#47

Ich habe den Blog nicht vergessen. Ganz und gar nicht. Aber das hier gehört einfach nicht mehr in meinen Alltag. Vielleicht gehört das Schreiben auch gar nicht mehr so zu mir, wie es das früher tat. Einerseits ist es schade und ich möchte es sofort ändern. Andererseits ist es vollkommen in Ordnung. Denn es bedeutet gleichzeitig, dass einfach andere Dinge viel wichtiger geworden sind. In meinen Alltag ist kein Platz mehr. Während in den Monaten nach dem Umzug noch Platz für das Schreiben in der Bahn war, gibt es inzwischen keine Bahn mehr für mich. Ich fahre damit seit dem 1. Oktober nicht mehr. Ich fahre mit dem Auto. Komplett. Die ganze Strecke. Morgens 31,7 Kilometer hin und abends 30,4 Kilometer zurück. Und da kann ich logischerweise nicht schreiben. Auch kann ich nicht während des Fahrens darüber nachdenken, was ich schreiben könnte.

Irgendwo findet ihr hier sicher einen Jammereintrag, dass ich nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren kann und wie gern ich es können würde. Diesen Eintrag müsste ich eigentlich selbst lesen, damit ich das noch besser wertschätzen kann. Meistens kann ich das noch, denn all die Fahrerei geht nur schleppend voran. Sehr. Ich tuckere im Berufsverkehr über die Landstraße, obwohl es eine Autobahn gibt, weil ich das Stop-and-Go auf der Landstraße schon ausreichend nervenauftreibend finde. Erst jetzt gewöhne ich mich so langsam daran. Inzwischen kann ich mich auch 100%ig bis zum Feierabend auf meine Arbeit konzentrieren und schaue nicht mehr eine Stunde vorher alle Nase lang auf die Uhr, weil ich gleich Autofahren muss. Leider habe ich es noch nicht geschafft, morgens 30 Minuten später los zu fahren. Noch immer bin ich viel zu früh dort. Und noch immer ist es eine mittelschwere Katastrophe oder sogar ein unlösbares Problem, wenn ich auf einmal wo anders hin muss. Dafür habe ich aber meine erste Straßensperrung gemeistert. Und heute bin ich zum ersten Mal die gesamte Strecke ohne Navi gefahren. Ich war also entspannt genug, um ohne Notfall-Notfall-Hilfe fahren zu können. Ich merke selbst ein bisschen, dass es wird. Nicht, dass ich das Fahren an sich gut finde. Aber ich kann mir vorstellen, dass ich die 40 Minuten Arbeitsweg genießen lernen kann. Irgendwann. Vielleicht dann in zweieinhalb Monaten. Nach den nächsten 2.732,4 Kilometern.

2 Gedanken zu „#47

  1. Für mich ist das eine ganz und gar wundervolle Nachricht – und ich find’s schade, wenn du nicht total stolz auf dich bist.

    Kannst du – nur mir zu Liebe, bitte – jeden Morgen und jeden Abend, wenn du fährst, für 30 Sekunden stolz auf dich sein? Das würde mich freuen. 😉

    Und es ergibt insgesamt ungefähr 22 Minuten Stolzsein in 2 1/2 Monaten. 🙂

  2. Hallo mein Kommentar betrifft nicht den Beitrag. Nur leider funktioniert die E-Mail Adresse nicht und ich würde gerne das Passwort haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.