#40

Letztes Jahr machte der Mai alles neu und dieses Jahr auch. Wir sind umgezogen. Und die Wohnung ist wirklich toll. Riesig groß und neu und modern und richtig hübsch. Der Wohnbereich ist so groß wie meine erste Wohnung – die k o m p l e t t e Wohnung (!),  die Arbeitsfläche der Küche ist so groß, sodass drölfzig Mann zusammen kochen können und das Bad erst. Man könnte sogar in der Badewanne liegen, mit der modernen Technik Serien gucken (im Bad!), während man gleichzeitig duschen könnte. Das Ganze hat im Winter eine Fußbodenheizung und ich kann mich jeden morgen automatisch mit Tageslicht wecken lassen. Über die Fenster natürlich. Und der Balkon erst – ein Traum. Der Sonnenschutz fehlt zwar noch und die Blumen auch, aber er hat Paradispotential. Mein Auto hat einen eigenen Parkplatz und hier ist es ruhig. Ich habe an all dem Nichts auszusetzen. Nichts.

Außer, dass ich nicht erwartet hätte, dass es mir so schwer fällt, mich einzugewöhnen. Das letzte Mal funktionierte es eindeutig besser. Vielleicht liegt es aber daran, dass ich nebenher – nach wie vor – noch Vollzeit arbeite. Ich komme also jeden Abend in Chaos. Schönes Chaos mit riesen Potential, aber eben Chaos. Bis vor wenigen Tagen hatten wir kein Bett, kein Sofa und vieles anderes nicht. Geschweige denn die ganzen Kartons, die noch überall in den Ecken stehen. Oder die fehlenden Vorhänge und Lampen. Ich hatte nicht erwartet, dass mir das Neue so viel Kraft raubt. Oder andersrum. Das Arbeitengehen nimmt so viel Energie in Anspruch, sodass mir das Neue mehr abverlangt, als in der Vergangenheit. Momentan bin ich immer sehr froh, wenn ich noch etwas von Vorher finde, sodass ich nicht alles gleich überstürzen muss und eben noch ein bisschen vom Alten übrig bleibt.

Vielleicht ist es aber auch nicht nur einfach die neue Wohnung. Sondern das, was hier noch alles dran hängt. Nämlich ein Schritt weiter. Das Studentenleben ist nun endgültig vorbei. Hier wohnt kein Student mehr. Hier wohnen Familien in hübschen Wohnungen, die das Geld kosten, was man verdient hat. Hier stehen gute Autos, meins passt schon fast nicht mehr hier hin. Man holt im Morgenmantel Zeitungen aus den Briefkästen und man muss auch immer mit dem Auto fahren, um irgendwo hin zu kommen. Hier ist es hübsch. Spießig hübsch. Und eben anders. Ich muss mich also nicht nur an die eigenen vier Wände gewöhnen, sondern auch all das Übrige verändert sich. Vielleicht ist es genau das, was mir mehr zu schaffen macht, als erwartet. Ich bin nun endgültig keine Studentin mehr. Ich gehe arbeiten und nun sieht man es eben auch außen, dass ich Geld verdiene.

Ein Gedanke zu „#40

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