bisschen sehr nah sogar. Gerade, wenn ich urplötzlich zu einer Sache große Reden schwingen soll, worauf man sich normalerweise wenigstens 10 Minuten vorbereitet. Manchmal habe ich Glück, dann geht es um Dinge, zu denen ich mich auskenne, sodass ich wenigstens ein bisschen sagen kann. Dann bin ich zwar am Ende nie zufrieden damit. Aber ich habe wenigstens etwas gesagt. Richtig Pech habe ich, wenn ich tatsächlich gar nichts weiß.

Beim Mutismus war früher das größte Problem, dass ich nicht denken konnte, während ich sprechen sollte. Es kam mir immer vor, wie eine immens komplizierte Kunst, gleichzeitig denken und reden zu können. Ich hatte jahrelang Respekt davor, wie Gehirne anderer Menschen das bewerkstelligen können. Selbst heute ist es noch schwierig, je nachdem, was ich urplötzlich sagen soll. Und dann bin ich eben näher am Mutismus als mir lieb ist. Dann ist nur eine Millisekunde zwischen der Vergangenheit, in der sich die Lippen nicht mehr bewegen ließen und die Stimmbänder keine Töne produzierten, und der Gegenwart. Ein klitzekleiner Atemzug und die Frage, kriege ich die Kurve oder kriege ich sie nicht. Mehr nicht.

Irgendwann war es Herr V. wichtig, dass ich gar Kurve kriegen muss, sondern „einfach“ nur sage, dass ich dazu nichts sagen kann. Es war wahrscheinlich sehr wertvoll, das in meiner Therapie zu lernen, sehr praxistauglich ist es allerdings nicht. Denn für die Menschen, die mich auffordern, ist das Ergebnis gleich.

Zum Glück kann ich das immer wieder sehr gut ausgleichen, durch Situationen, in denen ich mich vorbereiten kann. Und zum Glück gibt es da doch so einige. Denn unerträglich ist es immer noch. Auch heute. Für diesen einen kleinen Moment, bin ich nur eine Millisekunde vom Mutismus entfernt.

#50

Meine Kollegen machen sich aktuell Sorgen, dass ich ein Burnout bekommen könnte. Natürlich ist es nett, aber innerlich muss ich schmunzeln. Natürlich wissen sie nicht, wie es in mir aussieht und alle Anzeichen könnten dafür sprechen, dass es passieren könnte, wenn es so weiter geht. Und wie weit ich davon entfernt bin, weiß ich eigentlich auch nicht. Natürlich bin ich gerade müde und emotional erschöpft. Wahrscheinlich auch müder als sonst. Und wahrscheinlich sieht man mir das auch an. Natürlich muss ich erst einen Weg finden, damit umzugehen. Aber das ist ja nun wirklich nichts Neues, dass ich Wege finden muss, für Dinge, die ich tun möchte. Ich hatte schon viel größerer Müdigkeiten und Erschöpfungen als diese.

Und ich weiß mit hundertprozentiger Sicherheit, wie ich sehr große Müdigkeiten verhindern kann. Ich weiß haargenau, was ich brauche, was ich, wie kann und wie weit ich gehen kann, um nicht in einer psychischen Krise zu landen. Deshalb muss ich ein bisschen schmunzeln und würde gerne jetzt an dieser Stelle zum ersten Mal bei dieser Arbeit erklären, wer ich bin. Nämlich der Experte in überstandenen psychischen Erschöpfungen und Erkrankungen schlechthin.

Natürlich hat es Potential, aus dem Ruder zu laufen. Aber genau deswegen analysiere ich ja schon und suche wie ein Weltmeister. Genau deshalb gibt es auf meinem Desktop ein riesiges Bild vom Nordkap im Winter, denn da fahre ich nämlich hin. Und genau deswegen muss ich da auch überhaupt erst hinfahren und einen viel zu großen Haufen Geld ausgeben, den ich eigenständig verdient habe. Und genau deswegen habe ich auch vor einigen Tagen ausprobiert, ob das Schreiben hier noch tut was es soll und da es das tut, sitze ich auch heute wieder hier. Genau deswegen. Und genau deswegen mache ich auch andere Schreibpläne.

Ich weiß auch ganz genau, was ich brauche. Ich weiß, dass ich momentan ein bisschen mehr liegen und schlafen muss als sonst. Ich weiß auch, dass am Wochenende gerade keine Kraft da ist für schwierige Dinge. Ich weiß, dass es besser ist, wenn ich am Wochenende lieber Serien und Dokumentationen gucke oder auch ein Computerspiel spiele, was mich entspannt. Und das beste ist, ich weiß, dass es absolut in Ordnung ist so. Denn nicht anders löse ich solche Dinge. Seit Jahren.

Es ist nett, dass sich alle Sorgen machen. Natürlich ist es gerade schwierig, aber ich lasse mir die letzten Jahre nicht durch ein bisschen schwierig kaputt machen. Ich arbeite mich nicht durch Mutismus, um mich am Ende durch ganz normale Arbeit wieder irgendwo hin zu arbeiten, wo ich gerade erst raus kam. Nicht für eine Arbeit. Niemals.