Café de Paris
Jeden Freitagmorgen, wenn ich zur Vorlesung gehe, laufe ich daran vorbei. Ein kleines, fast zu übersehendes Café an der Straßenecke mit dem Namen Café de Paris in alter Schrift auf der Fensterscheibe aufgedruckt. Von außen, im Vorbeigehen, sieht es gemütlich aus. Wenn das Licht innen an ist und es draußen noch dunkel ist. Geöffnet hat es aber um die Uhrzeit sicherlich noch nicht.
Ich mag die Einrichtung. Jedenfalls das, was man von draußen, im Vorbeigehen, sehen kann. Die weißen und die dunkelbraunen Wände. Mit den dunklen Bilderrahmen dran. Den Inhalt kann man nicht erkennen. Aber die Bilder müssen einfach schön sein, wenn sie im Café de Paris hängen. Ich mag auch den dunkelbraunen Tresen mit dem dunkelbraunen Regal dahinter. Und die vielen Flaschen sehen hübsch darin aus. Von draußen. Und im Herbst, als es noch ein bisschen wärmer war, da standen draußen Tische. Die mochte ich auch. Kleine gemütliche Tische. Hübsch und einfach dekoriert.
Von außen sieht das Café sehr klein aus. Vielleicht nicht mehr als fünf Tische. Irgendwie gemütlich eben. Aber vielleicht ist es auch größer.
Und dann denke ich, im Vorbeigehen, dass ich dort mal gern einen Kaffee trinken würde. Und dass er dort bestimmt gut schmecken muss. So hübsch, wie es Innen aussieht. Vielleicht auch noch etwas Süßes. Und dann könnte man vielleicht dort ein Buch lesen. Ein Gutes, was man extra ausgesucht hat, um es in so einem Café lesen zu können…
Aber bevor ich weiter denke, fällt mir ein, dass ich doch gar keine Zeit habe. Der viele Stress für die Prüfungsvorbereitungen eben. Und in den Ferien, da… Schnell versuche ich etwas zu finden, was ich dann machen muss. Weil Ausreden besser als ein Ich-kann-nicht sind. Auch, wenn man sich damit selbst belügt. Aber es ist vielmehr eine Überlebensstrategie für mich, finde ich. Mit Ich-habe-keine-Zeit kann ich umgehen. Mit Ich-will-doch-so-gern-aber-ich-kann-nicht aber nicht so gut. Das tut weh. Weil es mich traurig macht.
Ich kann nicht, weil ich noch nie allein in einem Café war. Weil es viel zu kompliziert ist allein den Raum zu betreten, angeschaut zu werden, sich einen Platz zu suchen, zu bestellen und am Ende zu bezahlen. Aber vielleicht ist Ich-kann-nicht auch zu übertrieben. Sicherlich würde ich es können. Wenn es müsste. Aber, wenn es müsste, bräuchte ich keinen leckeren Kaffee, nichts Süßes und auch kein gutes Buch. Weil dann hätte ich Angst, Herzrasen, würde aushalten und überstehen. Eben überleben, wie immer. Und während dem Überleben wäre das Café de Paris sicherlich alles andere als schön und gemütlich. Dann wäre es ein Ort, an dem ich nicht sein möchte.
Also gehe ich nicht hin. Ins Café de Paris. Und ich werd’s auch nicht. Ich werde nur weiter daran denken, wie es wäre dort an einem gemütlichen, kleinen Tisch zu sitzen. Mit dem Kaffee und dem Süßen und dem Buch.
Schlagworte: Angst, Gedanken, Leben, Mutismus, selektiver Mutismus, Sprechen


4. Februar 2012 um 00:28 Uhr
Ich kenne das. Bei mir sinds nur die Verabredungen, die ich dauernd absage, weil ich zu viel Angst hab… Und dann schiebe ich als Ausrede immer vor, dass ich keine Zeit hab, dass ich zu viel lernen muss etc. und das Schlimme ist, dass ich es selbst auch noch glaube bzw. mir einrede.
Wenn der Prüfungsstress vorbei ist, können wir ja mal zusammen ins Cafe de Paris gehen. Dann ists vielleicht nicht ganz so schlimm.
4. Februar 2012 um 10:16 Uhr
@Franzi: Gern
Aber nicht, dass du dann vor der Verabredung Angst haben musst…
4. Februar 2012 um 18:30 Uhr
Du kannst auch einfach mal im McDonalds oder so üben. Wenn McDonalds dann bei Dir schlecht angeschrieben ist, macht das nicht sonderlich was, aber um das schöne Café wär’s schade.
4. Februar 2012 um 23:33 Uhr
@Violine: Naja, McDonalds ist anders. Da kauft man einmal und bezahlt gleich. Und hat dann “Ruhe”. Das kann ich. In einem Café mit Bediehnung müsste ich mir die ganze Zeit Gedanken machen, wie ich es hinbekommen kann, mitzuteilen, dass ich zahlen möchte z.B. Oder noch was bestellen und wieder reden.
6. Februar 2012 um 15:11 Uhr
@ Sab: Nein, vor der Verabredung hätte ich keine Angst.
Und beim Bezahlen schreie ich auch nicht durch das komplette Lokal nach dem Kellner, sondern gehe immer nach vorne zur Theke und sage, dass ich gerne zahlen würde. ;)
7. Februar 2012 um 13:32 Uhr
Vielen Dank für deinen Besuch und dein toller Tipp. Werd ich gleich mal im Internet nachschauen.
Liebe Grüsse
Jasmin
8. Februar 2012 um 09:04 Uhr
Ahja, der Unterschied von der Selbstbedientheke zum Abwarte-Café.
Dieses passive Hoffen, dass einen die Bedienung im richtigen Moment beachtet, eklig. Mit einem guten Buch und viel Zeit mag es noch angehen, aber mit Hunger oder Ungeduld… nee, nix für Leute, die immer übersehen werden !
9. Februar 2012 um 21:17 Uhr
Finde des total interessant mit deiner Krankheit. Damit wird dein Blog auch zu was wirklich besonderem. Ich werd den jetzt auf jedenfall verfolgen!
Hab übrigens grad eine Aktion auf meinen Blog. Vielleicht hast du ja Interesse deine Frage dazu zu schreiben. ;)
13. Februar 2012 um 10:09 Uhr
[...] wie sie manchmal klitzeklein im Kopf sind. Oder auch Träume genannt. Klitzekleine Träume. Im Café de Paris einen Kaffee zu trinken. Oder eine Sonnenblume oder Narzissen kaufen zu können, weil man sie [...]